Die Operation Ben-Ami (hebräisch מבצע בן עמי) war eine Militäroperation der zionistischen Hagana, die während des Palästinakriegs im Mai 1948 in der Küstenregion im Westen Galiläas stattfand. Während der Operation wurden die meisten arabischen Dörfer an der Küste gezielt von der Hagana zerstört; ein Großteil der arabischen Bevölkerung floh bzw. wurde vertrieben. Obwohl im UN-Teilungsplan für Palästina ursprünglich dem arabischen Staat zugesprochen, wurde Westgaliläa im Ergebnis der Operation Ben-Ami Teil des Staates Israel.

Der UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 hatte vorgesehen, dass der Westen Galiläas zum arabischen Staat gehören sollte. Die acht jüdischen Siedlungen Naharija, Regba, Matzuva, Chanita, Schawe Zion, Eilon, Evron und Jechiʿam, in denen zusammen weniger als 4.000 Juden wohnten, hätten damit außerhalb Israels gelegen. Wenige Wochen nach Verabschiedung des Teilungsplans gründeten die acht Siedlungen das Westgaliläa-Komitee („Western Galilee Commitee“), das bei den politischen Organen des Jischuv dafür lobbyierte, dennoch in den jüdischen Staat aufgenommen zu werden. Alternativ plante man eine eigene unabhängige jüdische Republik in Westgaliläa.
In den ersten Wochen des Jahres 1948 wurden einige Hundert Hagana- und Palmach-Soldaten sowie Notrim in Westgaliläa stationiert; auch die Arabische Befreiungsarmee fand sich Anfang Januar in der Region ein. Besonders prekär war die Lage des abgelegenen, 1946 gegründeten Kibbuz Jechiʿam, das am 20. Januar erstmals von arabischen Kräften angegriffen wurde. Die arabischen Kämpfer errichteten im März eine Blockade, die Jechiʿam und die anderen jüdischen Gemeinden vom Rest des Landes abschnitt, nachdem die Hagana bei Kiryat Motzkin einen arabischen Konvoi überfallen hatte. Teils gelang die Umgehung der Blockade über den Seeweg. Am 27. März wurde wiederum ein Konvoi der Hagana, der Nachschub nach Jechiʿam bringen sollte, von arabischen Kämpfern angegriffen.
Als Teil von Plan Dalet hatte die zionistische Führung einige Wochen vor der Israelischen Unabhängigkeitserklärung mit der Planung einer Operation zur Eroberung Westgaliläas begonnen. Im April wurde in der Hagana, zunächst noch unter dem Namen „Operation Ehud“ ein Entwurf erarbeitet, welcher Angriffe auf al-Kabri, al-Nahr, al-Bassa und az-Zeeb sowie „die Vernichtung der Banden [und] der Männer [und] die Zerstörung von Eigentum“ vorsah. Die Operation Ben-Ami wurde von Mosche Karmel befehligt, der sich Benny Morris zufolge „sehr wahrscheinlich“ die komplette Vertreibung der arabischen Bevölkerung wünschte.

Die Operation begann am Abend des 13. Mai mit einem Vorstoß einer Kolonne von drei Bataillonen der Carmeli-Brigade von den nördlichen Vororten Haifas aus in Richtung Norden. Al-Sumayriyya war das erste Dorf, das am 14. Mai noch vor Sonnenaufgang fiel und im Anschluss unverzüglich zerstört wurde. Die Einwohner waren mit dem Einsetzen von Mörserbeschuss vonseiten der Hagana geflohen. In den frühen Morgenstunden des 14. Mai brachen zwei Hagana-Kompanien von Naharija aus auf, um al-Bassa anzugreifen. Die Verteidiger des Dorfes leisteten unter hohen Verlusten bis 11 Uhr Widerstand; die überlebenden Einwohner flohen in den Libanon. Auch az-Zeeb fiel am selben Morgen. Dorfbewohner berichteten später, in al-Bassa sei eine Handvoll Jugendliche exekutiert und in allen drei Dörfern seien Frauen belästigt bzw. vergewaltigt worden.
Circa 100 alte und christliche Einwohner al-Bassas sowie einige wenige Einwohner az-Zeeb wurden in den Folgetagen nach Mazra‘a umgesiedelt. Mazra‘a war das einzige arabische Dorf, das nach der Operation Ben-Ami in Küstennähe im Westen Galiläas bestehen blieb. Zwischen den beiden Phasen der Operation nahmen die israelischen Truppen am 17. Mai die Stadt Akkon ein.
Der Operationsbefehl vom 19. Mai wies das 21. Battalion der Carmeli-Brigade an, zum Kibbuz Yehiam durchzustoßen und es mit Nachschub zu versorgen. Ferner lautete die Anweisung, die Dörfer al-Kabri, al-Nahr und Umm al-Faraj „mit dem Ziel der Eroberung, Tötung erwachsener Männer, Zerstörung und Brandstiftung“ anzugreifen.
Am 20./21. Mai griff die Carmeli-Brigade die Dörfer al-Kabri, al-Nahr, al-Tall und Umm al-Faraj an und zerstörte sie vollständig. In al-Kabri exekutierten die israelischen Soldaten beim Al-Kabri-Massaker einige Dorfbewohner. Ziel der Zerstörungen war für den Kommandeur Mosche Karmel die Bestrafung der Dorfbewohner und ihre Rückkehr dauerhaft zu verhindern. Das letzte Dorf, das die Hagana während der Operation Ben-Ami eroberte, war al-Ghabisiyya. Das Dorf hatte vor dem Eintreffen der Israelis seine Kapitulation erklärt; dennoch betraten die Soldaten es unter anhaltendem Gewehrfeuer und töteten dabei eine Handvoll Einwohner. Weitere Einwohner al-Ghabisyyas wurden im Anschluss an die Einnahme exekutiert.
| Name | Datum | Einwohner (1944/45) | Quelle |
|---|---|---|---|
| Az-Zeeb | 14. Mai 1948 | 1.910 | |
| Al-Bassa | 14. Mai 1948 | 2.950 | |
| Al-Manshiyya | 14. Mai 1948 | 810 | |
| Al-Sumayriyya | 14. Mai 1948 | 760 | |
| Al-Tall | 20./21. Mai 1948 | 300 | |
| Umm al-Faraj | 20./21. Mai 1948 | 800 | |
| Al-Kabri | 20./21. Mai 1948 | 1.520 | |
| Al-Nahr | 20./21. Mai 1948 | 610 | |
| Al-Ghabisiyya | 20./21. Mai 1948 | 690 |