
Operation Vico war eine Operation der Interpol, die gegen einen Missbrauchstäter mit dem Spitznamen „Vico“ gerichtet war. Ihm wurden Verbrechen gegen Kinder und Sexualverbrechen zur Last gelegt. Kriminaltechnikern des deutschen Bundeskriminalamts gelang dabei die Wiederherstellung von digitalen Bildern, die mit dem Swirl-Effekt, einem Verzerrungsfilter, verfremdet worden waren.
Am 8. Oktober 2007 veröffentlichte die Interpol Bildmaterial, das den Täter zeigte, der auf 200 Bildern Kinder sexuell missbrauchte. Dieser Schritt war der Beginn der Operation. Es handelte sich um den ersten öffentlichen Fahndungsaufruf dieser Art in der Geschichte der Interpol; die Bilder wurden weltweit von Medien verbreitet, und mehr als 350 Personen meldeten sich mit Hinweisen. Fünf Quellen nannten unabhängig voneinander einen 1975 geborenen kanadischen Englischlehrer namentlich als Verdächtigen. Interpol bestätigte später, dass der Genannte als Täter in Betracht komme und sich vermutlich in Thailand aufhalte.
Der Verdächtige hatte zuletzt in Südkorea als Englischlehrer gearbeitet und war am 11. Oktober 2007 von dort nach Bangkok geflogen, wo er zuletzt am Flughafen von Überwachungskameras erfasst wurde. Noch am selben Tag leitete Interpol die eingegangenen Hinweise an die thailändische Polizei weiter. Am 18. Oktober 2007 wurde in Thailand Haftbefehl gegen den Verdächtigen erlassen, und Interpol veröffentlichte eine sogenannte Red Notice (internationale Fahndungsausschreibung). Am 19. Oktober 2007 – elf Tage nach Beginn des öffentlichen Fahndungsaufrufs – wurde der Mann von der thailändischen Polizei festgenommen.
Im August 2008 verurteilte ein Gericht in Bangkok den Festgenommenen wegen der Entführung und des sexuellen Missbrauchs eines minderjährigen Jungen sowie der Verbreitung pornografischer Aufnahmen im Internet zu 39 Monaten Haft; das ursprüngliche Strafmaß von sechseinhalb Jahren wurde wegen seines Geständnisses halbiert. Im November 2008 wurde er in einem zweiten Verfahren wegen des Missbrauchs eines weiteren Jungen zu sechs zusätzlichen Jahren Haft verurteilt.
Nach rund fünf Jahren Haft in Thailand wurde der Verurteilte im September 2012 entlassen und nach Kanada zurückgebracht, wo er unter strengen Auflagen auf freien Fuß gesetzt wurde. 2014 wurde er wegen Verstoßes gegen diese Auflagen (Besitz internetfähiger Geräte) zu drei Monaten Haft und drei Jahren Bewährung verurteilt. Im Dezember 2015 bekannte er sich vor einem Gericht in British Columbia in fünf Anklagepunkten schuldig, darunter sexuelle Handlungen an zwei Jungen in Kambodscha im Jahr 2003 – verfolgt nach den kanadischen Gesetzen gegen Sextourismus – sowie Besitz und Abruf von Kinderpornografie. Im Juni 2016 wurde er dafür zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt, von denen er nach Anrechnung der Untersuchungshaft noch gut 14 Monate zu verbüßen hatte.
Der Erfolg der Operation Vico hatte auch institutionelle Folgen: Die Interpol-Generalversammlung verabschiedete 2007 eine Resolution, die die Organisation ermächtigt, in Ermittlungen zu sexuellem Kindesmissbrauch öffentlich um Mithilfe der Bevölkerung zu bitten. Auf dieser Grundlage startete Interpol am 6. Mai 2008 mit der „Operation IDent“ ihren zweiten öffentlichen Fahndungsaufruf nach einem unbekannten Missbrauchstäter; der Gesuchte wurde aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung binnen 48 Stunden in den USA identifiziert und festgenommen.