

On-Orbit Servicing (Abk.: OOS) beinhaltet Montage-, Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an einem im Orbit befindlichen künstlichen Objekt (Satellit, Raumstation, Raumfahrzeug) mit dem Ziel die Nutzungsdauer des Zielobjektes zu verlängern und/oder dessen Fähigkeiten zu erweitern (Upgrade). OOS kann hierbei in bemannte und unbemannte Missionen untergliedert werden.
Bemannte OOS-Missionen können als Bestandteile der bemannten Raumfahrt angesehen werden. Sollte eine Systemkomponente versagen, versucht die Besatzung dieses zu reparieren oder zu ersetzen, ob an einem Raumschiff oder an einer Raumstation. Im Nachfolgenden einige erfolgreiche OOS Missionen:
Während bemannte OOS-Missionen zwangsläufig zum Standard in der bemannten Raumfahrt gehören, sind die meisten unbemannten noch auf theoretisch-experimentellem Level. Das einzige bereits einsatzreife System ist das Mission Extension Vehicle von Northrop Grumman.
Im Nachfolgenden einige Projekte und Studien zu OOS:
Space Robot Technology Experiment (ROTEX, 1993):
Ranger Telerobotic Flight Experiment (RFX/TFX, 1993–2005):
Engineering Test Satellite VII (ETS-VII) mit GETEX (1998)
Robotics Component Verification on ISS (ROKVISS, 2005–2010):
Weitere:
Experimental Servicing Satellite (ESS, 1993):
Spacecraft Modular Architecture Design For On-Orbit Servicing (SMARD, 1996):
Operational Servicing Satellite (ESS – OSS, 1999):
Spacecraft Life Extension System (SLES, ~2002):
Robotic Geostationary orbit Restorer (ROGER, 2002):
Technology Satellite for Demonstration and Verification of Space Systems (TECSAS, 2001–2006):
Deutsche Orbitale Servicing Mission (DEOS, 2013–2018):
In der Literatur können folgende OOS-Arten identifiziert werden:
Weitere Überlegungen in diese Richtung führen zum Aufbau von Depots für Verbrauchsgüter. Das Hermes-Konzept greift diese Idee mit der Nutzlaststation auf. Hierdurch wird dem Reparatur-/Servicesatellit ermöglicht mehrere Zielsatelliten anfliegen zu können, um einen Service durchzuführen.
Sullivan konnte in seiner Dissertation fünf Service- bzw. Fehlerarten und deren Fehlerhäufigkeit identifizieren. Diese geben eine Auskunft darüber, welche aufgelistete OOS Art am häufigsten vorkommt und damit das größte Potential besitzt:
Aus der Auflistung wird ersichtlich, dass der Ausfall von Komponenten (komplexe Reparaturarbeiten/Schadensfälle) eine der häufigsten Fehlerursachen ist. Da diese die größte Herausforderung an die Technologie des Reparatursatelliten darstellt und die Servicezeit erheblich verlängert wird, falls der Austausch einer Komponenten überhaupt möglich ist, wurde die Designphilosophie der Orbital Replacement Unit entwickelt. Diese soll den Aufwand des Services erheblich reduzieren, so dass komplexe Reparaturarbeiten übergehen in einfache.
Das Orbital Replacement Unit-Konzept (ORU) ist eine Designphilosophie für künstliche Weltraumobjekte, wie Satelliten, Raumschiffe und Raumstationen. Dabei wird der Satellit so in Module aufgeteilt, dass diese bei einer Service-Mission ohne größere Probleme ausgetauscht werden können. Hauptaugenmerk liegt dabei auf Größe, Zugänglichkeit und einfach zu verbindende Schnittstellen zum Rest des Satelliten. Beispiele für die Anwendung dieses Konzepts sind z. B. die Solar Maximum Mission, das Hubble-Weltraumteleskop und die Internationale Raumstation.
Ein typisches ORU am Hubble-Weltraumteleskop wird als eine separate Box am Satelliten, die mittels Verschlüsse und Konnektoren montiert und demontiert werden kann, bezeichnet.




Im Nachfolgenden wird einfachheitshalber als Beispiel das Objekt Satellit verwendet, jedoch beziehen sich die Rahmenbedingungen auf Objekte (Satellit, Raumstation, Raumschiff, Weltraummüll, …). Die Rahmenbedingungen sind dabei dieselben, jedoch können geringfügige Variationen auftreten. In der NASA-Studie konnten acht Kategorien/Rahmenbedingungen identifiziert werden. Die nachfolgenden vier Punkte stimmen im Wesentlichen mit den acht Kategorien der NASA-Studie überein:
Ort des Zielsatelliten – hat Einfluss auf: Wirtschaftliches Potential, die Telekommunikationsverbindung, den Servicesatelliten, die Missionsart
Der Ort der Zielsatelliten, ob erdnah (LEO, GEO, …) oder erdfern (Lagrange-Punkte Sonne-Erde, Mars, …), hat einen Einfluss auf die Art der Satelliten die am Zielort vorkommen (militärisch, kommerziell oder wissenschaftlich). Für Servicemissionen werden die verschiedenen Bereiche unterschiedlich hohe Ausgaben tätigen (können). Neben der Satellitenart ist auch die Erreichbarkeit mehrerer Zielsatelliten von Bedeutung. So erfordern Bahnneigungsänderungen im LEO (schon von weniger als 1°), aufgrund der hohen Orbitgeschwindigkeit, einen extrem hohen Treibstoffbedarf, was zur Folge hat, das eine Servicemission meist nur das Erreichen eines Zielsatelliten beinhaltet. Im GEO hingegen liegen die meisten Satelliten, aus Bahnneigungssicht, nah beieinander und aufgrund der geringeren Orbitgeschwindigkeit sind Bahnneigungsänderungen nicht so Treibstoffintensiv (siehe Diagramme bzgl. Satellitenverteilung). Eine weitere Herausforderung wird durch die sich ändernden Umweltbedingungen hervorgerufen, die wiederum die Auslegung des Servicesatelliten (Lebensdauer, Redundanzen, …) bestimmen. Das nächste Problem des Ortes bezieht sich auf die Entfernung zum Kontrollzentrum. Die Telekommunikationsverbindung hat dabei Einfluss auf die Art einer robotischen Servicemission. Dies kann durch Kombination von bemannten mit unbemannten Missionen (der Roboter für den EVA-Einsatz) kompensiert werden.
Status des Zielsatelliten – hat Einfluss auf: die Missionsart, den Servicesatelliten
Unter Status kann zum einen der Zustand bei der Durchführung einer OOS Mission und zum anderen dessen Auslegung bezeichnet werden. Der Zustand kann dabei kontrollierbar oder nicht kontrollierbar sein, was die Annäherung und das Einfangen des Zielobjektes erschwert. Ein Randbereich in diesem Zusammenhang sind militärische Satelliten, die ein eventuelles Verteidigungssystem gegen sich nähernde Satelliten besitzen könnten. Weiterhin kann das Design des Zielsatelliten für eine Servicemissionen ausgelegt sein (durch Serviceschnittstellen, ORU, …). Ist dies nicht der Fall, wird der Servicevorgang erheblich erschwert, so dass eine OOS Mission z. B. nur bemannt durchgeführt werden kann.
Telekommunikationsverbindung – hat Einfluss auf: die Missionsart, den Servicesatelliten
Die mögliche Kommunikationsdauer (LEO-Satellit mit einer Bodenstation ca. 10 min pro Orbitumlauf) und die Dauer zur Informationsübertragung (zwischen Erde und GEO-Satelliten: 2 × 35.000 km/300.000 km/s ~ 1/20 s) besitzen einen erheblichen Einfluss auf robotische Servicemissionen. Robotische Missionen können dabei telepräsent, teil- oder vollautonom sein: Grad der Automatisierung. Sollte eine nur kurzzeitige Verbindungsdauer vorliegen (z. B. 5.10 Minuten pro Überflug), können telepräsente Missionen eventuell nicht durchgeführt werden, da die Zeitdauer zur Durchführung einer Aktion zu gering ist. Weiterhin können telepräsente Missionen auch nicht durchgeführt werden, wenn die Übertragungsdauer zu groß wird (Verzögerung zwischen Befehlsaussendung und Aktionsdurchführung). Je geringer die Automatisierung, desto höher das Datenvolumen, das zwischen den Kontrollzentrum und dem Servicesatellit ausgetauscht werden muss. Das Datenvolumen bestimmt dabei das benötigte Frequenzband.
Missionsart – hat Einfluss auf: den Servicesatelliten
Eine Servicemission kann bemannt oder unbemannt durchgeführt werden. Eine bemannte Mission kann jedoch von robotischen Systemen unterstützt werden. Die Missionsart hängt vor allem von der Serviceaufgabe am Zielsatelliten ab, d. h. wie komplex ist die Aufgabe die durchgeführt werden muss? Je geringer die Aufgabenkomplexität (z. B. Betankung mit einer am Satelliten vorgesehenen Schnittstelle), umso eher kann eine vollautonome unbemannte Mission durchgeführt werden.
Die Nachteile einer OOS Mission werden in der Literatur meist nicht explizit angegeben. Diese können jedoch aus der Überlegung heraus, wie ein Zielsatellit aufgebaut sein sollte, extrapoliert werden. Zum einen erfolgt eine Massenerhöhung, da Komponenten für den Austausch leicht zugänglich und die Schnittstellen klar definiert und vorhanden sein müssen. Dies hat Auswirkung auf die Entwicklungskosten (zusätzliche Rahmenbedingungen). Die damit einhergehende Massenerhöhung hat eine Auswirkung auf die Transportkosten und die Treibstoffmasse, die wiederum die Lebensdauer des Satelliten bestimmt. Überdies hinweg existiert noch keine Serviceinfrastruktur, so dass Satellitenhersteller ihren Satelliten hierfür derzeit nicht auslegen würden.
Vorteile von OOS Missionen, wenn die Infrastruktur hierfür einmal existiert, wären: