Als Ordinarium (lat.: „das Regelmäßige, stets Wiederkehrende“) werden die in jeder liturgischen Feier gleichbleibenden Texte einer heiligen Messe (Ordinarium Missae) oder des Stundengebets bezeichnet, im Unterschied zum Proprium, das die mit dem Kirchenjahr wechselnden Texte umfasst.
In einer anderen, veralteten Bedeutung meinte Ordinarium den ordentlichen Haushalt eines Staates, Landes oder einer Gemeinde mit den regelmäßig wiederkehrenden Ausgaben und Einnahmen, im Gegensatz zum sogenannten Extraordinarium, dem außerordentlichen Haushalt.
Der Ritus der heiligen Messe ist in der Messordnung, dem Ordo missae, festgelegt. Dieser findet sich im Ordinarium, das alle feststehenden Teile der Feier im Volltext umfasst, während Eigentexte (Proprium) an anderer Stelle verzeichnet sind und stets eingefügt werden müssen.
Aus dem Ordinarium haben für die liturgisch-kirchenmusikalische Praxis die fünf feststehenden Teile Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei eine besondere Bedeutung erlangt. Sie wurden schon früh mehrfach vertont. Mit der Entwicklung der Mehrstimmigkeit im Mittelalter konzentrierte sich seit der Messe de Nostre Dame von Guillaume de Machaut (1300–1377) der Fokus bei musikalischen Neuschöpfungen immer stärker auf diese fünf Teile, für die sich daher ebenfalls der Terminus Ordinarium etabliert hat. Obwohl auch verschiedene andere Teile der Liturgie in jeder Messfeier gleich sind (Vaterunser, Akklamationen, Segensformeln), werden diese jedoch nicht zum Ordinarium gezählt, da sie nicht als eigenständige Texte der Gemeinde zu sehen sind. Das Vaterunser wurde vor der Liturgiereform um 1970 nur vom Priester gesungen; das Volk sang nur den Schluss Sed libera nos a malo mit.
Als Folge der Liturgiereformen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Wahlmöglichkeiten für die liturgischen Texte und Gestaltungsmöglichkeiten in einer heiligen Messe bedeutend erweitert, so dass von einer strikten Einteilung der Messgesänge in Ordinarium und Proprium „als Gestaltungsmaßgabe zweier für sich stehender und je einheitlich auszuführender Repertoirezyklen“ nicht mehr gesprochen werden könne, so der Liturgiewissenschaftler Markus Eham, sondern eine Unterscheidung in liturgische „Elemente mit Ordinariums- oder Propriumscharakter“ angemessener sei.
Den Texten liegt verbindlich zugrunde:
| altgriechisch bzw. lateinisch | deutsch |
|---|---|
| Kyrie | |
Kyrie eleison. |
Herr, erbarme dich. |
| Gloria | |
Gloria in excelsis Deo |
Ehre sei Gott in der Höhe |
| Credo | |
Credo in unum Deum, |
Wir glauben an den einen Gott, |
| Sanctus | |
Sanctus, sanctus, sanctus |
Heilig, heilig, heilig |
| Agnus Dei | |
Agnus Dei qui tollis peccata mundi, miserere nobis. |
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser. |
Die gleichbleibenden Texte des evangelisch-lutherischen Gottesdienstes sind das Vaterunser, das Ehre sei dem Vater (Gloria Patri), die Einsetzungsworte in der Abendmahlsliturgie und die fünf liturgischen Gesänge: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei.
Teilweise erlangt auch das Ordinarium Propriumscharakter, indem einzelne Ordinariums-Stücke kirchenjahreszeitlich gebunden sind:
Gewöhnlich wird als Credo das Apostolikum gebetet und nur zu hohen Festtagen das Nicäno-Konstantinopolitanum. Dies geht auf die Agendenreform des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. zurück (vgl. Agendenstreit).
| Kyrie | |
|---|---|
Kyrie eleison. |
Herr, erbarme dich. |
| Gloria | |
Ehre sei Gott in der Höhe | |
Allein Gott in der Höh sei Ehr |
Wir loben dich, wir beten dich an, |
| Credo | |
| Nicäno-Konstantinopolitanum | Apostolikum |
Wir glauben an den einen Gott, |
Ich glaube an Gott, |
| Sanctus | |
Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, | |
| Agnus Dei | |
Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser. | |