
Die Organization of Afro-American Unity (OAAU, deutsch Organisation für Afro-Amerikanische Einheit) war eine 1964 von Malcolm X begründete Organisation des schwarzen Nationalismus in den Vereinigten Staaten.
Malcolm X war in den späten 1950ern als Außenvertreter der Nation of Islam (NOI), einer weißenfeindlichen Organisation unter der Führung Elijah Muhammads, bekannt geworden. Nach anhaltenden Spannungen über die politische Ausrichtung der NOI kam es schließlich Anfang des Jahres 1964 zum endgültigen Bruch zwischen Malcolm X und Elijah Muhammad. Daraufhin begab sich Malcolm X auf die für ihn als Moslem obligatorische Pilgerfahrt nach Mekka, auf der er seine politische Philosophie radikal änderte. Er lehnte fortan den von der NOI geforderten blinden Hass auf Weiße ab und bekannte sich zu einem toleranten Humanismus. Sein Ziel wurde es, den internationalen Kampf gegen den Kolonialismus und die White Supremacy voranzutreiben.
Zu diesem Zweck begründete er Anfang Juni 1964 in New York City mit einigen Mitstreitern die Organization of Afro-American Unity. Ihre Gründung machte er am 28. Juni 1964 offiziell vor einem Publikum von 800 Anwesenden bekannt. Angelehnt an die von ihm bewunderte Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) plante Malcolm eine überkonfessionelle Zusammenarbeit zwischen allen schwarzen Bürgerrechtlern in den USA sowie mit panafrikanischen und anderen antikolonialistischen Regierungen in der Dritten Welt, um die gesellschaftliche Gleichstellung aller Nicht-Weißen überall auf der Welt zu erkämpfen. Sie richtete sich konkret an den in der Charta der Vereinten Nationen definierten Menschenrechte. Es sollten nicht nur die rassistischen Jim-Crow-Gesetze abgeschafft werden; die OAAU forderte das Ende des systemischen Rassismus. Malcolm X forderte nicht nur Gleichheit vor dem Gesetz, sondern auch wirtschaftliche Gleichheit.
Malcolm X beabsichtigte mit der OAAU zweierlei: Zum einen wollte er das politische und kulturelle Bewusstsein der Afroamerikaner stärken. Sie sollten sich nicht mehr als schwache, hörige und dumme Sklaven oder „wilde Neger“ aus dem Urwald sehen, sondern als schwarze Menschen mit einer reichen Kulturgeschichte, die selbstbewusst auf der politischen Bühne auftreten könnten. Zum anderen versuchte er, mit der Unterstützung antikolonialistischer Regierungen in Afrika und Asien die Vereinigten Staaten für ihre Unterdrückung der Afroamerikaner vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu belangen. Nach wie vor betonte Malcolm, dass der Freiheitskampf „mit allen nötigen Mitteln“ (englisch by any means necessary) geführt werden müsse. Gewalt zum Zwecke der Selbstverteidigung schloss er also im Gegensatz zu moderateren Bürgerrechtlern wie Martin Luther King, die eine Philosophie der Gewaltlosigkeit vertraten, nicht aus. Eine Mitgliedschaft von Weißen sei vorerst nicht möglich; sie könnten allerdings ein Freundschaftskomitee gründen und den Freiheitskampf der Schwarzen auch anderweitig unterstützen.
Die Aktivitäten der OAAU waren vielfältig. Unter anderem gab sie den Newsletter Blacklash heraus. Ihr Aktivismus fokussierte sich größtenteils auf lokale Angelegenheiten in Harlem, dem Schwarzenviertel New Yorks. So gingen die Mitglieder der OAAU gegen Polizeigewalt vor und organisierten Kampagnen für politische Bildung. Außerdem unterstützte sie die Bürger Harlems dabei, sich im Wahlregister einzutragen. Harlem war für die OAAU von besonderer Bedeutung, da sie seit einigen Jahrzehnten eine der Hochburgen der schwarzen Kultur in den Vereinigten Staaten war (siehe auch Harlem Renaissance) und als Basismodell für andere Städte dienen konnte.
Die Struktur der OAAU lässt sich als die einer Charismatischen Herrschaft um Malcolm X herum beschreiben, allerdings waren auch demokratische Elemente vorhanden. Neben dem Vorsitzenden Malcolm sollte es ein Fünferkomitee für administrative Aufgaben und ein Neunerkomitee für die einzelnen Abteilungen der Organisation geben. Inspiriert wurden diese demokratischen Elemente von der Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) und ihrer Gründungsmutter Ella Baker.
Große Erfolge konnte die OAAU in ihren ersten Monaten allerdings nicht feiern. Die Mitgliederzahl wuchs nur langsam. Die meisten Bürgerrechtler zögerten mit Malcolm X zu kooperieren, dem immer noch das Image eines radikalen Weißenhassers anlastete. Auch die Reaktionen aus Afrika und Asien fielen verhalten aus. Zwar war Malcolm X persönlich unter antikolonialen Politikern angesehen, diese wollten jedoch keine direkte Konfrontation mit den Vereinigten Staaten riskieren. Außerdem geriet die OAAU in das Visier der FBI, die unter der Leitung J. Edgar Hoovers die schwarze Bürgerrechtsbewegung mit Argwohn betrachtete. Gründe für die schwache Entwicklung der OAAU waren einerseits, dass Malcolm X in ihrer Anfangszeit mehrere Monate in Afrika verbrachte, um Kontakte zu dortigen Regierungschefs zu knüpfen, andererseits, dass Malcolm nunmehr auf das einfache Denkschema „Schwarze Gut, Weiße Böse“ verzichtete.
Nach dem Mord an Malcolm am 21. Februar 1965 übernahm seine Halbschwester Ella Collins-Little den Vorsitz der OAAU. Diese fiel in den folgenden Jahren ohne ihren Anführer in sich zusammen, besteht jedoch der Aussage Rodnell Collins zufolge auf Papier weiter.