Ahura Mazda (altpersisch đ oder đ AM (Logogramm) AuramazdÄ, altiranisch fĂŒr âder weise Herrâ oder âHerr der Weisheitâ, mittelpersisch đ đ„đ§đ„đŹđŠđŁđ© Hormozd, Ćrmozd oder Ormuz, auch Ormuzd und Ohrmazd geschrieben) ist im Zoroastrismus der Schöpfergott, der zuerst die geistige Welt (Menok) und dann die materielle Welt (Geti) erschaffen hat; er verkörpert die Macht des Lichts, ist Schöpfer und Erhalter der Welt und der Menschheit und ist der Gott der Fruchtbarkeit. Aus anderen historischen und religiösen Kontexten sind die Namen AuramazdÄ, Ahuramazda, Horomazes, Mazda und Aramazd belegt.
Um die Herkunft von Ahura Mazda zu erklĂ€ren, gibt es die verschiedensten wissenschaftlichen AnsĂ€tze. Gemeinhin wird Ahura als Herr und MazdÄ als weise vom Sanskrit herkommend ĂŒbersetzt. Josef Wiesehöfer ĂŒbersetzt den Begriff mit âweiser (bzw. aufmerksamer) Herrâ.
Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die eine Entsprechung mit dem vedischen Gott Varuna sehen, und andere, die als Schöpfer der Gottheit Zarathustra annehmen, der die Weisheit einer Gottheit zuordnete und so ein abstraktes Konzept in eine Substanz umwandelte. Solche Umwandlungen seien bei den frĂŒhen Ariern keine Ausnahme gewesen. Zudem gĂ€be es keine Hinweise, dass das vedische medhÄ, das als Ursprung von mazdÄ angesehen wird, eine Rolle auf dem Weg zur Vergöttlichung von MazdÄ gespielt haben könnte.
WĂ€hrend die eine wissenschaftliche Meinung eine gerade Linie vom vedischen Gott Varuna zum zoroastrischen Ahura MazdÄ und weiter zum achĂ€menidischen AuramazdÄ bevorzugt, wird bei einer anderen Meinung parallel dazu eine unabhĂ€ngige iranische Tradition angenommen, die nicht weit von der vedischen Tradition entfernt gewesen sein mĂŒsse. Merkmale dieser unabhĂ€ngigen iranischen Tradition seien in die zoroastrische Tradition eingeflossen und hĂ€tten zur spĂ€teren gefestigten Namensgebung von Ahura MazdÄ gefĂŒhrt. Der achĂ€menidische AuramazdÄ sei ebenfalls auf diese unabhĂ€ngige iranische Tradition zurĂŒckzufĂŒhren. Er sollte deshalb nicht mit der avestischen Gottheit verwechselt werden.
Die Hauptquelle fĂŒr Ahura Mazda ist das Avesta, die heilige Schrift des Zoroastrismus. Im Ă€lteren Teil, den Gathas, sind die beiden Namensteile noch unabhĂ€ngig, obwohl es wahrscheinlich ist, dass in der gleichen Strophe der eine dem anderen folgt. Die Gottheit wird Mazda oder Ahura allein oder Mazda Ahura oder Ahura Mazda genannt. Erst im jĂŒngeren Avesta wird Ahura Mazda zum festen Begriff. Dass Mazda die höchste Gottheit ist, wird augenscheinlich, wenn er als âder eine Weise und die anderen Ahurasâ oder âO du, der du der mĂ€chtigste Ahura bist und der Weiseâ angerufen wird.
Seine Gestalt tritt in der Pahlavi-Literatur der Sassanidenzeit, in der er als âGott der aryaâ bezeichnet wird, und in der Religion der heutigen Parsen hervor, die wesentlich monotheistisch ist.
Auf der neuassyrischen Götterliste aus der Bibliothek des Assurbanipal mit der wissenschaftlichen Bezeichnung III R 66 wird der Name Das-sa-ra Dma-az-aĆĄ aufgefĂŒhrt. Die Götterliste wurde von Fritz Hommel entdeckt und 1899 veröffentlicht. Fritz Hommel identifizierte den Begriff mit der avestischen Gottheit Ahura Mazda. Friedrich Wilhelm König und Henrik Samuel Nyberg ĂŒbernahmen die Theorie in den 1930er Jahren. Arthur Ungnad datierte 1943 den Originaltext der Götterliste auf die Zeit von Tukulti-Ninurta I. und Ă€uĂerte Bedenken gegenĂŒber der Identifikation mit Ahura Mazda. Neben verschiedenen sprachlichen Ungereimtheiten seien es die Klassifikationen, die vor jedem einzelnen Wort (D fĂŒr Dingir) stehen und auf zwei getrennte Gottheiten hinweisen. Manfred Mayrhofer 1971 und Almut Hintze 1998 unterstĂŒtzen wieder die ursprĂŒngliche Theorie, dass das Dokument die assyrische Wiedergabe von Ahura Mazda sei. Die Götterliste sei keine ausschlieĂliche Liste von assyrischen Gottheiten, sondern fĂŒhre zum Beispiel auch den elamischen Gott NapiriĆĄa auf. Zudem seien die zwei vermeintlich verschiedenen Gottheiten aus keiner anderen Quelle bekannt. Nach der Meinung von Almut Hintze könne sich der Begriff allerdings sowohl auf den avestischen Ahura Mazda als auch auf eine Gottheit der proto-iranischen Religion beziehen â âals der Name eines von mehreren Asurasâ.

Neben den avestischen Ăberlieferungen wird eine Gottheit namens AuramazdÄ regelmĂ€Ăig in den achĂ€menidischen Königsinschriften ab der Herrschaftszeit von Dareios I. aufgefĂŒhrt. Eine Ausnahme der geschriebenen Form bildet die Inschrift XPc, in der der Name in einem Fall mit einem Worttrenner aufgefĂŒhrt ist. Die frĂŒheste ErwĂ€hnung findet AuramazdÄ in der Behistun-Inschrift. Dort wird er âder gröĂte der Götterâ genannt. In den Verwaltungsarchiven von Persepolis wird er neben elamischen und anderen persischen Gottheiten mit staatlichen Zuwendungen geehrt.
Aus der frĂŒhen Zeit der AchĂ€meniden sind keine Darstellungen von AuramazdÄ ĂŒberliefert. Das GeflĂŒgelte Symbol mit der mĂ€nnlichen Figur, das frĂŒher von europĂ€ischen Gelehrten als seine bildnerische Darstellung angesehen wurde, wird von manchen Wissenschaftlern als das königliche Xwarenah interpretiert. Von griechischen Schriftstellern wird ĂŒberliefert, dass seit der Herrschaft von Kyros II. bis zur derjenigen von Dareios III. ein Brauch bestand, einen leeren Streitwagen mit der Armee mitzufĂŒhren, der von weiĂen Pferden gezogen wurde. Der Streitwagen war Zeus, beziehungsweise AuramazdÄ, gewidmet, der sich unsichtbar darin niederlieĂ.
Die persische Gottheit wurde seit Herodot von den griechischen Schriftstellern regelmĂ€Ăig mit Zeus als Interpretatio Graeca ĂŒbersetzt. Die frĂŒheste ErwĂ€hnung des persischen Namens, Horomazes, stammt von Alkibiades aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Von Diogenes Laertius stammt die Aussage, dass Aristoteles in seiner De Philosophia geĂ€uĂert habe, dass persische Mager zwei Grundprinzipien anerkannten: Der gute Geist werde Zeus und Oromasdes genannt und der böse Hades und Areimanius. Viel spĂ€ter verwendet Plutarch den Begriff Oromasdes in seiner Biographie von Artaxerxes II. und bringt die Gottheit in Verbindung mit der Sonne. Die Schreibweise der Griechen stimmt ĂŒberein mit der Schreibweise auf den elamischen Tontafeln von Persepolis, wo die Gottheit Uramasda geschrieben und â/ur(a)mast(a)/ oder /or(a)mast(a)/â ausgesprochen wird.

Die sassanidischen Könige waren AnhĂ€nger des Zurvanismus, einer Strömung innerhalb des Zoroastrismus. Sie bekundeten ihre Verehrung fĂŒr Ohrmazd auf verschiedene Weise. FĂŒnf Könige trugen den Namen Hormizd. Bahram II. schuf wahrscheinlich den Titel Ohrmazd-mowbed, der bis in die islamische Zeit hinein fĂŒr einen Priester von groĂer Gelehrsamkeit oder AutoritĂ€t in Gebrauch war.
Es sind einige MĂŒnzen aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. von Ardaschir I., dem GrĂŒnder des Sassanidenreichs, ĂŒberliefert. Die MĂŒnzen sind vielfach beschriftet. Auf einer steht zum Beispiel in mittelpersischer Sprache âDer Mazda verehrende Gott Ardashir, der König der Könige der Iranier, dessen Geschlecht von den Göttern ist.â
Die wichtigste Gottheit der vorchristlichen Religion der Armenier war Aramazd, eine parthische Form von Ahuramazda (Aramasdes). In der Geschichte des Agathangelos ĂŒber die Christianisierung von Armenien aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. taucht das armenische Adjektiv ari als Epitheton des Gottes Aramazd auf und wird mit Aramazd der Arier ĂŒbersetzt. Der Bezug zum persischen Gott Ahuramazda wird mit der Ăbereinstimmung einer elamischen Textstelle der Behistun-Inschrift des persischen Königs Dareios I. offensichtlich. WĂ€hrend in der altpersischen Sprachversion der Inschrift von Ahuramazda [âŠ] und die anderen Götter die Rede ist, lautet die elamische Version Ahuramazda, der Gott der Arier, [âŠ] und die anderen Götter.
1974 wurde wĂ€hrend Ausgrabungen in Sardes ein Marmorblock, der als Baumaterial in einem spĂ€trömischen GebĂ€ude am Ostufer der Stadt verwendet worden war, mit einer griechischen Inschrift mit 13 Zeilen entdeckt. Die Datierung der Schriftzeichen wird aufgrund von epigraphischen Untersuchungen auf die Römische Kaiserzeit festgelegt, aber nicht vor der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. Der Text selber ist ungefĂ€hr fĂŒnf Jahrhunderte Ă€lter und wird auf die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. in die Herrschaft von Artaxerxes II. datiert. Das persische Originaldokument war ursprĂŒnglich wahrscheinlich in aramĂ€ischer Sprache geschrieben und im 2. Jahrhundert n. Chr. bei der Erstellung der Inschrift in die griechische Sprache ĂŒbersetzt worden. Der Inhalt enthĂ€lt im ersten Teil die gĂ€ngige griechische Form einer Widmung mit den Elementen Name des WidmungstrĂ€gers, IdentitĂ€t, Name des Vaters, Amtstitel, gewidmetes Objekt und Name der Gottheit. Demnach hat Droaphernes, der Satrap von Lydien, dem Zeus mit dem Zusatz Gesetzgeber (altpersisch baradÄta-, in der griechischen Inschrift ist das Wort beibehalten) eine Statue gewidmet. Der Zusatz hat einen religiösen Kontext und kann als âdas religiöse Gesetz haltend, tragendâ ĂŒbersetzt werden. Mit der seit Herodot gĂ€ngigen Praxis, den höchsten persischen Gott mit Zeus zu bezeichnen, und der Charakterbezeichnung des Epithetons ist mit der Gottheit der Inschrift AuramazdÄ gemeint. Die Inschrift von Sardes ist der erste literarische Beleg fĂŒr die Entwicklung einer bildnerischen Darstellung des persischen Gottes, die wahrscheinlich Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. begonnen hatte.
Aus der parthischen Periode gibt es Hinweise auf bildliche Darstellungen, die aufgrund von Ikonoklasmus bereits seit der frĂŒhen Zeit der Sassaniden verschwunden sind. Ebenfalls bekannt ist, dass die Armenier Statuen ihrer Götter herstellten, so dass auch von Aramazd, ihrer wichtigsten Gottheit, bildliche Darstellungen existiert haben mĂŒssen.
Von Investitur-Szenen der sassanidischen Zeit scheint Ohrmazd als WĂŒrdentrĂ€ger dargestellt worden sein, auf dem RĂŒcken eines Pferdes sitzend oder daneben stehend. Er ist mit einer turmĂ€hnlichen Krone ausgestattet und fĂŒhrt gelegentlich einen Barsom mit sich.
Im Avesta ist die prinzipielle Funktion von Ahura Mazda das Ordnen des Kosmos und die Aufrechterhaltung der kosmischen Ordnung. Im Àltesten Teil des Avesta, im Yasna Haptanhaiti, kommt diese Eigenschaft zum Vorschein:
âSo wollen wir denn den Ahura Mazdah, der das Rind und das AĆĄa [die Ordnung] schuf, [âŠ] wegen seiner Herrschgewalt und GröĂe und (seiner) schönen Werke verehren.â
Ahura Mazda ist der Schöpfer als auch Bewahrer der kosmischen Ordnung. Er hat die Welt mit seinem âGedankenâ erschaffen, an anderen Stellen war sein Instrument SpÉnta Mainyu (Wohlwollender Geist), mit dem Ahura Mazda seine Schöpfung vollendete. Durch SpÉnta Mainyu offenbart sich Ahura Mazda der Welt und kann Teil eines weisen und gerechten Mannes werden.
Die erste der schöpferischen Handlungen von Ahura Mazda war die Emanation der sechs groĂen Wesen, die in der Ăberlieferung als die Amescha Spenta (WohltĂ€tige Unsterbliche) bekannt sind, die ebenfalls Aspekte seines eigenen Wesens sind und mit SpÉnta Mainyu eine mĂ€chtige Siebenheit (Heptade) bilden. Jeder der sieben nimmt eine der sieben Schöpfungen fĂŒr sich in Anspruch. Der Mensch ist SpÉnta Mainyu zugeordnet. Das bedeutet, dass er eine besondere Beziehung zu Ahura Mazda hat. Diese fundamentale Doktrin ist in den Gathas angedeutet und in der Tradition der Palhavi-Texte systematisch ausgebaut worden.
Ahura Mazda ist derjenige, der sich an alle Aussagen (insbesondere rituelle âGedichteâ) erinnert und ĂŒber sie urteilt, sowie derjenige, der seine Geschöpfe vor den MĂ€chten des Bösen und seinen geordneten Kosmos vor dem Chaos der LĂŒge, der kosmischen TĂ€uschung, die seine Geschöpfe in die Irre fĂŒhren will, schĂŒtzt. Als oberster, kosmischen Herrscher sorgt er fĂŒr Frieden und Wohlstand in der Welt, und in seiner FĂ€higkeit als oberster Beurteiler der durchgefĂŒhrten Riten garantiert er den AusfĂŒhrenden Honorar und Lebensunterhalt, wenn sie diese zu seiner Zufriedenheit ausfĂŒhren. In den Gathas wird Ahura Mazda als derjenige dargestellt, der alles sieht, weitsichtig ist und den niemand tĂ€uschen kann. Als Schöpfer und Bewahrer der Ordnung (aĆĄa) ist Ahura Mazda der WĂ€chter ĂŒber Gerechtigkeit und ein Freund gerechter MĂ€nner.
Die wie schon in der altvestischen Literatur, dann im Zoroastrismus bestehende und spÀter auch im Mittelalter weiterentwickelte Lehre von zwei SeinszustÀnden zeigt sich im Schöpfungswerk Ahura Mazdas auf geistiger (mentaler) Ebene (Menok, Pahlavi: menog, avestisch mainyava) und vitaler (materieller) Ebene (Geti; Pahlavi: getig, avestisch gaeithya).