
Sharif Osman Bin Hadi (bengalisch শরীফ ওসমান বিন হাদি, geb. Osman Goni; bengalisch ওসমান গনি; geb. 30. Juni 1993 in Nalchity Upazila, Jhalokathi (Distrikt), Bangladesch; gest. 18. Dezember 2025) war ein Politik- und Kultur-Aktivist, Schriftsteller und Lehrer in Bangladesch. Er war Mitbegründer und Sprecher von Inqilab Moncho. Nach dem Juli-Aufstand 2024 wurde er zu einer prominenten Figur in von Jugendlichen geführten Bewegungen und war bekannt für seinen Widerstand gegen die von ihm so bezeichnete „indische Hegemonie in Bangladesch“, sein Engagement für die Märtyrer des Juli-Aufstands und seine Teilnahme an den Protesten für das Verbot der Awami-Liga (২০২৫ আওয়ামী লীগ নিষিদ্ধকরণ আন্দোলন).
Am 12. Dezember 2025 wurde im Stadtteil Paltan von Dhaka auf Hadi geschossen. Er wurde am 15. Dezember per Hubschrauber in das Singapore General Hospital geflogen, wo er jedoch drei Tage später verstarb. Das Attentat löste in ganz Bangladesch Bestürzung aus, führte zu landesweiter Trauer und Unruhen (ডিসেম্বর ২০২৫-এ বাংলাদেশে সহিংসতা - Dezember 2025-a bangladeshe sahinsata) und festigte seinen Ruf als Märtyrer in der Jugend- und Aktivistenszene.
Sharif Osman Bin Hadi wurde am 30. Juni 1993 in Nalchity Upazila, Jhalokathi, geboren. Seine Eltern waren Maulana Abdul Hadi und Taslima Hadi. Sein Vater war Lehrer an der Madrasa und Imam. Als jüngstes von sechs Geschwistern wuchs er in einem religiösen Umfeld auf.
Hadi schloss seine höhere Sekundarschulbildung an der Jhalakati NS Kamil Madrasa ab und bestand die Alim-Prüfung, bevor er sich für das akademische Jahr 2010–2011 am Fachbereich Politikwissenschaft der University of Dhaka einschrieb. Hadi arbeitete als Dozent im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der University of Scholars, einer privaten Universität in Dhaka.
July Revolution Während des Juli-Aufstands lebte Hadi in Rampura in Dhaka. Er beteiligte sich an lokalen Aktivitäten und war Koordinator für das Gebiet Rampura.
Inqilab Moncho Hadi war Mitbegründer von Inqilab Moncho (bengalisch ইনকিলাব মঞ্চ, wörtlich: „Plattform für Revolution“), einer politischen Plattform und Studentengruppe, die vom Juli-Aufstand inspiriert wurde. Er fungierte als Gründungssprecher. Die Organisation hatte sich zum Ziel gesetzt, jede Form von Herrschaft zu bekämpfen und einen auf Gerechtigkeit basierenden Staat zu errichten, der Freiheit und Souveränität schützt. Inqilab Moncho schloss sich unter Hadis Führung einem breiteren Netzwerk von Jugendplattformen und -bündnissen an, die Aufklärung über die Tötungen im Zusammenhang mit den Protesten und ein Verbot der Awami-Liga forderten. Mehrere Berichte nennen Inqilab Moncho als Teil der „Juli-Einheitskoalition“, einem Zusammenschluss von Jugend- und zivilgesellschaftlichen Plattformen, der nach den Juli-Protesten gegründet wurde.
Die Organisation in Bangladesch kritisierte das Nachbarland Indien scharf.
Hadi beteiligte sich aktiv am Juliaufstand und trat nach den Protesten als einer der prominentesten jungen Organisatoren hervor, die Aufklärung über die Todesfälle im Zusammenhang mit den Protesten forderten. Er warf bestimmten Oppositionsgruppen vor, die Bewegung dominieren zu wollen, und kritisierte die seiner Ansicht nach bestehende Korruption unter einigen jungen politischen Führern.
Proteste für das Verbot der Awami-Liga Hadi und Inqilab Moncho forderten wiederholt ein „verfassungsmäßiges“ Verbot der Awami-Liga in der Politik und argumentierten, die Partei sei für Repressionen und Tötungen im Zusammenhang mit Protesten verantwortlich. Bei einer Gedenkveranstaltung für die Märtyrer („martyrs’ assembly“) in Shahbagh rief er die politischen Parteien dazu auf, die Anklage und das Verbot der Awami-Liga in ihre Wahlprogramme aufzunehmen, und kündigte einen „Marsch für Bangladesch“ („March for Bangladesh“) zum Sekretariat der Regierung von Bangladesch (Bangladesh Secretariat) an, falls ihre Forderungen nicht innerhalb von 100 Tagen erfüllt würden.
„Seit 14–15 Jahren herrscht in Bangladesch der Faschismus. Tausende Aynaghars wurden unter dem Motto ‚Wir wollen keine Gerechtigkeit, wir wollen die Hinrichtung‘ gegründet. Meine Schwester wurde vergewaltigt, nachdem sie gezwungen wurde, ihr Fasten zu brechen. In Bangladesch wurde Begum Khaleda Zia nicht behandelt, wodurch ihre Hand verkrüppelt wurde. Allama Sayedee (Delwar Hossain Sayeedi) wurde unter dem Vorwand einer medizinischen Behandlung ins Krankenhaus gebracht und getötet. Mushtaq wurde im Gefängnis ermordet. Es wurde ein Attentat auf Michael Chakma verübt. Erst kürzlich wurden unsere Brüder und Schwestern aus Hubschraubern beschossen, ihre Herzen wurden gebrochen. Shahbagh hat die Notwendigkeit dieses Begriffs nicht nur legitimiert, sondern auch bewiesen.“
In anderen Äußerungen positionierte er sich und seine Organisation als kompromisslose Gegner des „Faschismus“ und argumentierte, die Demonstranten vom Juli dürften der Regierungspartei nicht erlauben, ihre politische Legitimität wiederzuerlangen. Nach Zusammenstößen während des Marsches der National Citizen Party nach Gopalganj am 16. Juli 2025 kritisierte Hadi die Situation scharf und forderte unter Verwendung von Schimpfwörtern die Auflösung des Distrikts Gopalganj. Dies löste unter vielen Anhängern der ehemaligen Awami-Liga-Regierung heftige Kontroversen und Debatten aus. Später bezeichnete er seinen Ausbruch angesichts der Kritik als „Epos der Befreiung“ („epic of liberation“) und entschuldigte sich bei allen, die sich dadurch beleidigt gefühlt haben könnten. Später, angesichts der Kritik, bezeichnete er seinen Ausbruch als „Epos der Befreiung“ und entschuldigte sich bei allen, die sich beleidigt gefühlt haben könnten.
Forderung nach einer nationalen Regierung Am 24. Mai 2025 hielt Inqilab Moncho an der Universität Dhaka eine Pressekonferenz ab, auf der Hadi eine „nationale Regierung“ forderte, die alle Kräfte der Anti-Awami-Liga einschließen sollte. Er nannte dabei explizit die Bangladesh Nationalist Party, Bangladesh Jamaat-e-Islami, Islami Andolan Bangladesh (ইসলামী আন্দোলন বাংলাদেশ,) und andere. Zuvor hatte Hadi bei einer Menschenkette vor dem Nationalmuseum von Bangladesch in Shahbagh einen unbefristeten Sitzstreik mit fünf Forderungen angekündigt: die Verhaftung des Aktivisten Lucky Akter, die Aufklärung vergangener Morde und ein Verbot der Awami-Liga.
Haltung gegenüber anderen politischen Parteien Hadi äußerte sich zur Oppositionspolitik. In einer Fernsehdiskussion sagte er, Politik sei im Wesentlichen ein Verhandlungsprozess („politics is essentially about bargaining“), und bezog sich dabei auf Berichte über Fusionsgespräche zwischen der National Citizen Party und der Gono Odhikar Parishad. Hadi kritisierte öffentlich andere Oppositionsparteien, darunter die National Citizen Party, und warf ihnen vor, den Juli-Aufstand zu „monopolisieren“ und dass einige ihrer Anführer korrupt geworden seien. Auf einer Pressekonferenz in der Madhur Canteen der Universität Dhaka im Juli 2025 erklärte Hadi, die Bangladesh Nationalist Party werde, sollte sie mit ihrer, wie er es nannte, „alten“ Politik an die Macht zurückkehren, nicht einmal zwei Jahre regieren.
Öffentliche Stellungnahmen und Medienberichterstattung Hadi nutzte häufig soziale Medien und öffentliche Reden, um politische Entwicklungen zu kommentieren. Im Juli 2025 forderte er die Verhaftung des Aktivisten Lucky Akter und die Untersuchung mutmaßlicher Massaker. Er sprach unter anderem die angebliche „Desinformation“ über verschwundene Leichen an und argumentierte, dass bestimmte Kampagnen eine Verschwörung gegen den Staat darstellten und Massenmorde im heutigen Bangladesch nicht so leicht zu verbergen seien.
Anti-Indischer Einfluss Hadis Einfluss auf den Diskurs zu anti-indischem Einfluss in Bangladesch zeigte sich vor allem in seiner Rolle als Sprecher von Inqilab Moncho nach der Julirevolution 2024. Hadi stellte den Kampf für Demokratie in Bangladesch als untrennbar mit der Beseitigung der wahrgenommenen externen Dominanz dar, insbesondere der Indiens, welche er als „indische Hegemonie“ bezeichnete. Er argumentierte, die politische Stabilität der vorherigen Awami-Liga-Regierung sei durch die strategische Unterstützung Neu-Delhis aufrechterhalten worden, und plädierte für einen grundlegenden Bruch (“generational rupture”) mit diesen etablierten Machtverhältnissen.
Unter Hadis Führung setzte sich Inqilab Moncho für ein formelles Verbot der Awami-Liga ein und forderte die Umstrukturierung der bilateralen Verträge mit Indien, um eine von ihm so genannte „gerechtigkeitsbasierte Souveränität“ (“justice-based sovereignty”, Insaf) zu gewährleisten. Sein Aktivismus nutzte häufig nationalistische und religiöse Motive, um die vollständige Unabhängigkeit von indischem diplomatischem und sicherheitspolitischem Einfluss zu fordern. Hadi erlangte internationale Aufmerksamkeit, nachdem er Berichten zufolge eine Karte eines „Großbangladesch“ veröffentlicht hatte, die indische Gebiete in Nordostindien und in Westbengalen umfasste. Dieser Schritt rief scharfe Kritik von indischen Beamten hervor und festigte in Berichten indischer Medien seinen Status als radikaler Kritiker der regionalen Geopolitik. Nach seiner Ermordung im Dezember 2025 wurde sein Werk zum Brennpunkt erneuter antiindischer Ressentiments. Seine Anhänger sahen in ihm einen „Märtyrer der Souveränität“ („martyr of sovereignty“), was zu weit verbreiteten Protesten und diplomatischen Spannungen zwischen Dhaka und Neu-Delhi führte.
Im Vorfeld der Parlamentswahlen in Bangladesch 2026 kündigte Hadi seine Kandidatur für den Wahlkreis Dhaka-8 als unabhängiger Politiker an. Er engagierte sich im lokalen Wahlkampf und führte unter anderem Bürgerversammlungen („consultation meetings“) in verschiedenen Stadtvierteln durch. Während eines Wahlkampfs organisierte er im Zentrum von Dhaka eine „Van-Kundgebung“ („van rally“), bei der er amtierende Abgeordnete kritisierte, und versprach, im Falle seiner Wahl Korruption aufzudecken.

Am 12. Dezember 2025, gegen 14:25 Uhr (BST), wurde Hadi im Stadtteil Paltan von Dhaka nach dem Verlassen einer Moschee in den Kopf geschossen. Die Polizei von Dhaka (ঢাকা মেট্রোপলিটন পুলিশ) berichtete, der Angriff sei von Tätern auf einem Motorrad verübt worden. Hadi hatte zuvor Morddrohungen erhalten.
Hadi wurde zunächst im Dhaka Medical College Hospital behandelt. und später ins Evercare Hospital Dhaka überführt. Am 15. Dezember wurde er zur Behandlung ins Singapore General Hospital, ausgeflogen, wo er am 18. Dezember verstarb.
Die Polizei identifizierte Faisal Karim Masud und Alamgir Sheikh, als Verdächtige und beschrieb sie als aktive Mitglieder der Awami-Liga. Das Innenministerium setzte eine Belohnung für Hinweise aus. Im Zusammenhang mit dem Fall wurden mehrere Personen festgenommen.
Nach seinem Tod ordnete die Regierung von Bangladesch einen Tag Staatstrauer an. Nach der Bekanntgabe von Hadis Tod brachen in Dhaka Unruhen aus. Dazu gehörten Angriffe auf die Redaktionen von Prothom Alo und The Daily Star, wo Mitarbeiter kurzzeitig durch Brandstiftung eingeschlossen wurden. Das Chhayanaut Sangskriti Bhaban und die Ruine des Bangabandhu Memorial Museum wurden ebenfalls beschädigt.
Die Gewalt war von antiindischen Ressentiments geprägt; die National Citizen Party (NCP) forderte die Schließung der indischen Hochkommission. Proteste in Chittagong und Rajshahi richteten sich gegen indische diplomatische Vertretungen, woraufhin die indischen Behörden die Visazentren in Rajshahi und Khulna vorübergehend schlossen.
Am 22. Dezember warnte Inqilab Moncho, die Übergangsregierung wegen angeblicher Untätigkeit zu stürzen. Hadis Bruder, Omar Hadi, behauptete, die Behörden versuchten, den Mord zu instrumentalisieren, um die Wahl zu sabotieren („sabotage the election“), und versicherte, dass solche Bemühungen scheitern würden. Er erklärte, die Übergangsregierung könne sich ihrer Verantwortung nicht entziehen.

Am 19. Dezember veröffentlichten die Europäische Union und die US-Botschaft in Dhaka über soziale Medien Erklärungen, in welchen sie ihr Beileid zum Tod von Hadi aussprachen. Auch die pakistanische Hochkommission in Bangladesch gab eine Erklärung ab, in welcher sie ihr Beileid zum Tod von Hadi aussprach. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Ermordung Hadis aufs Schärfste und sprach der Familie sein Beileid aus, während der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk zur Ruhe aufrief und eine ordnungsgemäße Untersuchung des Mordes forderte. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte äußerte sich besorgt und forderte eine unparteiische Untersuchung.
Das Totengebet fand auf dem Südplatz des Jatiya Sangsad Bhaban (Parlamentsgebäude) statt und wurde von Zehntausenden Menschen besucht. Hunderte Bangladescher in Singapur versammelten sich vor der Angullia-Moschee, nachdem mindestens drei bangladeschische Nachrichtenseiten berichtet hatten, dass dort ein Totengebet stattfinden würde. Sowohl die bangladeschische Botschaft in Singapur als auch die Moschee veröffentlichten später separate Erklärungen in den sozialen Medien, um klarzustellen, dass aufgrund fehlender Genehmigungen und fehlerhafter Informationen („a lack of clearance, inaccurate“) keine derartigen Vorkehrungen getroffen worden seien.
Hadi wurde am 20. Dezember nach einem Trauergebet auf dem Südplatz des Nationalparlaments beigesetzt. Er wurde im Mausoleum von Kazi Nazrul Islam in der Nähe der Zentralmoschee der Universität Dhaka beerdigt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hadi, Osman |
| ALTERNATIVNAMEN | Sharif Osman Bin Hadi; শরীফ ওসমান বিন হাদি; Osman Goni; ওসমান গনি |
| KURZBESCHREIBUNG | bangladeschischer Aktivist, Mordopfer |
| GEBURTSDATUM | 30. Juni 1993 |
| GEBURTSORT | Nalchity Upazila, Jhalokathi (Distrikt) |
| STERBEDATUM | 18. Dezember 2025 |
| STERBEORT | Singapur |