Otingis

Otingis wurde in den Getica, der im 6. Jahrhundert geschriebenen und erhalten gebliebenen Gotengeschichte des spätantiken römisch-gotischen Gelehrten und Geschichtsschreiber Jordanes, bei einigen Handschriften und älteren Ausgaben als ein skandinavischer Stamm aufgezählt. Es handelt sich bei Otingis allerdings um eine Verschreibung aus Evagre-otingis.

Die Korrektur dieser Schreibweise rückt den gotischen Stamm der Greotingi an diese Stelle. Zunächst bemerkte der germanistische Mediävist Karl Viktor Müllenhoff diesen Schreibfehler und korrigierte zu Evagreotingis. Dabei blieb jedoch das Präfix Eva- ungeklärt. Erst der Germanist und Sprachwissenschaftler Theodor von Grienberger legte dann etiam Greo-tingis fest. Damit entfielen die Otingi (Otingis) in der althistorischen Forschung als selbständiger skandinavischer Stamm von Scandza.

In den neueren Ausgaben zu Jordanes erscheinen die Otingi bzw. der Name Otingis nicht mehr.

Anmerkungen

  1. ↑ Jordanes, Getica. In: Theodor Mommsen (Hrsg.): Auctores antiquissimi 5,1: Iordanis Romana et Getica. Berlin 1882, S. 59 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat).
  2. 1 2 3 Vgl. Alfred Franke: Otingis. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XVIII,2, Stuttgart 1942, Sp. 1876 f..
  3. ↑ Vgl. Max Ihm: Greuthungi. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VII,2, Stuttgart 1912, Sp. 1872 f.
  4. ↑ Karl Viktor Müllenhoffs Berichtigung unter dem Stichwort Otingis vgl. Index Locorum. In: Theodor Mommsen (Hrsg.): Auctores antiquissimi 5,1: Iordanis Romana et Getica. Berlin 1882, S. 163 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat).
  5. ↑ Vgl. Karl Viktor Müllenhoff: Deutsche Altertumskunde. Band 2. Weidmann, Berlin 1887, S. 63–64 (Digitalisat); Rudolf Much: Otingis. In: Johannes Hoops (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 3: K–Ro. Straßburg 1915–1916, S. 321 (Digitalisat).
  6. ↑ Vgl. Theodor von Grienberger: Die nordischen Völker bei Jordanes. In: Zeitschrift für deutsches Altertum 46. 1902, S. S. 128–168, hier S. 135–136.

Literatur