
Otto Kratky (* 9. März 1902 in Wien; † 11. Februar 1995 in Graz) war ein österreichischer Physikochemiker.
Otto Kratky wurde als Sohn des Malers Rudolf Kratky geboren. Er studierte nach der Matura an der Technischen Hochschule in Wien Chemie und schloss sein Studium 1929 mit der Promotion ab. Nach Abschluss seiner universitären Ausbildung wurde er 1928 Assistent am Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin-Dahlem, eine Position, die er bis zum 31. Dezember 1933 bekleidete. Ab Oktober 1934 war er als Assistent am I. Chemischen Labor der Universität Wien tätig, wo er ab 1936 die physikalisch-chemische Abteilung leitete. Seit Januar 1938 war als Privatdozent für Physikalische Chemie an der Universität Wien zugelassen, wo er im Oktober 1939 zum Dozenten neuer Ordnung ernannt wurde. Seit Juli 1940 war er Abteilungsleiter am Kaiser Wilhelm Institut für Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin und seit Oktober 1940 Dozent für Physikalische Chemie an der Universität Berlin. Zum 1. März 1943 wurde er zum beamteten a. o. Professor an die Deutsche Technische Hochschule Prag und Vorsteher des Instituts für Physikalische Chemie berufen.
1946 wurde er ordentlicher Professor für theoretische und physikalische Chemie an der Universität Graz, wo er das Institut für physikalische Chemie bis zu seiner Emeritierung 1972 leitete. Er war dort von 1956 bis 1957 Dekan der Philosophischen Fakultät und Rektor. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte lagen auf den Gebieten des molekularen Aufbaus von Zellstrukturen, worüber er 1951 eine grundsätzliche Untersuchung publizierte, und Bestimmung von Größe und Formen biologisch wichtiger Makromoleküle. Darüber hinaus untersuchte er kolloide Teilchen durch Streuung von Röntgenstrahlen. So wurde die von Kratky entwickelte Messmethode, durch Kleinwinkelstreuung die Formen von Makromolekülen, die sich nicht kristallisieren lassen, zu bestimmen, Standard für die Messung. Zudem erfand der Wissenschaftler eine Dichtemessmethode, die auf dem Biegeschwinger-Prinzip basiert. Das Verfahren wurde 1968 in den USA patentiert und ist heute noch die am meisten verwendete Messmethode zum Bestimmen der Dichte von Flüssigkeiten. Darauf basierende Messgeräte wurden und werden von einer eigenen Entwicklungsfirma unter Hans Stabinger und der Firma Anton Paar, beide in Graz, entwickelt und produziert.
1965 bis 1966 war er Vorsitzender der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Nach seiner Emeritierung war Kratky von 1972 bis 1982 Vorstand des Instituts für Physikalische Chemie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Er war Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (1957), der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (1959), der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (1977) und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1978). Er wurde am Meidlinger Friedhof bestattet.
Seine Ehefrau Gerda Kratky (geb. Korte) (11. September 1919 – 4. Mai 1998) wurde auf dem Friedhof St. Leonhard (Feld 201. Mittelwand, Westseite, etwas südlich der Mitte) in Graz beigesetzt. Über ihrem Namen ist auch der Name ihres früher gestorbenen Mannes in Marmor eingemeisselt, ohne hier begraben zu sein.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kratky, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Physikochemiker |
| GEBURTSDATUM | 9. März 1902 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 11. Februar 1995 |
| STERBEORT | Graz |