Otto Sticht (* 7. Juli 1901 in Witten-Herbede; † 27. Juni 1973 in Siegen) war ein deutscher Metallbildhauer und zugleich der erste Rektor der im Jahr 1946 gegründeten Kunsthochschule Berlin.
Otto Sticht wurde als viertes von acht Kindern der Familie Sticht geboren, der Vater war Tischlermeister im Örtchen Witten-Herbede. Nach dem Abschluss der Volksschule erlernte Otto bei seinem Vater den Beruf des Schreiners. Allerdings wünschte der Vater, dass er Eisenbahningenieur werden solle und schickte ihn im Jahr 1917 in die Königlich-Preußische Eisenbahn-Lehrwerkstatt nach Witten. Noch während dieser Ausbildung entdeckte Otto seine Liebe zu Metallarbeiten und brach die Lehre deshalb nach zwei Jahren ab. Er konnte danach zwei Semester die Hildesheimer Kunstgewerbeschule besuchen. Zielstrebig verfolgte er nun den Wunsch, Kunst zu studieren: er wurde 1924 an der Kunstgewerbeschule Elberfeld (später in der Werkkunstschule Wuppertal aufgegangen, heute Teil der Bergischen Universität Wuppertal, Fachbereich Kunst und Design) Meisterschüler bei Hilmar Lauterbach. In seiner Freizeit wirkte er bei den Wandervögeln mit.
Nach Abschluss des Studiums 1932 war Otto Sticht allein nach Berlin gezogen und verdiente mit einem eigenen Kunstschmiedeatelier seinen Unterhalt mit Silberschmiedearbeiten und Metallkunstwerken. Er nahm seine Wohnung in der Lützowstraße 71. In den Jahren des Nationalsozialismus wurde er Mitglied in der Reichskammer der Bildenden Künste und machte auch Bekanntschaft mit Arno Breker. Für einen Neubau des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Potsdam erhielt Sticht seinen ersten Großauftrag für die künstlerische Ausgestaltung, darunter Beschläge und vier Laternen am Portal. Das Gebäude im Stadtteil Neubabelsberg, heute August-Bebel-Straße 89, ist erhalten und diente nach Kriegsende der Sowjetischen Kommandantur, danach befand sich hier die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR. – Sticht hatte seine Metallarbeiten oft als reliefartige feine Treibarbeiten ausgeführt, was dem glatten klaren Stil im Sinne von Albert Speer entsprach, ohne Rückgriffe auf barockartige Verspieltheit.
Nachdem Sticht im Jahr 1940 zur Wehrmacht eingezogen worden war, wurde er in Russland in Nachrichten- und Transporteinheiten eingesetzt. Dort geriet er in Kriegsgefangenschaft, aus der er im Herbst 1945 entlassen wurde. Danach kehrte er in das stark kriegszerstörte Berlin zurück und blieb dort wohnen. Eine Gelegenheit zu einer neu beginnenden künstlerischen Tätigkeit bot sich ihm durch Teilnahme an der ersten Nachkriegskunstausstellung in Berlin-Weißensee, die die Wirkungsgruppe bildender Künstler im Rathaus Weißensee organisiert hatte.
Sticht gründete nun mit weiteren Künstlern der Gruppe die Kunstschule des Nordens, die zum 1. April 1946 in Verwaltungsräumen der Schokoladenfabrik Trumpf ihren Lehrbetrieb aufnehmen konnte. Bei der Wiedernutzung einiger Fabrikräume hatte Sticht selbst tüchtig Hand angelegt und wohnte auch zeitweilig hier. Schnell hatten sich Interessenten für das Studium beworben, und die Sowjetische Besatzungsmacht erteilte Sticht die Lizenz für das Betreiben dieser Kunstschule und berief ihn als Rektor. Jedoch verließ er diese Einrichtung bereits 1948 wegen massiver Kritik an seiner Führungstätigkeit und wechselte in den Westteil Berlins, wo er in Berlin-Dahlem eine Akademie für kirchliche und angewandte Künste unter Verantwortung des Evangelischen Oberkirchenrats von Berlin, des Bischöflichen Ordinariats und des städtischen Magistrats ins Leben rufen wollte. Dieses Ansinnen konnte er nicht durchsetzen, deshalb gründete er mit zwei weiteren interessierten Künstlern, Gerhard Neumann und Egon Stolterfoht, die Bauhütte der christlichen Künste in Berlin-Dahlem. Sie eröffneten in der Bernadottestraße in der ehemaligen Muthesius-Villa ihr Atelier und erhielten beim Wiederaufbau kriegszerstörter Berliner Kirchen etliche Aufträge für liturgische Geräte, Taufbecken und Fenster: beispielsweise 14 Kirchenfenster für die Glaubenskirche in Berlin-Tempelhof.
Otto Sticht eröffnete neben diesen restauratorischen Gemeinschaftsarbeiten wieder ein eigenes Kunstschmiedeatelier, nun in der Gallwitzallee 11 in Berlin-Lankwitz. Die Immobilie gehörte zur Eisenbahn-Siedlungsgesellschaft.
Die Arbeit der Christlichen Bauhütte in Berlin endete im Jahr 1965, die bis dahin genutzte Villa wurde aufgegeben. Das Atelier in Lankwitz verblieb im Eigentum von Otto Sticht.
Nach Aufgabe seines Ateliers und seiner Arbeit in Berlin zog Otto Sticht mit seiner Ehefrau in ein Einfamilienhaus in Witten-Herbede, Adresse Speckbahn 22, und war von dort aus wieder künstlerisch aktiv. Im Jahr 1958 konnte er durch Vermittlung des Siegener Regierungsbaumeisters Hans Ulbrich einen verfallenden Bau der Wasserburg Hainchen als zweite Werkstatt erwerben. Hier arbeitete er bis zu seiner Krankheit an weiteren Aufträgen für Kirchen, für Schulen, für die Bildungsanstalt für Frauenberufe (Becher, Kannen, Tierreliefs). Außer seiner künstlerischen Tätigkeit regte ihn die Burgruine dazu an, sich für einen möglichst historisch genauen Wiederaufbau des Schlossensembles einzusetzen. Zuerst konnte mit dem Eigentümer der Immobilie ein langfristiger Pachtvertrag geschlossen werden, dann gründete Sticht den Freundeskreis Burg Hainchen, der dem Deutschen Burgenverein e. V. beitrat. Unterstützung erhielt der Freundeskreis, aus dem dann am 3. Mai 1963 der Burgenverein Schloss Hainchen e. V. hervorging, durch den oben genannten Regierungsbaurat Ulbrich. Sticht wurde zum Ersten Vorsitzenden dieses Vereins gewählt. Im Weiteren gelang eine Teilrenovierung der Burganlage (vor allem der östlichen Palashälfte), die letztendlich dem Engagement von Otto Sticht zu verdanken ist. Jedoch wurde er gezwungen, sein Atelier im Schloss 1971 aufzugeben. Ein Grund ist nicht bekannt geworden.
Nach dem Tod von Otto Sticht wurde das Wohnhaus mehrfach weiterverkauft. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem evangelischen Teil des Friedhofs in Witten-Herbede; das Grab ist nicht mehr erhalten.
Alle:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sticht, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 7. Juli 1901 |
| GEBURTSORT | Witten-Herbede |
| STERBEDATUM | 27. Juni 1973 |
| STERBEORT | Siegen |