Profibus

PROFIBUS Logo seit 2020
Profibus-Logo seit 2020
Erste Version des Profibus-Logo von 1989, verwendet bis 2010

Profibus (Process Field Bus) (Eigenschreibweise: PROFIBUS) ist ein Standard für die Feldbus-Kommunikation in der Automatisierungstechnik und wurde anfangs (1989) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Er ist nicht zu verwechseln mit dem Profinet-Standard für Industrial Ethernet.

Entstehung

Die Geschichte von Profibus geht auf ein 1987 in Deutschland gestartetes öffentlich gefördertes Verbundvorhaben zurück, für welches 21 Firmen und Institute einen Projektrahmenplan „Feldbus“ ausgearbeitet hatten. Ziel war die Realisierung und Verbreitung eines bitseriellen Feldbusses, wofür die Normung der Feldgeräteschnittstelle die Grundvoraussetzung schaffen sollte. Dazu verständigten sich einschlägige Mitgliedsfirmen, ein gemeinsames technisches Konzept für die Fertigungs- und Prozessautomatisierung zu unterstützen. In einem ersten Schritt wurde das komplexe Kommunikationsprotokoll Profibus FMS (Fieldbus Message Specification) spezifiziert, welches auf anspruchsvolle Kommunikationsaufgaben zugeschnitten war. In weiteren Schritten wurde ab 1993 die Spezifikation des einfacher aufgebauten und daher wesentlich schnelleren Protokolls Profibus DP (Decentralized Peripherals) durchgeführt.

Einsatz

Varianten

Profibus existiert in drei Varianten, wobei DP die meistgenutzte ist:

Einsatzszenarien

In der Fertigungsindustrie dient Profibus DP zur schnellen Kommunikation zwischen Steuerungen und Sensoren/Aktoren aller Art in Maschinen und Anlagen.

Die Weiterentwicklung geht in der Fertigungsindustrie deutlich in Richtung höherer Geschwindigkeiten durch Einsatz von Industrial Ethernet (Profinet) als Kommunikationstechnologie. Dabei werden getätigte Investitionen weitestgehend geschützt durch z. B. Abbildung bestehender Profibus-Geräteprofile (wie PROFIdrive) auf Profinet.

In der Prozessindustrie besteht eine Zweigleisigkeit zwischen

Da in der kommenden Industrie 4.0 hingegen größere Datenmengen übermittelt werden müssen, werden Anlagen schon jetzt mit Profinet ausgestattet, um sicherzustellen, dass sie kompatibel sind.

Der Nutzen der Feldbustechnik bezüglich z. B. einfacher und kostensparender Topologie, bidirektionaler Kommunikation, umfangreichen Informationsmöglichkeiten und Standardisierung der Gerätefunktionen (Geräteprofil) wird auf Anwenderseite uneingeschränkt begrüßt. Weiterentwicklungen werden noch in Richtung einfacherer Handhabung der Feldgeräte in Betrieb und Wartung erwartet.

Profibus ist der einzige Feldbus, der in der Fertigungsindustrie und in der Prozessindustrie gleichermaßen eingesetzt werden kann und hat sich mittlerweile zum Weltmarktführer entwickelt. Weltweit sind über 56 Millionen Geräte mit Profibus im Einsatz.

Technologie

Profibus-Protokolle (OSI-Modell)

OSI-Schicht Englisch Profibus
7 Anwendung Application DP-V0 DP-V1 DP-V2 Management
6 Darstellung Presentation --
5 Sitzung Session
4 Transport Transport
3 Netzwerk Network
2 Verbindung Data Link FDL
1 Medium Physical EIA-485 Optisch MBP


Anwendungsschicht

PCI-Erweiterungskarte für Profibus

Die DP-Anwendungsschicht wurde in drei Schritten definiert. Das ursprünglich 1993 festgeschriebene DP-Protokoll wird heute umgangssprachlich als „DP-V0“ bezeichnet, die beiden Erweiterungen entsprechend „DP-V1“ und „DP-V2“. In den einzelnen Stufen wurden folgende Funktionen definiert:

Das PA-Protokoll wurde im Rahmen der Entwicklungsstufe DP-V1 definiert.

Sicherungsschicht

Beispielhafte Topologie zur Verdeutlichung der Kombination von Token-Passing mit einem Master-Slave-Verfahren

Die Sicherungsschicht FDL (Fieldbus Data Link) arbeitet mit einem hybriden Zugriffsverfahren, das Token-Passing mit einem Master-Slave-Verfahren kombiniert. In einem Profibus-Netzwerk sind die Steuerungen oder Prozessleitsysteme die Master und die Sensoren und Aktoren die Slaves.

Es werden verschiedene Telegrammtypen verwendet, die durch den Startdelimiter (SD) unterschieden werden können (Profibus DP):

Telegrammtyp Codierung Telegrammaufbau
Keine Daten SD1 = 0x10
SD1 DA SA FC FCS ED
Daten variabler Länge SD2 = 0x68
SD2LELErSD2 DA SA FC PDU FCS ED
Daten fester Länge(selten) SD3 = 0xA2
SD3 DA SA FC PDU FCS ED
Token SD4 = 0xDC
SD4 DA SA
Kurzquittung SC = 0xE5
 SC 

Abkürzungen:

Der FCS wird durch einfaches Aufsummieren der Bytes innerhalb der angegebenen Länge berechnet. Ein Überlauf wird dabei ignoriert. Jedes Byte wird mit einer geraden Parität gesichert und asynchron mit Start- und Stopp-Bit übertragen.

Die einzelnen Bytes eines Telegramms müssen schlupffrei, d. h. ohne Pause zwischen dem Stopp- und dem nächsten Start-Bit, übertragen werden. Der Master signalisiert den Beginn eines neuen Telegramms mit einer SYN-Pause von mindestens 33 Bit (logisch „1“ = Busruhezustand).

Bei Profibus-PA existiert die gleiche Aufteilung der Telegrammtypen, sie haben einen anderen Telegrammrahmen, der im Unterschied zu DP für alle Telegrammtypen (außer SD) gleich ist, u. a. mit speziellen Bit-Symbolen des Manchester-Codes und einer Präambel zur Synchronisation. Ein 16 Bit langer CRC ersetzt als FCS die Prüfsumme, wird jedoch bei jedem Telegrammtyp eingesetzt. Die Pausenzeiten zwischen den Telegrammen sind ebenfalls verschieden festgelegt. Bei dem gleichspannungsfreien Signalpegel ist der Busruhezustand durch das Nichtvorhandensein eines Signals bestimmt (kein Signalpegelwechsel).

Bitübertragungsschicht

Bei der Bitübertragungsschicht sind drei verschiedene Verfahren festgelegt:

Für die Datenübertragung über Schleifkontakte, für mobile Teilnehmer oder für optische oder funktechnische Datenübertragung im freien Raum sind Produkte mehrerer Hersteller verfügbar, die aber in keiner Norm festgelegt sind (Wireless Profibus).

Anschlussbelegung 9-poliger D-Sub

Die Normen empfehlen für den Anschluss des Profibus einen D-Sub- Stecker zu verwenden. Die Anschlussbelegung hierzu ist:

Profibus-Anschlussbelegung DF PROFI 2 (COMSOFT).
Anschlüsse in Klammern sind optional
SUB-D
Pin
Profibus Farbe
9-poliger D-Sub-Stecker
1 N.C. (Schirm)
2 N.C. (M24)
3 BUS B rot
4 N.C. (CNTR-P)
5 DGND
6 +5 V
7 N.C. (P24)
8 BUS A grün
9 N.C. (CNTR-N)

Applikationsprofile

Für ein reibungsloses Zusammenwirken der an einer Automatisierungslösung beteiligten Busteilnehmer müssen diese in ihren grundlegenden Funktionen und Diensten übereinstimmen. Die Vereinheitlichung wird durch „Profile“ mit verbindlichen Vorgaben für die Funktionen und Dienste erreicht. Dabei werden die möglichen Funktionen der Kommunikation mit dem Profibus eingeschränkt und zusätzliche Festlegungen über die Funktion des Feldgerätes vorgeschrieben. Dabei kann es sich um Geräteklassen-übergreifende Eigenschaften wie ein sicherheitsrelevantes Verhalten (Common Application Profiles) oder um Geräteklassen-spezifische Eigenschaften (Specific Application Profiles) handeln. Bei diesen wird unterschieden zwischen

Prozessgeräte

Moderne Prozessgeräte verfügen über eigene Intelligenz und können in Automatisierungssystemen einen Teil der Informationsverarbeitung bzw. der Gesamtfunktionalität übernehmen. Das Profil PA Devices definiert für verschiedene Klassen von Prozessgeräten alle Funktionen und Parameter, die in Prozessgeräten typisch für den Signalfluss vom Sensorsignal aus dem Prozess bis zum vorverarbeiteten Prozesswert, der an das Leitsystem zusammen mit einem Messwert-Status ausgelesen wird. Das Profil PA Devices enthält Geräte-Datenblätter für

Die aktuelle Version 3.02 des PA-Geräteprofils stellt dabei ein Novum in der Prozessindustrie dar: Klassifizierte Diagnoseinformationen, geräteneutrale Projektierung oder selbst-adaptierende Feldgeräte (bei Gerätetausch auf eine frühere Geräteversion hin) sind einige Beispiele dafür.

Antriebe

PROFIdrive ist das modular aufgebaute Geräteprofil für Antriebsgeräte. Es wurde in den 1990er Jahren von Herstellern und Anwendern gemeinsam entwickelt und deckt seither in Verbindung mit Profibus und später zusätzlich auch mit Profinet die gesamte Spanne von einfachsten bis zu anspruchsvollsten Antriebslösungen ab.

Funktionale Sicherheit

Profisafe definiert, wie sicherheitsgerichtete Geräte (Not-Aus-Taster, Lichtgitter, Überfüllsicherungen, …) über Profibus mit Sicherheitssteuerungen so sicher kommunizieren, dass sie in sicherheitsgerichteten Automatisierungsaufgaben bis SIL3 (Safety Integrity Level) eingesetzt werden können. Es realisiert die sichere Kommunikation über ein Profil, d. h. über ein besonderes Format der Nutzdaten und ein spezielles Protokoll. Profisafe ist für Profibus und Profinet in der Norm IEC 61784-3-3 festgelegt.

Normierung

Profibus wurde 1991/1993 in DIN 19245 definiert, ist 1996 in EN 50170 überführt worden und seit 1999 in IEC 61158/IEC 61784 festgelegt.

Organisation

Seit 1989 existiert die Profibus Nutzerorganisation e. V. (PNO), in der sich Hersteller und Anwender in Deutschland zusammengeschlossen haben. 1992 ist in der Schweiz die erste regionale Profibus Schweiz Organisation gegründet worden. In den folgenden Jahren sind weitere RPAs (Regional Profibus & Profinet Association) hinzugekommen. Heute ist Profibus durch 27 RPAs in der ganzen Welt vertreten. Im Jahr 1995 haben sich alle RPAs zum internationalen Dachverband Profibus & Profinet International (PI) zusammengeschlossen.

Literatur

Commons: Profibus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Technische Informationen:

Organisation:

Einzelnachweise

  1. ↑ PI-Technologien weiterhin sehr stark im Markt. In: Pressemitteilung. PROFIBUS Nutzerorganisation e. V., 4. November 2017, abgerufen am 13. Dezember 2021.
  2. ↑ Dieser Stecker basiert mechanisch auf der Norm IEC 807-2: Rectangular connectors for frequencies below 3 MHz. Part 2. Abgerufen am 8. Februar 2023., in der Ausführung DE-9, die mit einer anderen, nicht kompatiblen Steckerbelegung auch bei der seriellen Schnittstelle verwendet wird.