Pro Asyl

Pro Asyl
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Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 1986 (Bundesarbeitsgemeinschaft PRO ASYL) 1987 (Förderverein PRO ASYL)
Gründer u. a. Jürgen Micksch, Herbert Leuninger
Sitz Frankfurt am Main
Motto Der Einzelfall zählt.
Schwerpunkt Asylrecht, Menschenrechte
Vorsitz Halima Gutale (Vorsitzende Bundesarbeitsgemeinschaft und Stiftungsrat), Beate Wagner (Vorsitzende Förderverein)
Geschäftsführung Karl Kopp, Helen Rezene
Umsatz 6.020.618 Euro (2025)
Beschäftigte 41 (2025)
Mitglieder 25.000 (2025)
Website www.proasyl.de

Pro Asyl (Eigenschreibung in Majuskeln PRO ASYL) ist ein Verein mit Sitz in Frankfurt am Main. Die Menschenrechtsorganisation setzt sich insbesondere für den Schutz und die Rechte von asylsuchenden Menschen in Deutschland und Europa ein. Pro Asyl besteht aus drei Körperschaften: der Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl (BAG Pro Asyl, gegründet 1986), dem Förderverein Pro Asyl e. V. (gegründet 1987) und der Stiftung Pro Asyl (gegründet 2002). Neben dem Hauptsitz in Frankfurt unterhält Pro Asyl ein Büro in Berlin. 2026 feiert die Organisation ihr 40-jähriges Bestehen.

In der Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl sind Mitarbeitende landesweiter Flüchtlingsräte, Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen sowie Einzelmitglieder vertreten.

Die Tätigkeiten des Fördervereins Pro Asyl ergeben sich vielfach aus thematischen Schwerpunktsetzungen und Anstößen der BAG Pro Asyl. Neben Öffentlichkeitsarbeit, rechtspolitischen Analysen, Recherchen und Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen sowie der Unterstützung bundesweiter Initiativgruppen berät der Förderverein Flüchtlinge in ihren Asylverfahren und begleitet Einzelklagen Geflüchteter vor deutschen und europäischen Gerichten. Überdies ist der Verein europaweit vernetzt und unterhält Partnerschaften mit anderen Organisationen, die sich für die Rechte von Geflüchteten einsetzen. 2017 war Pro Asyl wesentlich an der Gründung der griechischen Menschenrechtsorganisation Refugee Support Aegean (RSA) beteiligt. Ende 2025 waren rund 25.000 Menschen Mitglied des gemeinnützigen Vereins, der sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert.

Zu den Aufgaben der Stiftung Pro Asyl gehören die langfristige Absicherung der Arbeit des Fördervereins sowie die Umsetzung wichtiger Kooperationsprojekte im In- und Ausland.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft und der Förderverein sind eingetragen im Lobbyregister des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung und nehmen mit zusammen neun Mitarbeitern die Interessenvertretung bei politischen Entscheidungen wahr.

Geschichte

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl wurde am 8. September 1986 in Frankfurt am Main von Mitarbeitenden und Engagierten aus bereits aktiven Flüchtlingsräten, aus Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen zum Schutz verfolgter Menschen gegründet. Ziel war, in der Asyldebatte eine Stimme für die Rechte von Flüchtlingen in Deutschland zu etablieren. Beteiligt an der Gründung waren unter anderen Jürgen Micksch, Herbert Leuninger sowie Günter Burkhardt. Im selben Jahr fand der erste bundesweite "Tag des Flüchtlings" (nicht zu verwechseln mit dem Weltflüchtlingstag) statt.

Im Jahr Dezember 1987 wurde der Förderverein Pro Asyl e. V. gegründet. Er realisiert die Einzelfall- und Rechtshilfe sowie Projekte, Kampagnen, Dokumentationen und Recherchen. Daneben stellt der Verein die unabhängige Arbeit von Pro Asyl sicher. 1998 wurde der Verein mit dem Bonhoeffer-Preis und 2001 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Zudem erhielt Pro Asyl im Jahr 2001 als Mitherausgeber des Grundrechte-Reports zusammen mit anderen Bürger- und Menschenrechtsorganisationen die Theodor-Heuss-Medaille. Im Jahr 2010 erhielt der Verein den Göttinger Friedenspreis. Gewürdigt wurde die Kampagne Stoppt das Sterben, mit der der Verein darauf aufmerksam machte, dass jedes Jahr viele Flüchtlinge bei dem Versuch, Europa zu erreichen, sterben. Die Organisation wurde 2011 mit dem Sonderpreis zum Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis „für ihr Engagement zum Schutz verfolgter Menschen in Deutschland und Europa, auch hier im Hinblick auf die Flüchtlingsströme aus Nordafrika nach Europa“ ausgezeichnet.

2002 wurde die Stiftung Pro Asyl gegründet. Ihr Ziel ist die Finanzierung der Flüchtlings- und Menschenrechtsarbeit auf lange Sicht. Die Stiftung realisiert mittel- und langfristige Projekte in der Flüchtlingsarbeit – von der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen in Griechenland oder Ungarn bis zur Unterstützung von Stipendien für Flüchtlingskinder. Mit der jährlich verliehenen Pro Asyl-Hand fördert und ehrt die Stiftung seit 2006 Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise für die Achtung der Menschenrechte und den Schutz von Flüchtlingen einsetzen.

Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl (BAG Pro Asyl)

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl ist ein Zusammenschluss von Mitarbeitenden aus Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen und landesweiten Flüchtlingsräten. Sie verbindet die Überzeugung, dass es die Pflicht einer demokratischen und humanen Gesellschaft ist, Flüchtlinge und verfolgte Menschen zu schützen. Sie wurde 1986 gegründet.

Vorstand

Dem ehrenamtlichen Vorstand der BAG Pro Asyl gehören an (Stand August 2026): Vorsitzende Halima Gutale (Referentin bei der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus), stellv. Vorsitzender Tim W. Kliebe (Rechtsanwalt in Frankfurt am Main), Schatzmeisterin Sükran Budak (Gewerkschaftssekretärin bei IG Metall), Katharina Grote (Bayerischer Flüchtlingsrat), Günter Burkhardt (Mitbegründer von Pro Asyl), Sonkeng Tegouffo (Flüchtlingsrat Brandenburg) und Anna Frölich (Rechtsanwältin in München).

Förderverein Pro Asyl e. V.

Der Förderverein finanziert die Arbeit von Pro Asyl. Er realisiert die Einzelfall- und Rechtshilfe sowie Projekte, Dokumentationen und Recherchen. Er organisiert Advocacy-Arbeit, politische Kampagnen, die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung mit nationalen und internationalen Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen. Die Geschäftsführung liegt bei Karl Kopp und Helen Rezene.

Vorstand

Dem ehrenamtlichen Vorstand des Fördervereins Pro Asyl gehören an (Stand August 2026): Vorsitzende Dr. Beate Wagner (Geschäftsführerin der Global Young Academy mit Sitz an der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle), Schatzmeister Tim W. Kliebe (Rechtsanwalt in Frankfurt am Main), Dr. Fessum Ghirmazion (Politischer Sekretär beim Vorstand der IG Metall im Ressort Migration und Teilhabe), Doris Peschke. Dr. Jürgen Micksch ist als Mitbegründer der Bundesarbeitsgemeinschaft Ehrenvorsitzender des Fördervereins.

Finanzierung

Der gemeinnützige Verein ist unabhängig von staatlichen Zuschüssen und finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Stiftung Pro Asyl

Im Jahr 2002 wurde die gemeinnützige Stiftung Pro Asyl gegründet. Ziel der Stiftung Pro Asyl ist die Finanzierung der Flüchtlings- und Menschenrechtsarbeit auf lange Sicht. Die Stiftung realisiert mittel- und langfristige Projekte in der Flüchtlingsarbeit. Sie dokumentiert zum Beispiel Menschenrechtsverletzungen in Griechenland oder Ungarn, engagiert sich mit der griechischen Partner-Organisation von Pro Asyl, Refugee Support Aegean, in Griechenland und förderte ein Stipendienprogramm.

Vorstand

Günter Burkhardt, Karl Kopp und Helen Rezene bilden den Vorstand der Stiftung (Stand August 2026). Den Stiftungsrat bilden Halima Gutale (Vorsitzende), Andreas Lipsch, Hubert Heinhold, Beate Wagner und Doris Peschke.

Menschenrechtspreis "PRO ASYL-Hand"

Die Stiftung Pro Asyl verleiht jährlich ihren Menschenrechtspreis, die PRO ASYL-Hand. Damit werden Menschen und Initiativen für ihr besonderes Engagement für Geflüchtete an den europäischen Außengrenzen ausgezeichnet. Erstmals wurde der Preis im Jahr 2006 anlässlich des 20. Jahrestags der Vereinsgründung verliehen.

2006 ging er an Stefan Schmidt, Kapitän der Cap Anamur, der im Jahr 2004 Flüchtlinge in Seenot aufnahm und dafür von den italienischen Behörden vor Gericht gestellt wurde, und an Ferenc Kőszeg, der sich seit vielen Jahren in Ungarn, Polen und der Ukraine für Menschen- und Flüchtlingsrechte engagiert.

Im Jahr 2007 wurde der Menschenrechtspreis an José Palazón Osma und Maite Echarte Mellado von der Kinderrechtsorganisation PRODEIN für ihren Einsatz für Flüchtlingskinder in der spanischen Exklave Melilla verliehen.

2008 hat die Stiftung ihren Menschenrechtspreis an die Athener Rechtsanwältin Marianna Tzeferakou verliehen. Sie wurde auch stellvertretend für die Group of Lawyers (Griechische Anwaltsvereinigung für die Rechte von Flüchtlingen und Migranten) sowie die Solidaritätsgruppen auf Chios, Samos und Lesbos für ihren Einsatz für Migranten an der europäischen Außengrenze sowie den griechischen Haftlagern ausgezeichnet.

2009 wurde der Preis an Nissrin Ali und Felleke Bahiru Kum verliehen. Die selbst zum Leben in Gemeinschaftsunterkünften gezwungenen Flüchtlinge setzten sich für die Achtung der Menschenwürde von Flüchtlingen und die Abschaffung des Wohnens in Gemeinschaftsunterkünften ein und stießen damit eine viel beachtete politische Debatte in Bayern an.

Im Jahr 2010 wurde der italienische Journalist Gabriele Del Grande, der seit Jahren Menschenrechtsverletzungen an den Grenzen Europas dokumentiert, mit dem Preis geehrt.

2011 wurde Julia Kümmel der Preis verliehen. 2003 hatte sie am Frankfurter Flughafen Flugblätter verteilt, die sich gegen die Abschiebung eines Irakers nach Griechenland richteten. Die Fraport AG, die Betreiberfirma des Flughafens, erteilte ihr daraufhin ein Hausverbot und drohte ihr mit einem Strafantrag wegen Hausfriedensbruch. Kümmel klagte dagegen bis vor das Bundesverfassungsgericht, das im Februar 2011 entschied, dass deutsche Flughäfen keine grundrechtsfreien Räume sind. Mit ihrem Engagement hat Kümmel erstritten, dass an Deutschlands Flughäfen demonstriert werden darf.

Im Jahr 2012 ging der Preis an die aus Eritrea stammende Gergishu Yohannes. Ihr Bruder starb mit 76 anderen Bootsflüchtlingen im Mittelmeer. Yohannes brachte daraufhin rund 1.300 Angehörige in einer Interessengemeinschaft zusammen und erstattete in deren Auftrag Anzeige gegen den italienischen Staat wegen unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge.

2013 wurde das Ehepaar Luise und Gerjet Harms ausgezeichnet – stellvertretend für alle, die sich für die Rückkehr von Gazale Samale und ihrer Kinder nach Deutschland eingesetzt haben. Durch ihr Engagement konnte die Familie acht Jahre nach der Abschiebung wieder vereint werden.

2014 erhielt der italienische Journalist Fabrizio Gatti die Auszeichnung für die Enthüllung, dass 260 libysche Bootsflüchtlinge am 11. Oktober 2013 starben, weil italienische Behörden deren Seenotruf mehrere Stunden lang ignoriert hatten.

Im Jahr 2015 wurde der US-Deserteur André Shepherd mit dem Preis bedacht, dieser entzog sich seinem Dienst in der US-Armee, um nicht nochmals im Irak-Krieg eingesetzt zu werden, und stellte 2008 in Deutschland einen Asylantrag, der abgelehnt wurde. Danach klagte er bei verschiedenen deutschen und europäischen Instanzen, um auch über seinen Fall hinaus klarzustellen, dass alle Soldaten, die sich durch Desertion völkerrechtswidrigen Handlungen entziehen, ein Anrecht auf Schutz haben.

2016 erhielt Father Mussie Zerai den Menschenrechtspreis. Der katholische Priester hilft seit Jahrzehnten Flüchtlingen in Seenot.

2017 ging der Preis an Synagogenvorsteher Wolfgang Seibert aus Pinneberg und an Pfarrerin Doris Otminghaus aus Haßfurt, die beide durch die Gewährung von Kirchenasyl Abschiebungen von Asylbewerbern aus Deutschland nach den Dublin-Reglungen ins Europäische Ausland verhindert hatten.

2018 wurde das Ungarische Helsinki Komitee ausgezeichnet. Die Begründung: Trotz der zunehmenden Kriminalisierung und Bedrohung durch die ungarische Regierung kämpft das Komitee für Rechtsstaatlichkeit und fundamentale Menschenrechte.

2019 zeichnete die Stiftung Pro Asyl den Rechtsanwalt Peter Fahlbusch mit ihrem Menschenrechtspreis aus. Der Anwalt setzt sich seit Jahren für Geflüchtete in Abschiebungshaft ein.

Im Jahr 2020/21 verlieh die Stiftung ihren Menschenrechtspreis an Marion Bayer (Hanau), Hela Kanakane (Tunis) und Hagen Kopp (Hanau) von Watch the Med – Alarm Phone. Seit Jahren beantworten Mitglieder von Alarm Phone Notrufe von Geflüchteten, die auf dem Weg über das Mittelmeer nach Europa in Seenot geraten.

2022 ging der Preis an Marta Górczynska und die Helsinki Foundation for Human Rights aus Polen für ihren Einsatz für Geflüchtete an der Grenze zu Belarus.

2023 verlieh die Stiftung ihren Menschenrechtspreis an Heike Kleffner, Sultana Sediqi und Ibrahim Arslan – stellvertretend für die Arbeit des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG e. V.) und seiner engen Partner.

2024 erhielten der maltesische Menschenrechtsverteidiger Neil Falzon und die aditus foundation den Menschenrechtspreis. Die Mitarbeitenden der aditus foundation, überwiegend Anwältinnen und Anwälte, setzen sich seit 2011 für den effektiven Zugang zu Asylverfahren, den Schutz vor willkürlicher Inhaftierung und ein menschenwürdiges Aufnahmesystem für Geflüchtete ein.

2025 wurde der Preis an Johannes Borgetto, Immaculate Chienku und Richard Reischl verliehen. Johannes Borgetto engagiert sich seit seiner Jugend und steht stellvertretend für die Arbeit im Koordinationskreis Asyl Darmstadt und Region (KOKAS). Seit 1998 arbeitet Immaculate Chienku im von Geflüchteten gegründeten Verein Refugees Emancipation. Richard Reischl seinerseits setzte sich als Erster Bürgermeister der bayerischen Gemeinde Hebertshausen für Geflüchtete in der Region ein.

Im Jahr 2026 wurde Giorgos Tsarbopoulos, Pırıl Erçoban und Taner Kılıç ausgezeichnet. Sie erhalten ihn für ihr Engagement für Menschenrechte und den individuellen Schutz von Schutzsuchenden in der Türkei, Griechenland und der weiteren Region. Tsarbopoulos leitete seit 2006 das griechische Büro des UNHCR in Athen. Auf der anderen Seite der Ägäis gehörte Erçoban im Jahr 2008 zu den Gründern von Mülteci-Der, einem Verein zur Solidarität mit Geflüchteten. Kılıç ist Rechtsanwalt in Izmir. Er gehört zu den Mitbegründern der türkischen Sektion von Amnesty International und war ebenfalls an der Gründung von Mülteci-Der beteiligt.

Europäische Flüchtlingspolitik

Nach Ansichten des Vereins verhindert die aktuelle EU-Flüchtlingspolitik zunehmend, dass Menschen auf der Flucht in Europa Schutz finden. Dazu gehöre die personelle und technische Aufrüstung des Grenzschutzes an den EU-Außengrenzen, der Druck auf ärmere Grenzländer, die „Brutalisierungstendenzen“ im Umgang mit Geflüchteten und ein fehlendes, an Menschenrechten ausgerichtetes europäisches Asylrecht.

Besonders aktiv war der Verein im Zusammenhang mit der Fluchtbewegung nach Europa 2015 und 2016 und wandte sich dabei immer wieder gegen Gesetzesverschärfungen. Die Revision des Gemeinsame Europäische Asylsystems (GEAS), das im Juni 2024 in Europa in Kraft trat und seit dem 12. Juni 2026 in der ganzen EU anzuwendendes Recht ist, begleitete der Verein mit Gegenkampagnen. Pro Asyl kritisierte GEAS zur Einführung in Deutschland 2026 scharf, als "die größte Asylrechtsverschärfung seit 30 Jahren".

Gemeinsam mit europäischen Partnerorganisationen recherchiert Pro Asyl seit vielen Jahren zur Situation von Flüchtlingen an den EU-Außengrenzen in Griechenland, Spanien, Italien und Ungarn und macht die Ergebnisse in Dokumentationen öffentlich. Auf politischer Ebene setzt sich die gemeinnützige Organisation für humane Aufnahmebedingungen für Schutzsuchende und die Einhaltung menschenrechtlicher Standards in Europa ein. Mit 74 Partnerorganisationen aus 29 europäischen Ländern engagiert sich Pro Asyl im European Council on Refugees and Exiles (ECRE) in Brüssel.

Kritik

2025 unterstützte der Verein die Klagen dreier somalischer Geflüchteter gegen ihre Zurückweisung an der deutschen Grenze. Das zuständige Verwaltungsgericht gab ihnen im Eilverfahren recht und stellte in Kammerbeschlüssen von grundsätzlicher Bedeutung die Europarechtswidrigkeit der Zurückweisungen von Asylsuchenden an einer EU-Binnengrenze fest.

Infolgedessen äußerte der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Hoffmann, schwere Vorwürfe gegen Pro Asyl und unterstellte dem Verein, sich am Schleusertum zu beteiligen. Mutmaßliche Aktivisten der Organisation seien seit Jahren auf Fluchtrouten und an Grenzübergängen unterwegs, um Menschen beim illegalen Grenzübertritt behilflich zu sein. So unterlaufe Pro Asyl Bemühungen Fluchtbewegungen zu steuern oder gar zu unterbinde. Der Chef der Bundespolizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, stellte unter Erwähnung von Pro Asyl Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Schleusung und Urkundenfälschung im Falle der Zurückweisung und Einreise dreier somalischer Asylbewerber nach Deutschland im Mai 2025. Der Verein dementierte diese Vorwürfe als verleumderische Falschbehauptung und Hetze. In Tätigkeitsbericht 2025/26 stellt die Organisation zudem klar, dass zu keinem Zeitpunkt "Ermittlungen gegen PRO ASYL und unsere Mitarbeitenden" eingeleitet worden seien.

Unter den Hashtags #ichbinproasyl und #wirsindproasyl erreichte der Verein im Sommer 2025 eine Welle der Solidarität. Politiker, Künstler, Influencer, Kirchenleute und weitere Prominente sowie Organisationen verteidigten PRO ASYL gegen massive Angriffe von Rechtsaußen.

Einzelnachweise

  1. ↑ 145 Organisationen fordern von der CDU: Stehen Sie ein für die menschenrechtliche Brandmauer. Abgerufen am 24. Juni 2025 (deutsch).
  2. ↑ Förderverein PRO ASYL e. V. Abgerufen am 24. Juni 2025 (deutsch).
  3. ↑ Geschäftsstelle. Abgerufen am 24. Juni 2025 (deutsch).
  4. ↑ Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl
  5. 1 2 3 4 5 PRO ASYL: Tätigkeitsbericht 2025/26. August 2026 (proasyl.de [PDF]).
  6. ↑ Mission - R.S.A. 2. April 2017, abgerufen am 27. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  7. ↑ Stiftung Pro Asyl. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  8. ↑ Registereintrag Bundesarbeitsgemeinschaft PRO ASYL e.V. Abgerufen am 18. Januar 2026.
  9. ↑ Registereintrag Förderverein PRO ASYL e.V. - Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge. Abgerufen am 18. Januar 2026.
  10. ↑ Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl, abgerufen am 28. Oktober 2020.
  11. ↑ Jürgen Micksch: Wandel durch Kontakte, Darmstadt 2021, Seiten 35–41.
  12. ↑ Förderverein PRO ASYL e.V. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  13. ↑ Stadt Osnabrück: 2011: Tahar Ben Jelloun und PRO ASYL (Sonderpreis). Archiviert vom Original am 8. September 2017; abgerufen am 24. Juni 2025 (deutsch).
  14. ↑ Stiftung Pro Asyl. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  15. ↑ Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl, abgerufen am 18. September 2023
  16. ↑ Förderverein PRO ASYL e.V. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  17. ↑ Geschäftsstelle. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  18. ↑ Unser Projekt in Griechenland, abgerufen am 28. Oktober 2020
  19. 1 2 3 4 5 Stiftung PRO ASYL: Die PRO ASYL-Hand. 2010 (proasyl.de [PDF]).
  20. ↑ Mitteilung der Preisträgerin 2011 (Memento vom 12. Dezember 2013 im Internet Archive), Pro-Asyl-Website
  21. ↑ Gergishu Yohannes erhält den Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  22. ↑ PRO ASYL verleiht Menschenrechtspreis an Luise und Gerjet Harms. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  23. ↑ Fabrizio Gatti erhält den Menschenrechtspreis 2014 der Stiftung PRO ASYL. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  24. ↑ STIFTUNG PRO ASYL: André Shepherd erhält Menschenrechtspreis. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  25. ↑ PRO ASYL-Menschenrechtspreis geht an Father Mussie Zerai. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  26. ↑ PRO ASYL verleiht Menschenrechtspreis 2017 an Synagogenvorsteher Wolfgang Seibert und Pfarrerin Doris Otminghaus. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  27. ↑ Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL 2018 geht an die Vorsitzenden des Ungarischen Helsinki Komitees Márta Pardavi und András Kádár. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  28. ↑ Menschenrechtspreis 2019: Für das Grundrecht auf Freiheit – gegen rechtswidrige Abschiebehaft. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  29. ↑ Einladung: Stiftung PRO ASYL verleiht Menschenrechtspreis 2020/2021 an Alarm Phone. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  30. ↑ Stiftung PRO ASYL verleiht Menschenrechtspreis 2022 an die Anwältin Marta Górczyńska und die polnische Helsinki Foundation for Human Rights / 3.9.2022 in Frankfurt. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  31. ↑ PRO ASYL – Preis 2023: Gegen die Normalisierung menschenfeindlicher Debatten und Gewalttaten. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  32. ↑ Mutig für Flüchtlingsrechte: Menschenrechtspreis 2024 an Neil Falzon und aditus foundation. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  33. ↑ Stiftung PRO ASYL: Menschenrechtspreis 2025 würdigt die Solidarität mit Geflüchteten. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  34. ↑ Festung Europa. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  35. ↑ GEAS: Antworten auf die wichtigsten Fragen. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  36. ↑ Dobrindts Zurückweisungspolitik ist rechtswidrig – drei Geflüchtete gewinnen Eilverfahren gegen Zurückweisung an der deutsch-polnischen Grenze. Abgerufen am 27. August 2026 (deutsch).
  37. ↑ Zurückweisungen bei Grenzkontrollen sind rechtswidrig (Nr. 32/2025). 24. Juli 2026, abgerufen am 27. August 2026.
  38. ↑ CSU-Landesgruppenchef Hoffmann kritisiert Pro Asyl. 7. Juni 2025, abgerufen am 27. August 2026.
  39. ↑ Teggatz, Heiko: STRAFANZEIGE gegen unbekannt. 5. Juni 2025 (alexander-wallasch.de [PDF]).
  40. ↑ Pro Asyl verteidigt Vorgehen bei Somaliern: „Es findet kein Puppenspiel statt, wo Schutzsuchende nach der Pfeife von Organisationen tanzen“. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 27. August 2026]).
  41. ↑ Pro Asyl-Chef zu Vorwürfen von rechts: „Wir lassen uns davon nicht einschüchtern“. In: Die Tageszeitung: taz. 10. Juni 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 27. August 2026]).
  42. ↑ Instagram. Abgerufen am 27. August 2026.