
Das Palais Haber in Baden-Baden in Baden-Württemberg ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz.
Das sogenannte Scheibenschlössle im Baden-Badener Stadtteil Innenstadt ist im Baden-Badener Denkmalverzeichnis eingetragen und befindet sich in der Stephanienstraße 7.
Bei dem Anwesen handelt es sich um ein besonders qualitätvolles und anschaulich überliefertes Beispiel des privatwirtschaftlichen, gehobenen Wohnungsbaus in der Blütezeit der europäischen Kurstadt Baden-Baden. Das repräsentative Wohngebäude in Ecklage ist ein zweigeschossiger verputzter Massivbau mit flach geneigtem Walmdach und reich ausgearbeiteter straßenseitiger Schaufassaden. Die Rundbogenfenster mit gerundeten Kopfgesimsen sind auf Konsolen, teils Drillings- und Zwillingsfenster. Brüstungsornamente zieren die Fassade, ebenso Balkone und Eckerker mit historischer Farbverglasung unter Welscher Haube im 2. Obergeschoss. Zum Grundstück gehört ein Stallgebäude als Seitenflügel, das ausgebaut wurde und heute als Wohnung genutzt wird. Dieser eingeschossige Bruchsteinbau besitzt einen L-förmigem Grundriss mit Walmdach. Dazu gehört ein Hof und der eingefriedete Terrassengarten.
Errichtet wurde das Palais zwischen 1853 und 1855 von dem zu Wohlstand gekommenen Werkmeister Ludwig Britsch (gest. 1856), gelangte dann 1899 in den Besitz von Heinrich von Haber. Der Ausbau des Dachgeschosses erfolgte 1926 nach Entwurf von Scherzinger und Härke.
Beispielhaft führte Britsch vor, was in der Blütezeit der Stadt unter den ästhetischen und lebensweltlichen Bedürfnissen der europaweit in das Modebad zuziehenden aristokratischen bzw. großbürgerlichen Oberschicht zu verstehen war. Britsch hatte sich in den 1830er- und 1840er-Jahren zum erfolgreichsten lokalen Baumeister in Baden-Baden entwickelt. Die Karriere des Ludwig Britsch, er war zunächst Maurermeister, dann erfolgreicher Architekt („Werkmeister“) und Bauunternehmer, ist auffallend. Er erwarb Baugrundstücke und schuf vornehme Wohnbauten auf eigene Rechnung, die er dann gewinnbringend veräußerte. Seinen Erfolg verdankte Britsch dabei auch dem beispielhaften Aufstieg Baden-Badens zum mondänen Modebad und den damit einhergehenden Renditen. Formal war Britsch von der Karlsruher Bauschule unter dem allmächtigen Heinrich Hübsch beeinflusst, wie gerade dieser Bau höchst eindrucksvoll belegt, in dem Elemente der Romanik mit solchen der Renaissance verschmelzen. Das Gebäude zählt dabei zu den frühesten historistischen Wohnbauten der Stadt und dokumentiert den Beginn gründerzeitlichen Wohnbaus in Baden-Baden. Insgesamt gelang dem Architekten Britsch eine opulente, aber würdevolle, künstlerisch stimmige Inszenierung eines repräsentativen, städtebaulich wirksamen Eckgebäudes. Das Anwesen zeichnet sich neben seiner hohen baulichen Qualität durch seinen außergewöhnlich vollständigen Erhaltungszustand aus. Dies gilt insbesondere für die hochwertige und denkmalgerecht restaurierte Innenausstattung. Sie dokumentiert anschaulich die herrschaftlichen Wohnverhältnisse der damaligen gesellschaftlichen Elite, für die Britsch seine Palais plante. In das Eckhaus zog noch im Jahr der Fertigstellung der Offizier Heinrich von Haber ein, der somit ein standesgemäßes Palais besaß. Es zählt zu den herausragenden Leistungen des frühen Historismus in Baden-Baden und hat architektur-, stadtbau- und sozialgeschichtliche Bedeutung.
Koordinaten: 48° 45′ 39,2″ N, 8° 14′ 36,4″ O