Palazzo Capranica

Palazzo Capranica in Rom

Der Palazzo Capranica ist ein Palast aus den 1450er Jahren in Rom in der italienischen Region Latium. Er liegt im Viertel Colonna am Piazza Capranica und ist das einzige Gebäude in kapitolinischem, romanischem Stil in der Stadt.

Die Inschrift auf dem Hauptportal gibt das Baujahr mit 1451 an; der Palast wurde im Auftrag von Domenico Capranica errichtet. Zunächst war es die private Residenz der Familie Capranica und wurde 1457 zum Kolleg für Geistliche.

Geschichte

Bau und Priesterkolleg

Domenico Capranica, Bischof von Fermo, war der Vorstand der gleichnamigen Familie und mit ihm begannen das Vermögen und der Aufstieg der Capranicas, die aus dem Dorf Capranica Prenestina (an der Via Praenestina) stammte. 1451 ließ er, nachdem verschiedene Häuser gekauft hatte, den Palast der Familie errichten.

Zwei Jahre vor seinem Tod, genauer gesagt am 5. Januar 1457, gründete er das Collegio dei poveri scolari della Sapienza Firmana, heute „Almo Collegio Capranica“ genannt, das für junge Römer und Einwohner von Fermo niedriger Herkunft gedacht war, die beschlossen hatten, ein kirchliche Karriere einzuschlagen; sie sollten vorwiegend Theologie und kanonisches Recht studieren; es handelte sich um eine Einrichtung, die heute „Priesterseminar“ genannt wird (trotz der Einrichtung des „Seminars“, wie wir es heute kennen, während der Gegenreformation mit dem Konzil von Trient 1563).

Es war der Bruder von Domenico Capranica, der Kardinal Angelo Capranica (1423–1478), dem es einige Jahre später gelang, von Papst Sixtus IV. die Erlaubnis zu bekommen, einen eigenen Sitz für das Kolleg neben dem alten Palast zu erbauen. So ließ er das durch den Turm gekennzeichnete Gebäude mit eigener Eingangstür für das Kolleg errichten und machte aus dem älteren Gebäude – dem mit dem Portal, auf dem das Baujahr eingeschnitzt ist – die Familienresidenz.

17.–20. Jahrhundert

Um 1670 ließ ein weiteres Familienmitglied, Pompeo Capranica (1647–1706) durch Abriss innerer Trennwände im ersten Obergeschoss ein Privattheater schaffen, das am 6. Januar 1679 eingeweiht und später durch weitere Bauarbeiten erweitert wurde. 1694 wurde unter Leitung des Architekten Carlo Buratti, eines Schülers von Carlo Fontana, der alte Palast mit einem U-Förmigen Grundriss im Stil der Epoche umgebaut und reich verziert.

Das Privattheater wurde mehrmals geschlossen und wiedereröffnet, aber am 1. März 1881 aufgelassen. Der Raum diente anfangs als Möbellager und blieb dann von 1895 bis 1922 leer. 1922 wurde er in einen Kinosaal umgebaut und bis 2000 genutzt. 2005 wurde er in ein Kongresszentrum umgewandelt, in dem auch Musikveranstaltungen stattfinden.

Beschreibung

Der Palast, der im Laufe der Jahrhunderte grundlegend umgebaut wurde und mit Spuren der Aufstockung im 17. Jahrhundert versehen ist, ist durch einen Eckturm mit quadratischem Grundriss gekennzeichnet, der Spuren von Graffiti trägt, ebenso wie ein Halbrelief, das die Büste „Jesu des Retters zwischen zwei Kerzenleuchtern und zwei Betenden“ darstellt und das Wappen der Erzbruderschaft des Retters; den Turm schließt nach oben eine Loggia im obersten Stockwerk ab, die sich mit zwei Bogenfenstern auf beiden Seiten öffnet.

Im Erdgeschoss nehmen die beiden Marmorportale mit Architraven besondere Bedeutung ein: Das Portal unter dem Turm, der Eingang zum Kolleg, zeigt die Inschrift „COLLEGIUM CAPRANICENSE“, während das auf der rechten Seite, der Eingang zum ursprünglichen Palast, das Baujahr „1451“ und die Inschrift „TEATRO CAPRANICA“ trägt.

Im ersten Obergeschoss gibt es eine Reihe von Fenstern: Drei gotische Ajimez und drei aus der Renaissance mit guelfischen Kreuzen. Bei den gotischen Fenstern kann man in den Kapitellen der kleinen Säulen noch heute Spuren der Wappen der Familie Capranica erkennen. Im zweiten Obergeschoss dagegen sind fünf der sechs Fenster zugemauert.

Einzelnachweise

  1. ↑ Roma e Città del Vaticano: le chiese, i palazzi, i musei, le piazze, l'archeologia. Touring, 2002, S. 122, abgerufen am 15. September 2026 (italienisch).
  2. 1 2 3 Piazza Capranica. In: Roma Segreta. 22. Januar 2025, abgerufen am 16. September 2026 (italienisch).
  3. ↑ Silvia Cretarola: Proprietà e impresa nel teatro Valle in Bianca Maria Antolini, Arnaldo Morelli, Vera Vita Spagnuolo (Herausgeber): La musica a Roma attraverso le fonti d'archivio. Atti del Convegno internazionale, Rom 4.-7. Juni 1992. S. 221–236.
Commons: Palazzo Capranica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 41° 54′ 0,5″ N, 12° 28′ 39,8″ O