
Als Panchayatana oder Pancayatana (Sanskrit: pancha = ‚fünf‘; yatana = ‚Gott‘) wird die nur selten realisierte Idealform eines Hindu-Tempels bestehend aus einem zentralen Haupttempel und vier kleineren Nebenschreinen, die meist in den Ecken der Plattform (jagati) stehen, bezeichnet. Während der Eingang des Haupttempels meist nach Osten, manchmal auch nach Westen ausgerichtet ist, sind die beiden Tempel an der Eingangsseite oft nach Norden oder Süden orientiert.
Das fünfteilige Panchayatana-Schema mit seinen nach oben und in alle vier Himmelsrichtungen weisenden Sakralbauten hat letztlich kosmische oder universale Dimensionen und Implikationen.


Im Hinduismus gab es auch die Tradition der – hauptsächlich im familiären Rahmen stattfindenden – gemeinschaftlichen Verehrung von fünf Gottheiten (panchayatana puja), das von einigen auf den Lehrer und Philosophen Adi Shankara (um 800) zurückgeführt wird. Ob diese Form der Anbetung möglicherweise älter ist als das architektonische panchayatana-System ist nicht mehr eindeutig feststellbar.
Die manchmal fünftürmigen Tempel Bengalens fußen möglicherweise ebenfalls auf dem panchayatana-Schema. In jüngerer Zeit entstanden einige in ihren architektonischen Differenzierungen noch weitergehende Tempelbauten – z. B. der Dakshineshwar-Tempel in Kolkata aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen neun Nebenschreinen (navaratna).