Panzerfaust 3

Panzerfaust 3
Panzerfaust 3
Allgemeine Information
Militärische Bezeichnung Panzerfaust 3
Einsatzland Deutschland u. a.
Entwickler/Hersteller Dynamit Nobel Defence
Entwicklungsjahr 1978
Produktionszeit 1986 bis jetzt
Waffenkategorie Rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe
Ausstattung
Gesamtlänge 950 mm
Lauflänge 950 mm
Technische Daten
Kaliber 60 mm
Feuerarten Einzelfeuer
Visier Zielfernrohr
Listen zum Thema

Die Panzerfaust 3 ist die rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe die in Deutschland entwickelt wurde. Sie wird von allen infanteristisch kämpfenden Truppengattungen eingesetzt (Panzerabwehr aller Truppen).

Geschichte

Anfang der 1970er Jahre kamen aufgrund der ständig fortschreitenden Entwicklung in der Panzertechnik Forderungen nach einer neuen Panzerabwehrhandwaffe für die Infanterie auf, um die bis dahin in der Bundeswehr eingeführten und genutzten Waffen wie die leichte Panzerfaust 44 mm und die schwere Panzerfaust 84 mm „Carl Gustaf“ zu ersetzen. Im Rahmen der konzeptionellen Überlegungen wurde in der Taktischen Forderung an das Wehrmaterial vom 23. Januar 1973 folgendes Anforderungsprofil festgelegt:

1978 erhielt die damalige Dynamit-Nobel AG den Entwicklungsauftrag. Dabei kooperierte Dynamit-Nobel mit Heckler & Koch beim Abfeuerungsgerät und mit Hensoldt beim Zielfernrohr. 1986 begannen die ersten Truppenversuche mit den Vorserienmodellen, 1992 wurde schließlich die Panzerfaust 3 offiziell bei der Bundeswehr eingeführt.

Die Panzerfaust 3 wurde 1990 als Panzerfaust 90 (meist nur Panzerfaust genannt) bei der Schweizer Armee eingeführt und mit dem Rüstungsprogramm 1991 beschafft. 1995 wurde eine in der Schweiz entwickelte, kampfwertgesteigerte Patrone bei der Armee eingeführt und bis 2001 in Lizenz produziert.

Aufbau und Wirkungsweise

Bundeswehrsoldat mit einer Panzerfaust 3 während einer Übung

Die Panzerfaust 3 besteht aus dem wiederverwendbaren Griffstück und der Patrone. Die Patrone wiederum unterteilt sich in Abschussrohr und Geschoss. Der Geschosskopf liegt außerhalb des Rohres, wodurch die Abmessungen des Kopfes unabhängig vom Kaliber des Abschussrohres gewählt werden können. Er besteht aus zwei Teilen: dem Abstandsrohr und der Wirkladung. Gegen gepanzerte Ziele wie Panzer und Bunker wird das Abstandsrohr ausgezogen. Gegen weiche Ziele wie LKW und Gebäude bleibt es eingeschoben. Das Griffstück ist mit Visier und Abschusseinrichtung ausgestattet.

Das Prinzip, um den Rückstoß zu reduzieren, gleicht einem Gegenmassegeschütz. Das Abschussrohr ist nach hinten offen, aber verdämmt. Beim Abschuss wird eine Gegenmasse aus Eisenpulver und Wachs nach hinten ausgestoßen. Der Ausstoßimpuls der Gegenmasse reduziert den Rückstoß. Bei einem Geschoss mit 3,8 kg beträgt das Gewicht der Gegenmasse etwa 3 kg. Dadurch kann die Panzerfaust 3 auch in geschlossenen Räumen eingesetzt werden. Dabei sind von der hinteren Wand 2 m Abstand einzuhalten und das Raumvolumen muss mindestens 24 m³ betragen. Im Freien gilt eine Rückstrahlzone von 5 m und eine Absperrzone von 40 m. Entgegen der ursprünglichen Festlegung als Einwegwaffe wurde dieses Konzept in den ersten Nutzungsjahren bei der Bundeswehr aufgegeben. Somit wird nach dem Schuss die Abfeuerungseinrichtung vom Abschussrohr abgenommen und kann zusammen mit einer neuen Patrone weiterverwendet werden.

Die Panzerfaust 3 ist in der Standardausführung nicht nachtkampffähig und damit auf Gefechtsfeldbeleuchtung angewiesen. Durch eine Montageplatte kann jedoch mit dem Nachtsichtaufsatz 80 (NSA 80) ein Restlichtverstärker angebracht werden.

Die Kosten für das Griffstück mit Visier liegen bei der derzeit (Stand 2022) modernsten Variante bei ca. 11.000 US-Dollar. Eine gewöhnliche Anti-Panzer-Patrone für die Waffe kostet ca. 300 US-Dollar, eine Patrone der sogenannten Bunkerfaust ca. 200 US-Dollar.

Technische Daten

Versionen

Panzerfaust 3 im Kaliber 124 mm, der größere Gefechtskopf wurde 1995 bei der Schweizer Armee eingeführt
Panzerfaust 3-T bei einer Parade des peruanischen Heeres

Es wurden mehrere Patronenarten mit unterschiedlicher Wirkungsweise eingeführt. Jedoch besitzen alle Varianten die Möglichkeit des Abfeuerns aus geschlossenen Räumen, der Nutzung als „Bunkerbrecher“ und des Einsatzes als panzerbrechende Waffe.

Für Übungen in der Umgangsweise mit der Panzerfaust gibt es vier Systeme:

Panzerfaust 3 EX-Version

Nutzerstaaten

Bundeswehr-Soldaten bilden Peschmerga an der Panzerfaust 3 aus

Quellen:

Literatur

Commons: Panzerfaust 3 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Rolf Abresch und Lothar Schulz: Der Soldat und seine Ausrüstung. 1. Auflage. Report Verlag, 2002, ISBN 3-932385-13-6, S. 70.
  2. 1 2 Jan-Phillipp Weisswange: Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen der Bundeswehr. Geschichte – Technik – Taktik. 1. Auflage. E. S. Mittler & Sohn, 2011, ISBN 978-3-8132-0932-7, S. 76–78.
  3. 1 2 Henri Habegger: Panzerabwehrwaffen in der Sammlung der Stiftung HAM. Hrsg.: Verein Schweizer Armeemuseum. 1. Oktober 2009, S. 5 (armeemuseum.ch [PDF; 548 kB]).
  4. ↑ Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS (Hrsg.): Das Rüstungsprogramm 2016. Februar 2016, S. 12–13 (admin.ch [PDF; 774 kB]).
  5. 1 2 3 Alfred Bachmann: Panzerabwehr im ständigen Wettlauf. In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift. Band 161, Nr. 10, Oktober 1995, S. 16–19, doi:10.5169/seals-63858 (e-periodica.ch).
  6. 1 2 Alfred Markwalder: Neue Generation von Panzerabwehr und Anti-Struktur Munition nötig. In: ASMZ. Band 177, Nr. 5, Mai 2011, S. 20, doi:10.5169/seals-154260 (e-periodica.ch).
  7. ↑ Katharina Jellinghaus, Charlotte Scherer, Edouard Stauffer, Petra Urban, Michael Bohnert, Beat P. Kneubuehl: Deadly injuries through recoilless anti-tank weapons while military shooting practice—two case studies from Germany and Switzerlan. In: International Journal of Legal Medicine. Band 134, 2020, S. 2199–2204, doi:10.1007/s00414-020-02301-4.
  8. ↑ Kapitän zur See a.D Dieter Stockfisch: Der Reibert Das Handbuch für den deutschen Soldaten. 1. Auflage. Verlag=E. S. Mittler & Sohn, 2005, ISBN 3-8132-0845-1, S. 124.
  9. ↑ Jon Guttman: Panzerfaust 3: The Cold War weapon wrecking Russian tanks in Ukraine. In: militarytimes.com. Military Times, 12. Mai 2022, abgerufen am 20. Juli 2024 (englisch).
  10. 1 2 Verordnung über den militärischen Strassenverkehr - Explosive Stoffe und Gegenstände mit Explosivstoff. In: Fedlex. 2004, abgerufen am 21. Juli 2024 (siehe Tabelle; Stichwort „PZF HL PAT“).
  11. ↑ Worldwide Equipment Guide - Volume 1: Ground Systems. U.S. ARMY TRADOC, Dezember 2011, S. 2–35.
  12. ↑ Hanspeter Burri: Das Rüstungsprogramm 1995 - Drohnen für die Aufklärung und Material für die Katastrophenhilfe. In: Schweizer Soldat + MFD. Band 70, Nr. 7, Juli 1995, S. 7 (e-periodica.ch).
  13. ↑ Pierre Streit: Le "RPG-7", l'arme pour les guerres asymétriques. In: Revue Militaire Suisse. Band 148, Nr. 9, September 2003, S. 23 (französisch, e-periodica.ch).
  14. ↑ Bundeswehr: RGW 90 AS – Die Produktion auf YouTube, 17. Mai 2012, abgerufen am 18. Mai 2012.
  15. ↑ Jürgen K.G. Rosenthal: Schultergestützte Handwaffen für das urbane Gefecht. In: Hardthöhenkurier. Mittler Report Verlag GmbH, 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. März 2016; abgerufen am 24. Mai 2024.
  16. ↑ Ukraine: Bundesregierung genehmigt nun doch Waffenlieferungen. In: wdr.de. WDR, 3. März 2022, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. Juni 2022; abgerufen am 20. Juli 2024.
  17. ↑ Deutschland liefert 2000 Panzerfäuste an die Ukraine. In: spiegel.de. Der Spiegel (online), 22. März 2022, abgerufen am 20. Juli 2024.
  18. ↑ SALW Guide - Global distribution and visual identification. (PDF; 1,1 MB) Peru – Country report. In: salw-guide.bicc.de. Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) gGmbH, 2016, S. 2, abgerufen am 20. Juli 2024 (englisch).
  19. ↑ United Nations Register of Conventional Arms. In: unroca.org. Vereinte Nationen, abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  20. ↑ Panzerfaust 3/Bunkerfaust. (PDF) In: forecastinternational.com. Forecast International, abgerufen am 17. August 2026 (englisch).