


Die Große Pariser Moschee (französisch Grande Mosquée de Paris), im Quartier Latin (5. Arrondissement) von Paris, wurde nach dem Ersten Weltkrieg erbaut als Zeichen des Dankes Frankreichs an die Muslime, die in den kolonialen Hilfstruppen (Tirailleurs) gegen das Deutsche Reich gekämpft hatten (insgesamt starben schätzungsweise zwischen 70.000 und 100.000 Muslime im Dienste der französischen Armeen, davon alleine 28.000 in der Schlacht um Verdun).
Die Moschee wurde im Neo-Mudéjarstil mit einem 33 Meter hohen Minarett erbaut. Sie besteht aus einem Ensemble mehrerer Gebäude, darunter ein Andachtsraum, Hallen und Patios, ein Restaurant und ein Badehaus. Sie ist als Monument historique eingestuft (ISMH).
Der Bau der Moschee resultierte aus der Kolonialgeschichte Frankreichs. Ihre machtpolitische Symbolkraft verlor sie auch nach Ende der Kolonialzeit nicht und wurde seitens der französischen Regierung lange als islampolitisches Zentrum Frankreichs angepriesen, ohne dass die Mehrheit der muslimischen Bevölkerung Frankreichs sich zwangsläufig von ihr repräsentiert sah.
Abweichend vom Verbot der Finanzierung kirchlicher Bauten durch den französischen Staat (Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat von 1905) wurde die Moschee in Anerkennung der Leistung muslimischer Soldaten in der französischen Armee und der hohen Zahl muslimischer Gefallener insbesondere im Ersten Weltkrieg im Auftrag des französischen Staates auf dem Grundstück des alten Hôpital Salpêtrière im Jardin des Plantes errichtet. Der Grundstein wurde am 19. Oktober 1922 in Anwesenheit von Marschall Lyautey und zahlreichen Würdenträgern aus der gesamten islamischen Welt gelegt. Die Einweihung erfolgte am 16. Juli 1926 in Anwesenheit des französischen Staatspräsidenten Gaston Doumergue. Ahmad al-Alawi, ein marokkanischer Sufi, leitete während der Eröffnungszeremonie das erste Gemeinschaftsgebet.
Die Architektur des Gebäudekomplexes ist von der Qarawiyyin-Moschee in Fès inspiriert, einer der führenden Moscheen Marokkos, das Minarett greift Formen der Hauptmoschee von Kairouan in Tunesien auf. Zugleich wurden innovative Materialien des modernen Bauens eingesetzt, darunter auch Stahlbeton. Die Ornamente wurden von 450 Handwerkern und Künstlern aus Nordafrika ausgeführt.
Während der deutschen Okkupation Frankreichs im Zweiten Weltkrieg unterstützte der Rektor der Moschee, Si Kaddour Benghabrit, die Résistance. Insbesondere verschaffte er gefährdeten Juden Papiere, die sie als Muslime auswiesen, und rettete dadurch mehreren Hundert das Leben. Der französisch-marokkanischer Regisseur Ismaël Ferroukhi hat diese Episode 2011 in seinem Filmdrama Les Hommes libres (Die freien Menschen) verfilmt.
1957 erlangte die Moschee das Recht, Muslime auf dem städtischen Friedhof Cimetière parisien de Thiais zu bestatten.
Die Moscheegemeinde wurde von 1992 bis 2020 von Dalil Boubakeur, einem Befürworter des liberalen europäischen Islams, geleitet, der bis 2008 zudem Präsident des 2002 gegründeten Conseil français du culte musulman war. Seit 2020 ist der in Algier geborene Jurist Chems-Eddine Hafiz Rektor der Moschee.
Die Moschee enthält:
Koordinaten: 48° 50′ 31″ N, 2° 21′ 18″ O