Die Baukosten waren zu Baubeginn auf 200 Millionen Euro beziffert worden, zum Zeitpunkt der Fertigstellung stiegen sie auf rund 380 Millionen Euro. Für die Kostenexplosion wurde der Architekt verantwortlich gemacht, der jedoch jede Verantwortung dafür ablehnt. Die Eröffnung war ursprünglich für 2012 geplant, musste jedoch um mehr als zwei Jahre auf den 14. Januar 2015 verschoben werden. Der Bau wurde in Gegenwart von Staatspräsident François Hollande eröffnet. Der Architekt hingegen hatte sich bereits vorher in einem Zeitungsartikel in der französischen Tageszeitung Le Monde von dem Bau in seiner augenblicklichen Form und dem Zeitpunkt der Eröffnung als zu früh distanziert und nahm nicht an der Feier teil. Zur Eröffnung spielte das Orchestre de Paris unter Leitung von Paavo Järvi. Die Konflikte zwischen Architekt und Bauherr, die im Rahmen mehrerer Gerichtsverfahren ausgetragen werden, dauern bis heute (Stand: Oktober 2019) an.
Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo (PS) verlangte eine hohe Zahl von Rock-, Rap- und Weltmusik-Konzerten, um auch das weniger bourgeoise Publikum anzuziehen. Daher wird es nur 150 Konzerte von klassischen Symphonieorchestern pro Jahr statt der geplanten 270 geben. Die Konzerthalle soll eine Brücke schlagen zwischen dem als elitär angesehenen Paris innerhalb der Ringstraße des Boulevard périphérique und den umgebenden Vorstädten, an deren Nahtstelle sie liegt. Der verantwortliche Leiter der Philharmonie Laurent Bayle möchte dies erreichen, indem er ein Programm bietet, das verschiedene musikalische Genres miteinander verbindet und damit ein neues Bild von klassischer Musik in Frankreich etabliert.
Architektur
Das Gebäude der Philharmonie ist 52 Meter hoch. Die Außenhaut besteht aus 340.000 stilisierten Vögeln aus Aluminium, deren Form lediglich 7 Mal variiert. Je sieben dieser Formen ergeben wieder ein einheitliches Element. Die einzelnen Formen weisen vier verschiedene Grautöne auf. Der große Konzertsaal der Philharmonie, Grande Salle Pierre Boulez, umfasst 2400 Sitzplätze. Die Bühne ist in der Mitte des Saals angeordnet, die maximale Entfernung zwischen Dirigent und Zuhörer ist mit 32 Metern gemessen an der Kapazität des Saales außerordentlich niedrig. Die Akustik mit einem Nachhall von 2 bis 2,3 Sekunden wurde durch Harold Marshall und Yasuhisa Toyota gestaltet. Das Gebäude verfügt darüber hinaus über einen Konferenzraum, ein Studio, etwa 15 Proberäume, eine Ausstellungsfläche von 800 Quadratmetern und eine Aussichtsterrasse in Höhe von 37 Metern.
Orgel
Ab 2015 baute die Orgelbaufirma Rieger eine neue Orgel für den großen Saal. Das Instrument wurde 2016 fertiggestellt und hat 91 Register auf vier Manualwerken und Pedal.
I Grand Orgue C–c4
Montre
16′
Violon
16'
Montre
8′
Viole de Gambe
8′
Flûte harm.
8′
Gemshorn
8′
Prestant
4′
Salicional
4′
Quinte
22⁄3′
Doublette
2′
Grande Fourn. V-VI
2′
Cymbale IV-V
1′
Cornet V
8′
Bombarde
16′
Trompette
8′
Clairon
4′
II Positif expressif C–c4
Bourdon
16′
Principal
8′
Salicional
8′
Flûte harm.
8′
Bourdon
8′
Unda maris
8′
Prestant
4′
Flûte
4′
Nazard
22⁄3′
Doublette
2′
Tierce
13⁄5′
Larigot
11⁄3′
Septième
11⁄7′
Piccolo
1′
Plein Jeu IV
11⁄3′
Basson
16′
Trompette
8′
Cromorne
8′
Tremblant
III Récit expressif C–c4
Quintaton
16′
Diapason
8′
Viole de Gambe
8′
Flûte harm.
8′
Bourdon
8′
Voix céleste
8′
Eoline
8′
Viole
4′
Flûte oct.
4′
Nazard harm.
22⁄3′
Octavin
2′
Tierce harm.
13⁄5′
Fourniture V
1′
Bombarde
16′
Trompette
8′
Clairon
4′
Hautbois
8′
Voix humaine
8′
Trémolo
IV Solo expressif C–c4
Principal
8′
Flûte harm.
8′
Gambe
8′
Voix céleste
8′
Principal
4′
Flûte
4′
Plein Jeu IV
2′
Cor anglais
8′
Tuba
8′
Chamade (I, IV, P) C–c4
Chamade
(B/D)
16′
Chamade
(B/D)
8′
Chamade
(B/D)
4′ / 8′
Résonance (I, IV, P) CC–c4
Bourdon
16′
Flûte
8′
Quinte
51⁄3′
Flûte ouverte
4′
Tierce
31⁄5′
Clarinette
8′
Trompette
8′
Clairon
4′
Pedale C–g1
Contrebasse
32′
Soubasse
32′
Contrebasse
16′
Violonbasse
16′
Montre
16′
Violon
16′
Bourdon
16′
Quinte
102⁄3′
Principal
8′
Flûte
8′
Bourdon
8′
Tierce
62⁄5′
Flûte
4′
Bombarde
32′
Bombarde
16′
Trombone
16′
Trompette
8′
Clairon
4′
Clarinette
16′
Film
Die Pariser Philharmonie. Ein Meisterwerk von Jean Nouvel. (OT: La Philharmonie de Paris, un rêve musical.) Dokumentarfilm, Frankreich, 2015, 51:10 Min., Buch und Regie: Thomas Briat, Produktion: Electron Libre Productions, arte France, Erstsendung: 18. Januar 2015 bei arte, u. a. mit Jean Nouvel und Laurent Bayle. (Inhaltsangabe von arte)