Josef Kentenich

Josef Kentenich (1956)

Josef (Joseph) Kentenich (* 16. November 1885 in Gymnich bei Köln als Peter Josef Kentenich; † 15. September 1968 in Schönstatt) gründete als Pater der landläufig „Pallottiner“ genannten Gesellschaft des Katholischen Apostolates die internationale Schönstattbewegung. Nach seiner 1965 erfolgten Trennung von der Gesellschaft der Pallottiner gehörte er dem Klerus der Diözese Münster an.

Leben

Herkunft und Entwicklung

Geburtshaus in Gymnich

Kentenich wurde in Gymnich bei Köln als uneheliches Kind von Katharina Kentenich und Matthias Josef Köp aus Eggersheim geboren und auf den Namen Peter Josef getauft.

Matthias Köp, der Vater Kentenichs, wurde am 9. Dezember 1841 in Eggersheim im Haus Bachstraße 9 geboren. Er war Verwalter auf dem Heuser Hof im damaligen Oberbolheim, als er die am 18. Juli 1863 in Gymnich geborene Katharina Kentenich kennenlernte. Köp hat nie geheiratet und starb am 19. März 1931 im Haus Kurfürstenstraße 7.

Vom 23. September 1899 bis 1904 besuchte Kentenich das Pallottiner-Gymnasium in Koblenz-Ehrenbreitstein. Nach dem zweijährigen Noviziat vom 24. September 1904 bis 1906 studierte er von 1906 bis 1911 im Missionshaus der Pallottiner in Limburg a. d. Lahn katholische Theologie. „Während des Noviziats und des anschließenden Studiums in Limburg hatte Kentenich unter schweren inneren Kämpfen, seelischer Einsamkeit und dadurch ausgelösten Glaubenszweifeln zu leiden, was ihn nach eigenen Aussagen bis an den Rand des geistigen Zusammenbruchs führte. Die Frage nach der Wahrheit und ihrer Erkennbarkeit beschäftigte ihn zutiefst. Erst in der existentiellen Bindung an Maria und im Kontakt mit dem Leben fand er eine Lösung der inneren Spannungen“, schreibt der ehemalige Professor für Kirchengeschichte an der Vinzenz Pallotti University Joachim Schmiedl (1958–2021) im Schönstatt-Lexikon.

Am 8. Juli 1910 empfing Kentenich in Limburg die Priesterweihe. Am 18. September 1911 wurde er Lehrer für Latein und Deutsch in Ehrenbreitstein, ein Jahr später am Studienkolleg der Pallottiner in Vallendar am Rhein. Von 1912 bis 1919 wirkte er dort als Spiritual.

Gründung Schönstatts

Am 19. April 1914 gründete Peter Josef Kentenich in Vallendar zusammen mit einigen der ihm anvertrauten Studenten eine Marianische Kongregation, aus der später das Schönstattwerk hervorging. Der 18. Oktober 1914 gilt als Gründungstag, an dem er in der Michaelskapelle einen Vortrag vor seinen Studenten hielt und mit ihnen ein „Liebesbündnis“ schloss. Während des Ersten Weltkriegs erweiterte sich die junge Schönstattbewegung um Mitglieder außerhalb des Vallendarer Kollegs. Im Jahr 1919 wurde der Apostolische Bund, 1920 die Apostolische Liga gegründet. Zusammen bildeten sie die Apostolische Bewegung von Schönstatt, die Priester und Laien, Männer, Frauen und Familien zum Glaubenszeugnis in ihrer jeweiligen beruflichen und privaten Umgebung motivieren und befähigen wollte. Am 8. Dezember 1920 wurden die ersten Frauen offiziell in den Apostolischen Bund aufgenommen. Aus diesem Bund heraus bildeten sich verschiedene neue Gemeinschaften. Am 1. Oktober 1926 gründete Kentenich die Schönstätter Marienschwestern als erstes Säkularinstitut.

Erinnerungstafel in Koblenz

Kentenich hielt Tagungen, Exerzitien, pädagogische und seelsorgliche Kurse für Priester und Laien, besonders für Frauen und Männer aus pädagogischen Berufen. Seit 1924 gehörten Seelenführerkurse, seit 1927 Exerzitien mit einem Jahresthema zu seinen regelmäßigen Angeboten. 1928 wurde für die Exerzitien und Tagungen ein eigenes „Bundesheim“ (heute „Pallotti-Haus“) errichtet, das von Kentenich bis 1951 in Hausgemeinschaft mit anderen Pallottinern bewohnt wurde. 1932 sollen über 2000 Priester an seinen Exerzitien und Tagungen teilgenommen haben.

Zeit des Nationalsozialismus

Über das Verhältnis Kentenichs zum Nationalsozialismus schreibt Joachim Schmiedl: „Den Nationalsozialismus lehnte Kentenich von Anfang an entschieden ab; er wisse keine Stelle, wo das Taufwasser auftreffen könne, bemerkte er gegenüber Bischof von Galen (Münster). In Vorträgen und pädagogischen Tagungen an verschiedenen Orten Deutschlands bemühte er sich um eine geistige Immunisierung gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie. In der Folgezeit kam es wiederholt zu Hausdurchsuchungen in Schönstatt. Mehrere Schönstätter wurden inhaftiert und kamen in Konzentrationslager. Am 1. April 1939 wurde das Studienheim [in] Schönstatt geschlossen. Kentenich sah darin einen Anlass zur Änderung seiner Arbeitsweise. In seinen Vorträgen bemühte er sich, als Antwort auf die Herausforderungen der Zeit auf eine Vertiefung des religiösen Lebens in den Schönstatt-Gemeinschaften hinzuarbeiten.“

Registrierungskarte von Josef Kentenich als Gefangener im KZ Dachau

1936 ermöglichte Kentenich dem Chirurgen und Frauenarzt Paul Bosse die Gründung einer Privatklinik, indem er Schönstätter Marienschwestern nach Wittenberg schickte, die Einzigen, die es wagten, den „jüdisch versippten“ und 1933 gekündigten Chefarzt zu unterstützen. Seiner evangelischen Frau Käte Bosse geb. Levin (1886–1944), die jüdische Urgroßeltern hatte und im KZ ermordet wurde, standen sie tapfer bei.

Gefangener der Gestapo

Aufgrund seiner strikt ablehnenden Haltung dem Nationalsozialismus gegenüber wurde Kentenich am 20. September 1941 in Koblenz von der Gestapo verhaftet. Nach sechsmonatiger Haft, vier Wochen davon in einer Dunkelzelle, wurde er am 13. März 1942 in das Konzentrationslager Dachau überstellt, wo er bis zum 6. April 1945 interniert war. „Im Lager entfaltete Kentenich eine rege Wirksamkeit“, schreibt Schmiedl. „Er nahm Kontakte zu anderen dort inhaftierten Schönstättern auf, hielt Vorträge und Meditationen auf dem Priesterblock und leitete mehrere Gruppen interessierter Priester. Da er mit dem Tod rechnen musste, entstanden in Dachau zentrale Werke über die Spiritualität und Struktur seiner Gründung, die er illegal aus dem Lager schmuggelte. (...) Durch den Aufenthalt Pater Kentenichs in Dachau breitete sich die Schönstatt-Bewegung in andere Nationen hinein aus. Am 18. Oktober 1944 gab Kentenich dieser Entwicklung in der Proklamation der 'Schönstatt-Internationale' einen offiziellen Ausdruck.“

Am 16. Juli 1942 waren von Kentenich zwei neue Schönstattgemeinschaften gegründet worden: das Schönstatt-Institut Marienbrüder und das Institut der Schönstattfamilien.

Nachkriegszeit

Am 18. Oktober 1945 gründete Kentenich den Verband der Diözesanpriester und am 2. Februar 1946 das Säkularinstitut Frauen von Schönstatt. Als jährlich stattfindende zentrale Schulungsveranstaltung für die Verantwortlichen der Schönstatt-Gliederungen führte er die sogenannte „Oktoberwoche“ ein.

Auslandsreisen

Auf mehrere Reisen in die Schweiz (ab 1945) folgten ab 1947 Reisen nach Brasilien, Uruguay, Argentinien und Chile sowie nach Südafrika und in die USA. Dabei besuchte Kentenich hauptsächlich Niederlassungen der Marienschwestern und der Pallottiner.

Im Rahmen seiner USA-Reise vom 5. Juni bis 6. September 1948, die ihn an mindestens 30 Orte in 16 Bundesstaaten, darunter New York und Washington, führte, hatte er Gelegenheit, sich die von Edward Flanagan (1886–1948) gegründete Jugendhilfeeinrichtung Boys Town in Nebraska sowie Heimschulen in Chicago und Dubuque (Iowa) anzusehen, aber auch um sich mit Priestern wie dem als „Vater der Heimatvertriebenen“ bekannten Sudetendeutschen Emmanuel Reichenberger (1888–1966) und dem offen antijudaistischen, seit 1942 sowohl durch ein staatliches Auftrittsverbot wie auch ein kirchliches Rede- und Schreibverbot an der Fortsetzung seiner Rundfunkpredigten gehinderten Charles Coughlin (1891–1979) zu treffen.

Visitationen und Verbannung

Nachdem 1948 das Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern kirchenrechtlich von Rom anerkannt worden war, erfolgte im Februar 1949 überraschend eine diözesane Visitation Schönstatts und der Schwesterngemeinschaft durch den Trierer Weihbischof Bernhard Stein. Pater Kentenich, der sich im Ausland aufhielt, nahm zu dem Visitationsbericht offen Stellung (Brief vom 31. Mai 1949: „Epistola perlonga“) und wollte dadurch eine genauere Auseinandersetzung mit seinem pastoralen Anliegen herbeiführen, das eine „organische Verbindung von natürlicher und übernatürlicher Lebensgestaltung“ beinhaltete. Dies wurde kirchlicherseits als Provokation empfunden und führte zu einer Anklage beim Heiligen Offizium, die eine päpstliche Visitation durch den an der Päpstlichen Universität Gregoriana lehrenden Jesuiten Sebastian Tromp nach sich zog. Im Anschluss wurde Kentenich durch ein Dekret des päpstlichen Visitators am 30. September 1951 aus Europa verbannt. Weitere einschränkende Dekrete folgten, ohne dass ihm Hintergründe für diese Maßnahmen mitgeteilt wurden. Kentenichs Hoffnung auf allseitige Aufarbeitung der sich häufenden Verdächtigungen wurde nicht erfüllt.

Nach Öffnung der Archive aus der Zeit Pius’ XII. Anfang Juli 2020 wurde öffentlich bekannt, dass die Gründe für Kentenichs Verbannung nicht allein theologische Differenzen waren, sondern das Heilige Offizium auf diese Weise den systematischen Machtmissbrauch gegenüber den Schönstatter Marienschwestern maßregelte, der nach Darstellung der Tromp-Biographin und Kirchenhistorikerin Alexandra von Teuffenbach auch sexuellen Missbrauch einschloss. Das Generalpräsidium des internationalen Schönstattwerkes wies den Missbrauchsvorwurf zunächst noch „mit Entschiedenheit“ zurück, während Teuffenbach an ihrer auf Archivfunden basierenden Darstellung festhielt, die sie veröffentlicht habe, um „die Biografie des Gründers, dessen Kult das Schönstattwerk betreibt, um einige Elemente zu ergänzen“.

Seine Exilzeit verbrachte Kentenich ab dem 21. Juni 1952 in Milwaukee in den USA als Seelsorger für Deutsche und befolgte alle gegen ihn verhängten Auflagen. Im September 1965 erhielt er ein (anonymes) Telegramm mit einer Einladung in das Generalat der Pallottiner in Rom, wo er am 17. September 1965 eintraf. Infolge der Trennung der Schönstattbewegung von den Pallottinern bat Kentenich um Aufnahme in den Diözesanklerus der Diözese Münster. An seinem 80. Geburtstag, dem 16. November 1965, wurde er von Bischof Joseph Höffner in die Diözese Münster inkardiniert. Am 22. Dezember empfing Papst Paul VI. Kentenich in einer Audienz. Am Heiligen Abend 1965 kehrte er nach Schönstatt zurück, wo er sich noch drei Jahre lang der Leitung seines weltweiten Werkes widmete.

Umstrittene Rehabilitierung

Der Interpretation der Schönstattanhänger, die Rückkehr nach Deutschland sei aufgrund einer Rehabilitierung erfolgt, wurde im Zuge der Aufarbeitung seines Falls Anfang der 2020er Jahre widersprochen. Entgegen späteren Darstellungen wurde seine Verbannung niemals offiziell aufgehoben. Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger schrieb am 2. April 1982: „In der Sitzung des Hl. Offiziums vom 29. Oktober 1965 wurde keine der früheren Entscheidungen des Heiligen Offiziums, die die Lehre, Tätigkeit und Person Kentenichs betreffen, annulliert. Man bestand lediglich nicht darauf, dass Kentenich, der ohne Erlaubnis der Kongregation, sondern aufgrund eines fehlinterpretierten Telegramms von den USA nach Rom gekommen war, wieder dorthin zurückkehren müsse.“

Lebensende

Am 15. September 1968, dem Fest der Sieben Schmerzen Mariens, feierte Pater Kentenich zum ersten und zugleich letzten Mal die heilige Messe in der neu erbauten Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt und starb unmittelbar nach der Messe völlig überraschend in der Sakristei der Kirche. Diese ehemalige Sakristei ist heute die Grabkapelle von Pater Kentenich. Sein Sarkophag trägt die lateinische Inschrift Dilexit Ecclesiam („Er liebte die Kirche“).


Vorwurf von Regelverstößen und Übergriffen

Die Kirchenhistorikerin Alexandra von Teuffenbach veröffentlichte im Herbst 2020 Dokumente aus dem Limburger Provinzarchiv der Pallottiner; in einer zweiten Veröffentlichung sollten vatikanische Akten zur Visitation Tromps folgen. Die Unterlagen waren bisher nicht öffentlich zugänglich, aber sehr wohl intern bekannt. Von Teuffenbach legt dabei den Schwerpunkt auf die teilweise unter Eid gemachten Aussagen von betroffenen Frauen. Kentenich werden zahlreiche Regelverstöße vorgeworfen, wie Machtmissbrauch, unzulässige Beichtpraktiken und körperliche Berührungen. Sie warf Kentenich sexuell-körperlichen Missbrauch vor. Mehrere Schwestern hätten beschrieben, wie unpassend und unangenehm ihnen die körperliche Nähe schien, die Kentenich wiederholt suchte. Mit dem Zwang, dass Schwestern ihren Beichtvater nicht selbst wählen konnten, sondern bei ihm beichten mussten, verstieß er gegen das kirchenrechtliche Verbot der Vermischung von Leitungsgewalt und Beichte. Über Bischöfe, Ordensobere und externe Priester äußerte sich Kentenich den Dokumenten zufolge abfällig; wer Kentenichs Machtanspruch als „Vater“ und den um ihn getriebenen Personenkult in Frage gestellt habe, sei isoliert worden.

Die Reaktionen seitens der Schönstattbewegung auf diese Veröffentlichungen sind uneinheitlich. Die Leitung der Schönstätter Marienschwestern nannte die Dokumentation „offensichtlich einseitig“ und forderte am 28. Oktober 2020, die Glaubhaftigkeit der Aussagen und die dahinter liegenden Motive umfassend zu untersuchen. Von Teuffenbach verwies darauf, dass „das Archiv der Marienschwestern für alle, besonders aber für wissenschaftliche Forschung verschlossen“ sei. Im Gegensatz zu den Marienschwestern erklärte der Vorsitzende des Generalpräsidiums von Schönstatt International, Pater Juan-Pablo Catoggio, am 30. Oktober 2020 in einem Schreiben an alle Mitglieder, die Zeugnisse aus dem Seligsprechungsprozess seien bisher nur den verantwortlichen Personen bekannt gewesen und daher für die Schönstatt-Bewegung „neu und schockierend“. Die Bewegung habe keine Angst vor der Wahrheit und werde sich einer gründlichen historischen Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Kentenich stellen. Das Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern verwahrte sich gegen eine „Vorverurteilung“ Kentenichs und versuchte, die Buchveröffentlichung Teuffenbachs mit juristischen Mitteln zu unterbinden.

Das Bistum Trier, in dem der Gründungsort und das heutige Zentrum der Schönstatt-Bewegung in Vallendar liegt, berief im März 2021 eine Expertengruppe ein, die den durch die Archivfunde Teuffenbachs offengelegten Vorwürfen geistlichen, emotionalen und körperlich-sexuellen Missbrauchs nachgehen solle; dabei sollte auch bis dahin nicht zugängliches Archivmaterial berücksichtigt werden. Der Kommission gehörten Wissenschaftler (Kirchenhistoriker, Pastoraltheologen, Religionspädagogen) sowie Vertreter der Pallottiner und der Schönstatt-Bewegung an, nicht jedoch Alexandra von Teuffenbach.

Untersucht werden sollten auch Vorwürfe, die sich auf Vorfälle in Kentenichs Zeit in Milwaukee beziehen. Dort soll er einen Mann zwischen 1958 und 1962 sexuell missbraucht haben. Die Vorwürfe seien der Erzdiözese Milwaukee ab 1994 bekannt gewesen und auch untersucht worden, erklärte der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Das dortige kirchliche Gericht habe damals keinen Anlass gesehen, die Sache weiter zu verfolgen. Das Bistum Trier habe die Gerichtsunterlagen im Rahmen des Seligsprechungsverfahrens erhalten und als „stimmig“ erachtet. Der Fall müsse jetzt noch einmal neu bewertet werden, um zu prüfen, „ob die damalige Untersuchung auch nach heutigen Kriterien als ausreichend betrachtet werden kann, oder ob Aspekte unberücksichtigt geblieben sind, die für eine abschließende Bewertung unbedingt noch mit einbezogen werden müssen“.

Mit Beendigung des bischöflichen Seligsprechungsverfahrens im Frühjahr 2022 zog sich das Bistum Trier schließlich ganz aus der Kentenich-Forschung zurück und verzichtete auf die Einsetzung einer weiteren Historikerkommission, wie sie die Seligsprechungsregularien vorsehen, da die weitere Forschung nicht kirchlich bestimmt sein dürfe und sonst als interessengeleitet wahrgenommen werden könne.

Seligsprechungsverfahren

Am 10. Februar 1975 wurde in Trier der Seligsprechungsprozess für Josef Kentenich eröffnet. Von 1996 bis 2016 war der Schönstatt-Pater Ángel Lorenzo Strada Postulator im Seligsprechungsverfahren Kentenichs. Der 1939 geborene Argentinier hatte ihn noch persönlich kennengelernt. Bereits 2016 hatte er in einem Interview eingeräumt, für den Seligsprechungsprozess müsste „auf ein Bild unseres Gründers, wo alles vollkommen ist, wo von Anfang an Heiligkeit da war“, verzichtet werden: „Dieser Kentenich hat nicht existiert.“ Stradas Nachfolger wurde der Chilene Eduardo Aguirre Cancino, der ebenfalls zu den Schönstatt-Patres gehört.

Im Mai 2022 teilte das Bistum Trier mit, dass Bischof Ackermann wegen der Anschuldigungen, die noch nicht entkräftet werden konnten, das Seligsprechungsverfahren ausgesetzt habe; das Bistum werde das Verfahren nicht aktiv fortführen. Nötig sei zunächst eine vertiefte externe Forschung zu Person und Wirken von Josef Kentenich. Das auf den 3. Mai datierte Dekret über die Aussetzung des Seligsprechungsverfahrens für Pater Josef Kentenich wurde zwei Monate später im Wortlaut veröffentlicht. Der Postulator Aguirre führte die Entscheidung des Bistums auf den öffentlichen Druck zurück und wehrte sich noch im Herbst 2022 öffentlich gegen die Vorwürfe. In einer Predigt zum 54. Todestag Kentenichs zeigte er sich überzeugt, dass der Schönstatt-Gründer voll entlastet und das Seligsprechungsverfahren künftig wiederaufgenommen werden könne.

Rezeption und Denkmäler

Bronzestatue des Gründers neben einem Kapellchen
Kentenich-Statue (im Garten des ehemaligen Weidtmanschen Schlösschens in Koblenz)

Literatur

Commons: Joseph Kentenich – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Dorothea M. Schlickmann: Die verborgenen Jahre. S. 21. Erst nach dieser Veröffentlichung scheint sich auch in Schönstattkreisen der 16. November gegenüber dem bis dahin in der Öffentlichkeit genannten, aber offensichtlich falschen 18. November als Geburtsdatum durchgesetzt zu haben. In ihrer 2019 im Herder-Verlag erschienenen Kentenich-Biografie schildert die Schönstätter Marienschwester Dorothea M. Schlickmann die Hintergründe für die Diskrepanz (S. 14): „Wenn man im Taufregister der St.-Kunibertus-Pfarrei nachschlägt, findet man unter dem Namen Peter Josef Kentenich als Geburtsdatum den 18. November 1885. Das ist jedoch eine falsche Eintragung. In Gymnich feierte man in den vorausgehenden Tagen die Kirmes so ausgiebig, dass mit dem Pferdewagen kein Durchkommen war, um zur Meldebehörde im benachbarten Lechenich zu gelangen. Eine Galerie von Kirmesbuden versperrte die Einfahrt und die Hauptstraße bis zur Kirche. Da aber im preußischen Staat strenge Meldepflicht herrschte, hatte man auf dem Bürgeramt von Lechenich kurzerhand das Meldedatum als Geburtstag eingetragen. Das kam damals häufiger vor.“ Wenn Schlickmann in Die verborgenen Jahre (S. 23) schreibt, dass außer Kentenich selbst auch „seine Mutter und alle übrigen Verwandten einschließlich [sic] der Schönstattfamilie zeitlebens am 16. November als Geburtstag festhielten“, entspricht dies insofern nicht den Tatsachen, als zum einen der 18.11.1885 über viele Jahre hinweg sogar an Kentenichs Sarkophag als Geburtsdatum angegeben war, zum anderen praktisch alle bis dahin, zum Teil aber auch noch die später erschienenen biografischen Schriften dieses Datum als Geburtstag nennen.
  2. ↑ Andere Schreibweisen: Mattias, Mathias.
  3. ↑ Andere Schreibweise (z. B. in Schlickmann 2007, 2019): Koep.
  4. ↑ Schlickmann, Die verborgenen Jahre, 2007, S. 25.
  5. ↑ Schlickmann (2007: S. 27, 2019: S. 15) und Feldmann (S. 9) zufolge betrug der Altersunterschied zu Katharina Kentenich sogar 22 Jahre.
  6. ↑ Geburtenbuch Standesamt Binsfeld Nr. 41/1841.
  7. ↑ Schlickmann 2007, S. 26.
  8. ↑ Sterbebuch Standesamt Binsfeld Nr. 10/1931.
  9. ↑ Joachim Schmiedl: Kentenich, Pater Joseph, in: Hubertus Brantzen u. a. (Hrsg.): Schönstatt-Lexikon: Fakten – Ideen – Leben. 2., unveränderte Auflage, Patris, Vallendar 2002, S. 191–196, hier: S. 191–192; ISBN 3-87620-195-0. Online: https://www.j-k-i.de/lexikon/kentenich-pater-joseph/ Zur genannten Krise und ihrer Überwindung auch: Herbert King, Der Mensch Joseph Kentenich. Patris-Verlag, Vallendar-Schönstatt 1996. ISBN 3-87620-192-6.
  10. ↑ Joachim Schmiedl: Schönstatt, Ort, in: Schönstatt-Lexikon, S. 347–350, hier: S. 348. Online: https://www.j-k-i.de/lexikon/schoenstatt-ort/
  11. ↑ Schmiedl, Kentenich, S. 192.
  12. ↑ Schmiedl, Kentenich, S. 192–193.
  13. ↑ Detlev Stummeyer, Ute Stummeyer: Paul Bosse. Seine Klinik in Wittenberg. Unerwünschte Wahrheitssuche. Darin das Kapitel Die standhaften Marienschwestern und die Bosse-Klinik. S. 140–166.
  14. ↑ Schmiedl, Kentenich, S. 193.
  15. ↑ Wolfgang Müller: Internationale, in: Schönstatt-Lexikon, S. 175-177. Online: https://www.j-k-i.de/lexikon/internationale/
  16. ↑ Geschichte. In: schoenstatt-marienbrueder.de. Abgerufen am 30. Oktober 2020. Dietger M. Kuller: Schönstatt-Institut Marienbrüder, in: Schönstatt-Lexikon, S. 356–357 - online: https://www.j-k-i.de/lexikon/schoenstatt-institut-marienbrueder/
  17. ↑ Unser Instituto. Die Vision. Abgerufen am 13. März 2021 (deutsch, spanisch, portugiesisch, tschechisch, englisch, polnisch). Fritz und Martha Körner: Institut der Schönstattfamilien, in: Schönstatt-Lexikon, S. 175 - online: https://www.j-k-i.de/lexikon/institut-der-schoenstattfamilien/
  18. ↑ Priska Volk: Säkularinstitut Frauen von Schönstatt, in: Schönstatt-Lexikon, S. 338–339. Online: https://www.j-k-i.de/lexikon/saekularinstitut-frauen-von-schoenstatt/
  19. ↑ Joachim Schmiedl: Oktoberwoche, in: Schönstatt-Lexikon, S. 285; online: https://www.j-k-i.de/lexikon/oktoberwoche/
  20. ↑ Dem US-amerikanischen Schönstattpater Jonathan Niehaus (1960-2012) zufolge waren dies Arkansas, Florida, Indiana, Illinois, Iowa, Maryland, Michigan, Minnesota, Nebraska, New Jersey, New York, North Dakota, South Dakota, Texas, West Virginia, Wisconsin und der „District of Columbia“, sehr wahrscheinlich auch Ohio und Pennsylvania. Josef Kentenich, Philosophie der Erziehung. Prinzipien zur Formung eines neuen Menschen- und Gemeinschaftstyps. Bearbeitet von Herta Schlosser. Schönstatt-Verlag, Vallendar, 2. Auflage 1993, S. 25.
  21. ↑ P. Niehaus zufolge soll Reichenberger Kentenich sogar „einige Wochen“ lang auf seiner Reise, die ihn in dieser Zeit nach St. Paul und an andere Orte in Nebraska (z.B. Omaha mit Boys Town), durch Nord- und Süd-Dakota sowie nach Milwaukee, Chicago und Detroit führte, begleitet haben. In Detroit sollen sie sich dann mit P. Coughlin getroffen haben: Joseph Kentenich, America Report. Reflections and Observations from His First Visit to the United States, June-September 1948. Excerpts translated and annotated by Fr. Jonathan Niehaus. Waukesha 1997, S. 20 Fn. 20; zum Treffen mit P. Coughlin: ebd. S. 19-21.
  22. ↑ Vgl. Übersetzung der Chronologie der Reise sowie des Inhaltsverzeichnisses des Forschungsberichts Visit to America. Father Kentenich's Travels in the United States 1948 (Waukesha, WI 1990; Neuauflage 1999) von P. Jonathan Niehaus, in: Josef Kentenich, Philosophie der Erziehung, S. 25–29; von Joachim Söder aktualisierte und ergänzte Auflage 2012, S. 19 u. S. 119 Fn. 151.
  23. ↑ Joachim Schmiedl: Stein, Bernhard, in: Hubertus Brantzen u. a. (Hrsg.): Schönstatt-Lexikon: Fakten – Ideen – Leben. 2., unveränderte Auflage, Patris, Vallendar 2002, S. 384; ISBN 3-87620-195-0. Online: https://www.j-k-i.de/lexikon/stein-bernhard/
  24. ↑ Dorothea M. Schlickmann: Josef Kentenich. S. 245 ff.
  25. ↑ Joachim Schmiedl: Schönstatt, Geschichte, in: Schönstatt-Lexikon, S. 342–347. Online: https://www.j-k-i.de/lexikon/schoenstatt-geschichte/
  26. ↑ Nähere Informationen in Dorothea M. Schlickmann: Josef Kentenich. S. 226–265, 276ff.
  27. ↑ Exklusiv: Dokumente bezichtigen Pater Kentenich des sexuellen Missbrauchs. In: die-tagespost.de. 1. Juli 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
    Felix Neumann: Missbrauchsverdacht gegen Kentenich: „Die Wahrheit muss ans Licht“. In: katholisch.de. 8. Juli 2020, abgerufen am 10. Juli 2020 (Interview mit Alexandra von Teuffenbach).
  28. ↑ Schönstatt – Stellungnahme zu Missbrauchsvorwürfen gegen P. Josef Kentenich. In: schoenstatt.de. Abgerufen am 3. Juli 2020.
  29. ↑ Felix Neumann: Historikerin hält an Missbrauchsverdacht gegen Kentenich fest. In: katholisch.de. 6. Juli 2020, abgerufen am 26. Oktober 2020.
  30. ↑ Auch Schmiedl (Kentenich, S. 195) interpretiert die Papstaudienz Kentenichs als De-facto-Rehabilitierung: „Am 22. Dezember 1965 hatte er eine Audienz bei Paul VI. Damit war P. Kentenich rehabilitiert. Er durfte nach Schönstatt zurückkehren und seine früheren Ämter als Gründer wieder ausüben.“
  31. ↑ Alexandra von Teuffenbach: Ratzinger: Kentenich wurde nicht rehabilitiert. In: Die Tagespost. Nr. 32, 2020.
  32. ↑ Alexander Pitz: Historikerin über Kentenich: „Es ist noch lange nicht alles bekannt“. In: katholisch.de. 4. Mai 2022, abgerufen am 4. Mai 2022 (Interview mit Alexandra von Teuffenbach).
  33. ↑ Felix Neumann: Aussagen von Betroffenen und Zeugen belasten Schönstatt-Gründer schwer. Kentenich und seine Schwestern: „Vater darf das“. In: katholisch.de. 26. Oktober 2020, abgerufen am 26. Oktober 2020.
    Neue Dokumente zu Schönstatt-Gründer Kentenich veröffentlicht: Machtmissbrauch und Manipulation. In: domradio.de. 26. Oktober 2020, abgerufen am 26. Oktober 2020.
  34. ↑ Felix Neumann: Teuffenbach widerspricht Schönstatt: Dokumentation nicht „einseitig“. In: katholisch.de. 2. November 2020, abgerufen am 3. November 2020.
  35. ↑ Felix Neumann: Schönstatt-Generalpräsidium: „Wir haben keine Angst vor der Wahrheit“. In: katholisch.de. 26. Oktober 2020, abgerufen am 31. Oktober 2020.
  36. ↑ Aleja Slaughter, Bernd Biberger: Rechtliche Schritte gegen die Buchveröffentlichung von Dr. Alexandra von Teuffenbach. In: schoenstatt.de. 6. März 2021, abgerufen am 24. März 2021.
    Kritisches Buch über Kentenich beschäftigt die Justiz: Schönstatt-Bewegung kommt nicht zur Ruhe. In: domradio.de. 7. März 2021, abgerufen am 24. März 2021.
  37. ↑ Felix Neumann: Causa Kentenich: Bischof setzt Experten statt Historikerkommission ein. In: katholisch.de. 5. März 2021, abgerufen am 31. Oktober 2020.
  38. 1 2 3 Kentenich: Historikerin fordert von Bistum Trier umfassende Aufklärung. In: katholisch.de. 23. März 2021, abgerufen am 24. März 2021.
  39. ↑ Felix Neumann: Ackermann: Neuer Missbrauchsvorwurf gegen Kentenich wird untersucht. In: katholisch.de. 10. März 2021, abgerufen am 31. Oktober 2020.
  40. 1 2 Seligsprechungsverfahren für Pater Kentenich ausgesetzt. In: schoenstatt.org. 3. Mai 2022, abgerufen am 12. August 2022 (Mit Stellungnahmen von Bf. Ackermann und Schönstatt Generalpräsidium).
  41. ↑ Felix Neumann: Ehemaliger Kentenich-Postulator: Es gab kein Rehabilitierungs-Dekret. In: katholisch.de. 15. Juli 2020, abgerufen am 12. August 2020.
  42. ↑ Juan Pablo Catoggio: P. Eduardo Aguirre neuer Postulator des Seligsprechungsprozesses von Pater Josef Kentenich. Schönstattbewegung, 12. Dezember 2016, abgerufen am 30. Oktober 2022.
  43. ↑ Felix Neumann: Bischof Ackermann setzt Kentenich-Seligsprechung vorerst aus. In: katholisch.de. 3. Mai 2022, abgerufen am 3. Mai 2022.
  44. ↑ Felix Neumann: Postulator hält Kentenich-Seligsprechung weiter für möglich. In: katholisch.de. 28. Oktober 2022, abgerufen am 30. Oktober 2022.
  45. ↑ Verzeichnis lieferbarer Bücher. Verlag der Buchhändler-Vereinigung, 1986, S. 3375 (google.at [abgerufen am 4. Juni 2025]).
  46. ↑ Die 100 größten Deutschen oder: Ranking ohne Ende ZDF-Ranking. In: klartextsatire.de. 28. November 2003, abgerufen am 12. April 2019 (nach zdf.de).
  47. ↑ Christian Feldmann: Gottes sanfter Rebell: Joseph Kentenich und seine Vision von einer neuen Welt. Patris-Verl, Vallendar-Schönstatt 2005, ISBN 978-3-87620-279-2.
  48. ↑ Maria Fischer: Pater-Kentenich-Statue für Polen. 8. Oktober 2013, abgerufen am 4. Juni 2025 (deutsch).