Paul Baumstark

Schwarz-weiß-Foto des Oberkörpers einer Person mit Hut.
Paul Baumstark auf der Jagd in Ostafrika, um 1907

Paul Feodor Baumstark (* 12. August 1869 in Waldshut; † 27. Mai 1936 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Offizier, der in der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika diente und auch als Kolonialbeamter tätig war. Im Ersten Weltkrieg war er an der Verteidigung von Tanga beteiligt.

Leben

Baumstark war der Sohn des badischen Rechtsanwalts Adolf Baumstark. Er begann seine militärische Laufbahn im 1. Lothringischen Feld-Artillerie-Regiment Nr. 33 in Saint-Avold bei Metz. Im Wintersemester 1896/1897 besuchte er das Seminar für Orientalische Sprachen in Berlin. Am 21. September 1897 wechselte er als Sekondeleutnant zur kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika.

Vorkriegszeit in Deutsch-Ostafrika

Baumstark war zunächst an verschiedenen Militär- und Verwaltungsstandorten tätig, darunter Kondoa, Mpwapwa und Tanga. Im Mai 1900 wurde er zum Oberleutnant befördert. Von 1901 bis 1904 leitete er den Militärposten in Schirati am Ostufer des Viktoriasees nahe der Grenze zu Kenia. Während dieser Zeit führte er im September 1901 eine sogenannte Strafexpedition gegen Mitglieder der Volksgruppe der Massai durch. Zudem wurde von Gefechten Baumstarks gegen die Wassanaki im Hinterland von Schirati im Herbst 1903 berichtet. Diese Unternehmungen waren Teil der gewaltsamen Durchsetzung der deutschen Kolonialherrschaft.

Im Mai 1905 übernahm Baumstark die Leitung des Militärbezirks Muansa. Im folgenden Jahr war er dort auch als Bezirksamtmann tätig. Weitere Verwendungen führten ihn unter anderem nach Daressalam, Lindi und Tabora. Im Juli 1907 wurde er zum Hauptmann befördert. Zu seinen Aufgaben gehörten sowohl die militärische Führung als auch die Verwaltung kolonialer Bezirke. Laut einer zeitgenössischen Quelle war er dabei für die Zwangsumsiedlung von „zehn angesehene[n] Eingeborene[n]“ auf die Insel Kwale verantwortlich.

Kriegsteilnahme und Schlacht bei Tanga

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Baumstark erneut für die Schutztruppe herangezogen. Mit Stand vom 31. Juli 1914 leitete er das Rekrutendepot in Daressalam. Danach befehligte er das aus Kriegsfreiwilligen bestehende Bataillon Baumstark, das in der Schlacht bei Tanga eingesetzt wurde. Nach anfänglichem Zögern führte Baumstark den Aufmarsch der eintreffenden Truppen entlang der Usambarabahn bis auf wenige Kilometer an Tanga heran. Seine Führung zu Beginn der Schlacht wird als unentschlossen und unsicher beschrieben. Zeitweise stoppte er den Aufmarsch, um Befehle abzuwarten, obwohl Tanga zu diesem Zeitpunkt feindfrei war, weshalb ihm mangelnde Eigeninitiative vorgeworfen wurde. Danach war er an der Verteidigung der Stadt gegen britische und indische Truppen beteiligt, die im Rahmen einer Landungsoperation angriffen. Zunächst eine Reservestellung hinter dem deutschen rechten Flügel einnehmend, ging Baumstark am 4. November 1914 schlussendlich mit seinen Kräften zum Angriff über. Dies trug dazu bei, dass die Truppen des Empires zurückgeschlagen wurden. Am 27. Januar 1915 wurde er zum Major befördert. Zur Jahresmitte 1915 befand sich Baumstark an der Nordgrenze Deutsch-Ostafrikas und befehligte zwei Kompanien sowie zwei Landsturm- und eine Artillerieabteilung.

Gefangenschaft und Zwischenkriegszeit

Im Frühjahr 1916 erkrankte Baumstark und wurde im Feldlazarett von Korogwe behandelt. Im Juni desselben Jahres geriet er dort in britische Kriegsgefangenschaft. Im August 1916 befand er sich in Nairobi und später in Ahmednagar, Britisch-Indien. Nach dem Ende des Krieges und dem Verlust der deutschen Kolonien kehrte er nach Deutschland zurück. Am 31. März 1920 wurde er als Oberstleutnant endgültig aus dem Militärdienst verabschiedet. Anschließend lebte er in Freiburg-Günterstal. In den 1930er-Jahren war er Mitglied im Verein ehemaliger Offiziere der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika.

Familie und Nachlass

Baumstark war seit dem 22. Juli 1907 mit Hilde Baumstark, geborene Doll, aus Karlsruhe verheiratet. Aus einer Todesanzeige in der Freiburger Zeitung vom 30. Mai 1936 geht hervor, dass auch eine Tochter, Freya Baumstark, zu den Hinterbliebenen zählte.

Aus Baumstarks Nachlass gelangten Gegenstände in die Völkerkundliche Sammlung der Stadt Freiburg. Im Jahr 1950 schenkte seine Witwe dem Museum knapp 20 Speere und Speerspitzen, deren Herkunft im Inventarbuch mit „ehem. Deutsch-Ostafrika“ angegeben wurde. Die Objekte sind ein Zeugnis der ethnologischen Sammlungen, die im Zusammenhang mit der deutschen Kolonialherrschaft nach Europa gelangten. Zu seinem Nachlass zählt zudem eine Variante der Reichskriegsflagge.

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Ohne Verfasser: Tagesneuigkeiten. Baden. In: Durchlacher Wochenblatt, Ausgabe Nr. 140 vom 29. Oktober 1897, S. 1 (Digitalisat).
  2. ↑ Eduard Sachau: Denkschrift über das Seminar für Orientalische Sprachen an der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin von 1887 bis 1912. Kommissionsverlag von Georg Reimer, Berlin 1912, S. 70.
  3. ↑ Ernst Nigmann: Geschichte der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika. Mittler, Berlin 1911, S. 64, 88.
  4. ↑ Ohne Verfasser: Deportation von Strafgefangenen. In: Koloniale Zeitschrift, 8. Jahrgang (1907), Heft Nr. 12, 6. Juni 1907, S. 229.
  5. Werner Haupt: Die deutsche Schutztruppe 1889/1918. Auftrag und Geschichte. Nebel, Utting 2001, ISBN 978-3-89555-032-4.
    1. ↑ S. 77
    2. ↑ S. 82
  6. ↑ Ross Anderson: The Battle of Tanga 1914. Tempus, Stroud (Gloucestershire) 2002, ISBN 978-0-7524-2349-4, S. 131.
  7. ↑ Reinhard K. Lochner: Kampf im Rufiji-Delta – Das Ende des Kleinen Kreuzers »Königsberg«. Die deutsche Marine und Schutztruppe im Ersten Weltkrieg in Ostafrika. Heyne, München 1987, ISBN 978-3-453-02420-5, S. 159 ff.
  8. 1 2 Sönke Clasen: Die Angehörigen der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Ein biographisches Verzeichnis. BoD, Norderstedt 2021, ISBN 978-3-7526-9034-7, S. 34.
  9. ↑ Ohne Verfasser: Standesbuch-Auszüge. In: Karlsruher Tagblatt, Ausgabe Nr. 203 vom 24. Juli 1907, S. 2 (Digitalisat).
  10. ↑ Jörg M. Karaschewski: Die Geschichte der Reichskriegsflaggen. BoD, Norderstedt 2017, ISBN 978-3-7448-6832-7, S. 31.
  11. ↑ Ohne Verfasser: Staatsanzeiger. In: Karlsruher Zeitung. Ausgabe Nr. 349 vom 20. Dezember 1916, S. 1 (Digitalisat).
Personendaten
NAME Baumstark, Paul
ALTERNATIVNAMEN Baumstark, Paul Feodor (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Offizier
GEBURTSDATUM 12. August 1869
GEBURTSORT Waldshut
STERBEDATUM 27. Mai 1936
STERBEORT Freiburg im Breisgau