
Paul Marie Bolo „Pascha“, geboren 24. September 1867 in Marseille; gestorben 17. April 1918 in Paris (hingerichtet), war ein französischer Abenteurer und Hochstapler, der während des Ersten Weltkriegs mit deutschem Geld französische Zeitungen kaufte und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt wurde.
Sein Vater Claude Bolo führte das bescheidene Leben eines Notariatsangestellten. Die Familie hatte vier Kinder. Der ältere Sohn, Henri Bolo, war ein zu seiner Zeit bekannter Priester und Autor. Die beiden Schwestern führten ein unauffälliges Leben.
Paul verliess die Schule vor dem Abschluss, man attestierte ihm „Einfallsreichtum“. Er war „groß, blond, schlank, elegant, mit einem seidigen Schnurrbart, einem sanften Blick und einer unerschöpflichen Redseligkeit“. Er führte ein unstetes Leben in Frankreich, Spanien und Südamerika, lancierte sich in verschiedenen geschäftlichen Aktivitäten und pflegte verschiedene Frauenbeziehungen. In Argentinien heiratete er im April 1894 die Sängerin Henriette Soumaille, die er zuvor in Frankreich kennengelernt hatte, und lebte von ihren Gagen. Zwischen 1896 und 1902 verliert sich jede Spur von ihm. Erst im November 1902 wird er wieder aktenkundig, als Inhaber einer Agentur für Wein- und Spirituosenhandel in Lyon.
1905 heiratete Paul Bolo – ohne von Soumaille geschieden worden zu sein – Pauline Muller, die Witwe eines reichen Weinhändlers. Dank ihrem Vermögen gelingt ihm der Aufstieg in die angesehene Pariser Gesellschaft, in seiner Wohnung in der Rue de Phalsbourg und in der Villa Velleda in Biarritz verkehren Banquiers, Richter und Politiker. Insbesondere mit Joseph Caillaux verband ihn eine enge Freundschaft.
Im Sommer 1914 lernte Bolo auf Vermittlung des ägyptischen Banquiers Yussuf Saddik den ägyptischen Khediven Abbas Hilmi II. kennen. Der Kriegsausbruch Anfang August 1914 verhinderte ein grosses Geschäft, die Erneuerung der Konzession des Suezkanals, mit welchem der Khedive Bolo betrauen wollte und das Bolo eine Provision in Millionenhöhe hätte einbringen sollen. Der Khedive verlieh Bolo den Ehrentitel „Pascha“. Die beiden trafen sich mit wechselnder Begleitung mehrfach zuerst in Italien, später in der Schweiz. Der Khedive suchte eine politisch einflussreiche Rolle, während Bolo an möglichen Provisionsgeldern interessiert war. Bezeugt ist ein Treffen im Zürcher Grand Hotel Viktoria im März 1915. Daran nahm seitens Deutschland der Reichstagsabgeordnete Matthias Erzberger teil, das deutsche Auswärtige Amt war informiert. Auf diesem Weg wurden deutsche Gelder freigemacht, mit denen Bolo französische Zeitungen kaufen sollte. Schliesslich konnten die untersuchenden Behörden hohe Zahlungen nachweisen, die teils über die Schweiz, teils über New York zunächst auf die Konten Bolos und dann an drei grössere Zeitungen in Paris geflossen waren, unter anderem an Le Bonnet rouge und Le Journal.
Der Prozess begann am 4. Februar 1918 vor dem 3. Conseil de Guerre in Paris. Am 14. Februar wurde Bolo zum Tode verurteilt, ein Gnadengesuch lehnte Präsident Raymond Poincaré ab. Das Urteil wurde am 17. April 1918 durch Erschiessen vollzogen.
| Personendaten | |
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| NAME | Bolo, Paul |
| ALTERNATIVNAMEN | Bolo, Paul Marie |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Abenteuerer und Hochstapler |
| GEBURTSDATUM | 24. September 1867 |
| GEBURTSORT | Marseille |
| STERBEDATUM | 17. April 1918 |
| STERBEORT | Paris (hingerichtet) |