Paul Friedrich Scheffler (* 23. April 1895 in Wismar; † 29. September 1985 in Berlin) war ein deutscher Rechtsanwalt und Politiker (LDPD, FDP).
Paul-Friedrich Scheffler besuchte die Bürgerschule, das Gymnasium in Wismar und nahm ein Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Jena und Rostock auf. Er war Mitglied der Landsmannschaft Hercynia Jena (seit 1914) und Landsmannschaft Teutonia Rostock. Nach dem ersten juristischen Examen wurde er 1926 an der Universität Rostock zum Dr. jur. promoviert. Scheffler war nach dem zweiten Examen zunächst für eine Bank tätig, bevor er sich ab 1931 als Rechtsanwalt und Notar in Rostock niederließ. Politisch stand er der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) nahe.
Als Rechtsanwalt vertrat Scheffler während des Zweiten Weltkrieges einen Angehörigen des Rostocker Heinkel-Werkes, der aus politischen Gründen vor einem Sondergericht angeklagt wurde. Ab 1943 musste Scheffler beim Kriegsschädenamt in Rostock „Kriegsaushilfe“ leisten, konnte jedoch der Verteidigung seiner Mandanten nachkommen. 1944 erhob der Präsident des Oberlandesgerichts Rostock „erhebliche Bedenken“ bezüglich Schefflers „charakterlicher und politischer Beziehung“.
Scheffler überstand das Kriegsende und wurde von der Sowjetischen Militäradministration zunächst als unbelastet eingestuft. Er beteiligte sich am Wiederaufbau der Liberal-Demokratischen Partei (LDP). Im November 1945 gründete er die Ortsgruppe der LDP in Rostock und war deren Vorsitzender bis zum November 1946. Ab Juli 1946 führte er auch den Kreisverband Rostock. In der Zeit wurde seine Wohnung zur Anlaufstelle von liberalen Gleichgesinnten, zu denen auch der Jungpolitiker Arno Esch gehörte. Schefflers Neffe Hans-Ulrich Schwarz, seit Februar 1946 LDP-Mitglied, studierte mit Esch Rechtswissenschaften an der Universität Rostock. Vermutlich machte er Scheffler und Esch miteinander bekannt. In den kommenden Wahlkämpfen arbeiteten Scheffler und Esch für die LDP zusammen. Scheffler unterstützte die liberale Studentengruppe und hielt im Dezember 1946 einen Vortrag an der Universität Rostock zum Thema „Was verstehen wir unter Demokratie?“.
Bei den Kommunal- und Landtagswahlen 1946 erhielt Scheffler ein Mandat für die Stadtvertretung und den Landtag. Die LDPD-Landtagsfraktion wählte Scheffler schließlich im November 1946 zum Fraktionsvorsitzenden, zudem gehörte er von Juli 1946 bis Dezember 1948 dem Zentralvorstand der LDPD in Berlin an. Im Landtag trat Scheffler für eine rechtsstaatliche Entwicklung in der Sowjetischen Besatzungszone ein und zog damit den Unmut der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) auf sich. Im Namen der LDPD-Fraktion stellte er beispielsweise 1947 den Antrag, in der Landesverfassung neben der Rassenhetze auch Klassenhetze zu verbieten. 1947 übernahm Scheffler als Rechtsanwalt die Verteidigung für den SED-Stadtrat und das ehemalige SPD-Mitglied Hans Griem. Griem wurde unter Protest der Rostocker Bevölkerung in einem Schauprozess zu einer hohen Haftstrafe verurteilt, weil er angeblich seine Aufsichtspflicht über die Rostocker Bäckereien verletzt habe. Scheffler bestellte als Rechtsverteidiger Sachverständige ein, die Griems Unschuld beweisen konnten. Scheffler wandte sich zudem gegen die willkürliche Enteignung aller Kinobesitzer im Lande und wurde im November 1947 ohne Aufhebung der parlamentarischen Immunität verhaftet. Nach Natalja Jeske habe ein Polizeioberst Scheffler auf Grundlage der Kontrollratsdirektive Nr. 38 angeklagt und ihm vorgeworfen, Scheffler hätte ihn 1939 bei der Gestapo denunziert. Abweichend beschreibt Horst Köpke, Scheffler sei als Kriegsgewinnler angeklagt worden, da er von dem Flugzeugproduzenten Heinkel als Rechtsvertreter ein hohes Honorar erhalten habe. Beide stimmen überein, dass die Anklage von der Sowjetischen Militäradministration politisch motiviert war und Schefflers politische Karriere beenden sollte. Den Fraktionsvorsitz übernahm in seiner Abwesenheit der LDPD-Abgeordnete Friedrich Stratmann. Nach neun Monaten in Untersuchungshaft wurde Scheffler wegen mangelnder Beweise im Juli 1948 entlassen und freigesprochen. Kurz nach seiner Haftentlassung flüchtete er nach West-Berlin. Im November 1948 wurde ihm nach seiner Flucht in den Westen das Landtagsmandat aberkannt.
Scheffler engagierte sich 1949 zunächst ehrenamtlich in der „Flüchtlingsbetreuung Ost“ des FDP-Landesverbandes Berlin. Er avancierte zur Anlaufstelle für zahlreiche LDP-Mitglieder, die nach West-Berlin flüchteten. Nach der Verhaftung Arno Eschs im Oktober 1949 betreute er Eschs geflüchtete Freunde. Hierzu zählte beispielsweise der spätere Generalsekretär der FDP Karl-Hermann Flach. Im Januar 1950 übernahm Scheffler eine Festanstellung als Leiter der Berliner Dienststelle des Ostbüros der FDP. Auf Scheffler ging der „Ärztliche Beratungsdienst“ des Berliner FDP-Ostbüros zurück. Die ärztliche Beratungsstelle war für Flüchtlinge, aber auch für Ostberliner und DDR-Bürger gedacht, um die medizinische Versorgung zu verbessern. Neben der Flüchtlingsversorgung hielt er auch Kontakt zur LDP und zu liberalen Kreisen in der DDR. Als Folge seiner Arbeit im FDP-Ostbüro und aufgrund seines Rostocker Hintergrundes nahm ihn das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ins Visier. Das MfS setzte Klaus Lamprecht alias GI Leo, einen Bekannten Arno Eschs, auf Scheffler an. Lamprecht sollte vortäuschen, als politischer Flüchtling die DDR verlassen zu wollen, und Informationen über Scheffler beschaffen.
Bei der Wahl 1950 wurde Scheffler in das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt. Auch bei der folgenden Wahl 1954 wurde er in das Parlament gewählt, schied aber im Februar 1955 aus, da ihn die Bezirksverordnetenversammlung im Bezirk Tempelhof zum Bezirksstadtrat für Finanzen gewählt hatte. Mit dem Ende der Legislaturperiode 1959 schied er aus dem Amt.
Scheffler trat 1959 aus der FDP aus. Nach Horst Köpke war Scheffler betont national eingestellt und verließ die FDP, weil sie ihm zu weit nach links gerückt war.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Scheffler, Paul Friedrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Scheffler, Paul |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Rechtsanwalt und Politiker (LDPD, FDP), MdA |
| GEBURTSDATUM | 23. April 1895 |
| GEBURTSORT | Wismar |
| STERBEDATUM | 29. September 1985 |
| STERBEORT | Berlin |