Paul Kramer

Matthias Paul Kramer (* 3. Dezember 1842 in Berlin; † 30. Oktober 1898 in Magdeburg) war ein deutscher Pädagoge, Provinzialschulrat und Biologe.

Herkunft und Ausbildung

Sein Vater war der Gymnasialdirektor Gustav Kramer aus Halberstadt, seine Mutter war Pauline Ritter (1817–1877) aus Frankfurt am Main, eine Nichte des Geographen Carl Ritter. Ostern 1853 zog er mit seinen Eltern und Geschwistern nach Halle an der Saale, wo sein Vater Direktor der Franckeschen Stiftungen wurde. Er besuchte das Pädagogium der Stiftungen bis zum Abitur Ostern 1861. Anschließend studierte er Mathematik, Philosophie und Naturwissenschaften in Halle, Göttingen und Berlin. Während seines Studiums wurde er 1861 Mitglied der Schwarzburgbund-Verbindung Tuiskonia Halle. 1864 nahm er am Deutsch-Dänischen Krieg teil und lernte bei dieser Gelegenheit in Lübeck seine zukünftige Frau kennen. 1865 wurde er an der philosophischen Fakultät der Universität Halle promoviert.

Der Pädagoge

Kramer übernahm 1866 eine Stelle als Adjunkt (Hilfslehrer) am Gymnasium in Schulpforta. Im selben Jahr musste er Dienst im Deutschen Krieg leisten. Ab 1868 war er Mathematiklehrer am Gymnasium in Schleusingen. 1870 wurde er zum dritten Mal einberufen und nahm im Deutsch-Französischen Krieg an der Belagerung der Festung Phalsbourg/Pfalzburg in Lothringen teil. Am 27. Dezember 1872 heiratete er in Lübeck Marie Breier (1843–1919), Tochter des Johann Friedrich Breier aus Eutin, Direktor des Katharineums in Lübeck, und der Margaritha Thormann (1817–1879) aus alter Berner Familie. Ostern 1879 wurde er Oberlehrer an der Latina der Franckeschen Stiftungen in Halle, die bis 1878 von seinem Vater geleitet worden waren. 1884 wurde er zum Rektor des Realgymnasiums der Stiftungen ernannt. Im Sommer 1891 wurde er wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Provinzialschulkollegium in Magdeburg, er zog mit seiner Familie dorthin um. Zu Beginn des Winterhalbjahres 1892 folgte seine Ernennung zum Provinzialschulrat.

Der Naturwissenschaftler

Neben seiner Lehrtätigkeit betrieb Kramer eingehende naturwissenschaftliche Forschungen. 1875 erschienen erste Veröffentlichungen über Milben (Acari). Er beschrieb als erster die Gattung Aturus und weitere Arten und Gattungen. 1877 leistete er einen Beitrag zu einer neuen Systematik der Wassermilben (Hydrachnellae). Im Rahmen seiner Milbenforschung befasste er sich ab 1883 mit der Auswertung von Sammelergebnissen verschiedener Expeditionen nach Afrika und in die Arktis. Teile seiner Originalsammlung befinden sich im Zoologischen Museum in Berlin (Viets).

Nach seinem Tod kehrte seine Familie nach Halle zurück. Von den fünf Kindern starben zwei Töchter früh. Sein Sohn Gustav Kramer (1877–1915) war Amtsrichter, sein Sohn Johannes Kramer (1885–1915) war Kunsthistoriker und ab 1912 beim Aufbau der Bibliotheca Hertziana in Rom tätig. Beide Söhne fielen 1915 kurz nacheinander im Ersten Weltkrieg in Litauen bzw. Polen. Die einzige überlebende Tochter Maria Kramer (1879–1936) heiratete den Pfarrer Wilhelm Fries (1878–1952), einen Sohn des Direktors der Franckeschen Stiftungen Wilhelm Fries.

Werke

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

(Zum Teil nach Ausrissen im Nachlass des Verfassers, unvollständige Quellenangaben wurden soweit möglich ergänzt)

(Außerdem zahlr. Besprechungen im Zool. Centralblatt)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Leopold Petri (Hrsg.): Mitgliederverzeichnis des Schwarzburgbundes. Vierte Auflage, Bremerhaven 1908, S. 154, Nr. 259.