Paul R. Ehrlich

Paul R. Ehrlich (Juni 2008)

Paul Ralph Ehrlich (* 29. Mai 1932 in Philadelphia, Pennsylvania; † 13. März 2026 in Palo Alto, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Biologe und Professor für Biologie an der Stanford-Universität. Er war ein weltweit renommierter Entomologe mit dem Spezialgebiet Schmetterlinge. Er war ebenso bekannt als Forscher und Autor im Themenbereich Überbevölkerung. Sein h-Index gemäß Google Scholar beträgt 165 (Stand März 2026).

Ausbildung

Ehrlich erreichte seinen B.A. in Zoologie 1953 an der University of Pennsylvania, seinen M.A. 1955 und seinen Ph.D. 1957 an der University of Kansas. Während seiner Studien nahm er an Forschungsreisen über Insekten im Beringmeer und in der kanadischen Arktis teil. Während eines Stipendiums des National Institutes of Health untersuchte er die Genetik und das Verhalten von parasitischen Milben. 1959 wechselte er zur Fakultät in Stanford, wo er 1966 ordentlicher Professor für Biologie wurde.

Familie

Seit dem 18. Dezember 1954 war Paul Ehrlich mit Anne H. Ehrlich, geborene Fitzhugh Howland, Ökologin und Populationsbiologin, verheiratet. Gemeinsam verfasste das Paar mehrere Publikationen und erhielt etliche Auszeichnungen. Aus der Ehe stammt eine Tochter.

Akademische Aktivitäten

Ehrlich war Präsident am Center of Conservation Biology an der Stanford-Universität. Er war Mitglied der American Association for the Advancement of Science, der American Academy of Arts and Sciences, der National Academy of Sciences und der American Philosophical Society. Ehrlichs Forschungsgruppe in Stanford beschäftigte sich mit natürlichen Populationen der Skabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia). Zusammen mit Gretchen Daly arbeitete er auf dem Gebiet der Biogeografie. Er erforschte den Einfluss menschlicher Aktivitäten auf die Artenvielfalt. Ehrlich führte erweitere Basisforschung durch über Populationsbiologie und Ressourcen, wobei er sich auf gefährdete Arten, kulturelle Evolution, Umweltethik und auf die Bewahrung von genetischen Ressourcen konzentrierte.

Paul Ehrlich kooperierte mit Kollegen aus der Biologie, aber auch aus den Bereichen Ökonomie, Psychologie, Politikwissenschaften, Rechtswissenschaften und Sozialwissenschaften. Für viele seiner Fragestellungen wählte er einen interdisziplinären Ansatz.

Der Wissenschaft blieb Ehrlich bis ins hohe Alter treu. So publizierte er weiter wissenschaftliche Forschungsarbeiten in Fachzeitschriften, z. B. 2023 noch eine gemeinsam mit Gerardo Ceballos verfasste Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences.

The Population Bomb

Paul R. Ehrlich (1974)

Ehrlichs bekanntestes Buch ist das 1968 erschienene The Population Bomb (Die Bevölkerungsbombe). Es wurde auf Vorschlag von David Brower, damals der geschäftsführende Direktor des Sierra Club, als Fortsetzung eines Artikel im New Scientist im Dezember 1967 geschrieben. Im Artikel und im Buch sagte Ehrlich voraus, dass ungefähr zwischen 1970 und 1980 Hungersnöte in der Welt auftreten würden, da die Überbevölkerung die Ressourcen zu stark belaste, und bezeichnete es beispielsweise als Fantasie, dass Indien sich jemals selbst ernähren könne.

Ehrlich sagte voraus, dass die Sterberate in den 1970ern, an manchen Stellen auch in den 1980ern, massiv ansteigen würde, es würden Hunderte von Millionen Menschen verhungern. Diese Voraussage stellte sich als falsch heraus: Die Sterberate sank von 13 (pro 1.000 Menschen) im Zeitraum von 1965 bis 1974 auf 11 im Zeitraum von 1980 bis 1985 und weiter auf 10 von 1985 bis 1990; dieser Trend setzte sich fort und die Sterberate sank auf 9 von 2005 von 2010. Ehrlich hatte, wie er später einräumte, das Ausmaß von Hungersnöten überschätzt, tatsächlich waren zwischen 1968 und 2010 seiner Einschätzung nach vielleicht 300 Millionen Menschen verhungert. Ehrlich führte dies auf mittelfristige Erfolge der Grünen Revolution zurück, die er unterschätzt habe, die aber ihrerseits negative Auswirkungen auf die Umwelt habe. In einer Stellungnahme gegenüber dem Journalisten Dan Gardner (2010), der ihn für ein mangelndes Eingeständnis von Fehlern kritisierte, schrieb Ehrlich, dass er ohne konkreten Zeitrahmen vorausgesagt habe, dass der Welthunger nicht verschwinden würde.

Weitere Aktivitäten

Ehrlich war 1968 einer der Gründer von Zero Population Growth. Die Organisation, die sich für Wachstumskritik einsetzt, nennt sich seit 2002 Population Connection. Ihr Ziel ist vor allem, Aufmerksamkeit auf das Problem der Überbevölkerung zu lenken und entsprechenden Druck auf den Gesetzgeber auszuüben. Ehrlich und seine Frau Anne gehörten zum Beraterstab bei der Federation for American Immigration Reform bis 2003. Zusammen mit Stephen Schneider und zwei weiteren Autoren kritisierte er im Scientific American vom Januar 2002 Bjørn Lomborgs Buch The Skeptical Environmentalist.

Wette mit Julian L. Simon

1980 schloss Ehrlich mit dem Ökonomen und Zukunftsforscher Julian L. Simon eine öffentliche Wette ab. Simon forderte Ehrlich auf, ihm 5 Metallmengen im Werte von 1000 $ zu nennen, die, wie von Ehrlich und anderen angenommen, in absehbarerer Zeit knapper werden würden und damit auch deutliche Preissteigerungen zu erwarten hätten.

Ehrlich wählte Chrom, Kupfer, Nickel, Zinn und Wolfram in einem Zeitrahmen von 10 Jahren. Im September 1990 war aber der Gesamtpreis all dieser Metalle gefallen und Ehrlich bezahlte Simon den Differenzbetrag von 576,07 $. Ehrlich hätte auch verloren, wenn er in Benzin, Nahrungsmittel, Zucker, Kaffee, Baumwolle, Wolle oder Phosphate investiert hätte, denn alle diese Güter waren inflationsbereinigt billiger geworden.

Eine im Nachhinein durchgeführte Untersuchung auf Basis der realen Preisentwicklung der Rohstoffe ergab, dass Simon nur durch Glück gewonnen hatte. Bei Betrachtung aller möglichen Zeiträume von 1900 bis 2008 hätte Simon die Wette nur in 38,4 % aller Fälle gewonnen, während Ehrlich nicht nur häufiger gewonnen hätte, sondern auch mit einer großen Gewinnmarge. Tatsächlich sei der Zeitraum von 1980 bis 1990, in dem die Wette lief, einer der 15 schlechtesten während des gesamten Untersuchungszeitraums von 1900 bis 2008 gewesen. Entgegen der populären öffentlichen Meinung sei die Schlussfolgerung der Wette nicht, dass es Rohstoffmangel nicht gebe, sondern dass es beim Wetten besser sei, das Glück auf seiner Seite zu haben als die Expertise.

Eine spätere Analyse von Gale Pooley und Marian Tupy widersprach dieser Deutung jedoch. Sie kam für die Zeit von 1900 bis 2019 zu dem Ergebnis, dass Simon die Wette gegen Ehrlich unter Ausschluss von Kriegsjahren in 69,9 Prozent der Fälle gewonnen hätte.

Ehrungen, Preise und Mitgliedschaften (Auswahl)

Veröffentlichungen

Sachbücher auf Deutsch
englisch

Literatur

Commons: Paul R. Ehrlich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Paul R. Ehrlich, Who Alarmed the World With ‘The Population Bomb,’ Dies at 93. In: nytimes.com. 15. März 2026, abgerufen am 15. März 2026 (englisch).
  2. ↑ Paul R. Ehrlich. Google Scholar. Abgerufen am 15. März 2026.
  3. ↑ Gerardo Ceballos, Paul R. Ehrlich: Mutilation of the tree of life via mass extinction of animal genera. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 120, Nr. 39, 2023, doi:10.1073/pnas.2306987120.
  4. ↑ Paul R. Ehrlich und Anne H. Ehrlich: The Population Bomb Revisited. In: The Electronic Journal of Sustainable Development. Band 1, Nr. 3, 2009, What did The Bomb get wrong?, S. 67.
  5. ↑ Dan Gardner: Future Babble: Why Expert Predictions Fail – and Why We Believe Them Anyway. McClelland & Stewart, 2010, ISBN 0-7710-3519-5. S. 228–231.
  6. ↑ Katherine Kiel et al.: Luck or skill? An examination of the Ehrlich–Simon bet. In: Ecological Economics. Band 69, 2010, S. 1365–1367, doi:10.1016/j.ecolecon.2010.03.007.
  7. ↑ Luck or Insight? A Reexamination of the Simon-Ehrlich Bet. 1. Februar 2020, abgerufen am 17. März 2026 (englisch).
  8. ↑ Honorary Membership | The Highest Honor at BES | BES Members. In: British Ecological Society. Abgerufen am 9. Januar 2026 (britisches Englisch).
Personendaten
NAME Ehrlich, Paul R.
ALTERNATIVNAMEN Ehrlich, Paul Ralph (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Biologe
GEBURTSDATUM 29. Mai 1932
GEBURTSORT Philadelphia, Pennsylvania
STERBEDATUM 13. März 2026
STERBEORT Palo Alto, Kalifornien