Paul Rummo

Paul Rummo (* 1. Julijul. / 14. Juli 1909greg. in Kalbu, Gemeinde Kehtna; † 28. März 1981 in Tallinn) war ein estnischer Dichter, Publizist und Kinderbuchautor.

Leben

Rummo ging von 1918 bis 1924 in Kehtna zur Schule und war von 1924 bis 1930 am Lehrerseminar in Tallinn. Anschließend bekleidete er zehn Jahre lang verschiedene Stellungen im Schuldienst. Von 1937 bis 1940 war er daneben Redakteur der Kinderzeitschrift Meie Noorus ('Unsere Jugend') in Tallinn. Nach der kommunistischen Machtübernahme in Estland beteiligte er sich aktiv an der gesellschaftlichen Umgestaltung. Er war kurzzeitig im Bildungsministerium tätig und wurde im Februar 1941 Direktor des Estonia-Theaters sowie Redakteur der Zeitschrift Teater ja Muusika ('Theater und Musik'). Auch beteiligte er sich in dieser Phase an der „Säuberung“ der estnischen Bibliotheken, indem er einer Kommission angehörte, die „schädliche“ Bücher aussortierte.

Bei Ausbruch des Deutsch-Sowjetischen Krieges 1941 ging er in die Sowjetunion und organisierte dort das kulturelle Leben der estnischen Exilgemeinschaft. Nach Kriegsende war er im estnischen Verlagswesen tätig, 1948–1949 als Chefredakteur für Literatur beim Verlag Ilukirjandus ja Kunst ('Schöne Literatur und Kunst') und von 1949 bis 1953 beim Nachfolgeverlag Eesti Riiklik Kirjastus ('Estnischer Staatsverlag'). Danach lebte er als freiberuflicher Schriftsteller in Tallinn und nahm noch diverse Funktionen beim Estnischen Schriftstellerverband war.

Der Kinderbuchautor Jaan Rummo ist sein Bruder, er ist der Vater der Theaterwissenschaftlerin Lea Tormis und des Dichters und Politikers Paul-Eerik Rummo.

Literarisches Werk

Rummos erste publizistischen Texte wurden 1925 gedruckt, Ende der 1930er-Jahre veröffentlichte er seine ersten Theaterstücke für Kinder. Während des Krieges trat er mit antifaschistischen Dichtungen und Schauspielen in Erscheinung. Wichtig für die Entwicklung der estnischen Lyrik nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sein Gedichtband Veerev kivi ('Der rollende Stein', 1955, in Auszügen bereits 1953 publiziert), in dem „eindeutig die Schablonen des Stalinismus verlassen worden [waren], Dichtung erwies sich wieder als „normal“ und stand in viel direkterem Kontakt zur Realität und das bedeutete auch zu den aktuellen gesellschaftlichen Prozessen.“ Damit leiste Rummo bereits im Jahr von Stalins Tod einen ersten Beitrag zur bald eintretenden Tauwetter-Periode, die sich in Estland mit der Dichtung von Jaan Kross, Ellen Niit und Ain Kaalep durchsetzte, die in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre publiziert wurde.

Auch danach veröffentlichte Rummo noch verschiedene lyrische und publizistische Werke, wenngleich seine editorische Tätigkeit, vor allem die Zusammenstellung von Anthologien und Gesammelten Werken von Klassikern, größere Bedeutung erlangte.

Bibliographie

Sekundärliteratur

Einzelnachweise

  1. ↑ Eero Medijainen: Esimene nõukogude võimu aasta eesti raamatukogudes, in: Tsensor Eesti raamatukogus. Uurimusi Eesti raamatukogunduse ajaloost 3. Tallinn 1991, S. 31; Cornelius Hasselblatt: Geschichte der estnischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin, New York: Walter de Gruyter 2006, S. 518.
  2. ↑ Cornelius Hasselblatt: Geschichte der estnischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin, New York: Walter de Gruyter 2006, S. 585.
Personendaten
NAME Rummo, Paul
KURZBESCHREIBUNG estnischer Schriftsteller
GEBURTSDATUM 14. Juli 1909
GEBURTSORT Kalbu
STERBEDATUM 28. März 1981
STERBEORT Tallinn