Paul Joachim Schebesta SVD (tschechisch Pavel Šebesta; * 20. März 1887 in Groß Peterwitz, Landkreis Ratibor; † 17. September 1967 in Mödling bei Wien) war ein Steyler Missionar, Ethnologe und Erforscher sogenannter Zwergvölker (Pygmäen, Negritos) Afrikas und Asiens, zu denen er mehrere Forschungsreisen unternahm.
Paul Schebesta besuchte das bischöfliche Gymnasium in Neisse und studierte ab 1905 im Missionshaus St. Gabriel in Maria Enzersdorf Ethnologie und Theologie. Nach Empfang der Priesterweihe 1911 wurde er als Mitglied der Gesellschaft des Göttlichen Wortes (Steyler Missionare) nach Mosambik entsandt, wo er während des Ersten Weltkriegs interniert war. Ab 1921 war er Dozent im Missionshaus Sankt Gabriel.
Schebesta widmete sich ethnologischen Studien und unternahm Forschungsreisen nach Malaysia (1924/25) und auf die Philippinen (1938/39). Ab den 1930er Jahren beschäftigte er sich vor allem mit den Pygmäen Zentralafrikas (insbesondere den Bambuti-Pygmäen vom Ituri), deren Lebensverhältnisse er auf insgesamt vier Expeditionen (1929, 1934/35, 1949/50 und 1954) erkundete.
Ab 1947 unterrichtete er an der Wiener Hochschule für Welthandel.
Sein ethnologisches Œuvre ist ganz in die Tradition seiner Mitbrüder, der Patres Wilhelm Schmidt (1868–1954), Wilhelm Koppers (1886–1961) und Martin Gusinde (1886–1969) um das Anthropos-Institut und seinen Vertretern der Kulturkreislehre einzuordnen. Dabei versuchte er nachzuweisen, dass der Monotheismus die Urform der Religion sei, der Polytheismus dagegen eine kulturelle Degenerations-Erscheinung darstelle.
Im Jahr 1957 erhielt Schebesta den Ehrenring der Stadt Wien für seine Leistungen.
Im Rahmen ihres PhD-Projekts befasste sich die österreichische Wissenschaftlerin und Künstlerin Belinda Kazeem mit Fotografien von Schebesta. Die daraus entstandene Arbeit "Unearthing. In Conversation" (2017) ist ein Versuch die koloniale Vergangenheit zu verarbeiten und unaussprechliche Gewalt zu beschreiben. Die Fotografien des Missionars dienen dabei als Ausgangspunkt für einen erdrückenden Dialog, indem die Wissenschaftlerin Repräsentationsstrategien, die Reproduktion spezifischer Erscheinungen und das Trauma, im hier und jetzt zum Anderen gemacht zu werden, verhandelt wird. Das Werk befindet sich sowohl in der Sammlung des Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, als auch im Centre national des arts plastiques in Paris.
| Personendaten | |
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| NAME | Schebesta, Paul |
| ALTERNATIVNAMEN | Schebesta, Paul Joachim (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Missionar, Ethnologe |
| GEBURTSDATUM | 20. März 1887 |
| GEBURTSORT | Groß Peterwitz, Landkreis Ratibor |
| STERBEDATUM | 17. September 1967 |
| STERBEORT | Mödling |