Paule Marshall (geboren als Valenza Pauline Burke; 9. April 1929 in Brooklyn, New York; † 12. August 2019 in Richmond, Virginia) war eine US-amerikanische Schriftstellerin, deren Werk die Erfahrungen der afrokaribischen Diaspora in den Vereinigten Staaten literarisch prägte. Sie nahm die Rolle einer Brückenfigur zwischen karibischen und US-amerikanischen Literaturtraditionen ein. Bekannt wurde sie mit dem Debütroman Brown Girl, Brownstones (1959), der als Meilenstein der US-Literatur gilt.
Marshall wurde als Tochter barbadischer Einwanderer in Brooklyn geboren und trug bei der Geburt den Namen Valenza Pauline Burke. Die Herkunft ihrer Eltern aus Barbados prägte ihre Kindheit ebenso wie die Sprachkultur der afrokaribischen Gemeinschaft, aus der sie schöpfte. Im Jugendalter änderte sie ihren Vornamen in „Paule“ (stummes „e“). Nach einem krankheitsbedingten Studienabbruch am Hunter College wandte sie sich dem Englischstudium zu und studierte am Brooklyn College. In den 1950er-Jahren arbeitete sie als Redakteurin und Autorin beim afroamerikanischen Magazin Our World. Frühere Stationen dort führten sie nach Brasilien und in die Karibik. Ab den 1980er-Jahren lehrte sie an der Virginia Commonwealth University (VCU) und später an der New York University. Sie starb im Alter von 90 Jahren in Richmond; sie litt in den letzten Jahren an Demenz.
Marshalls Prosa befasst sich mit den Verflechtungen von Rassismus, Kolonialismus, Migration und Geschlechterverhältnissen, häufig aus dem Blickwinkel selbstbewusster schwarzer Protagonistinnen und mit besonderem Augenmerk auf die afrokaribische Diaspora. Ihr Debüt Brown Girl, Brownstones (1959) erzählt vom Erwachsenwerden einer Tochter barbadischer Einwanderer in Brooklyn und gilt als herausragender Beitrag zur afroamerikanischen Literatur der Nachkriegszeit. Mit The Chosen Place, The Timeless People (1969) setzt sie sich mit Modernisierungskonflikte auf einer fiktiven Karibikinsel auseinander, während Praisesong for the Widow (1983) ihren literarischen Ruhm festigte. Spätere Bücher wie Daughters (1991), The Fisher King (2000) und die Memoiren Triangular Road (2009) erweiterten ihr thematisches Spektrum um Familien-, Erinnerungs- und Musikgeschichte.
Programmatisch betonte Marshall, Frauen ins „Zentrum der Macht“ ihrer Erzählungen zu stellen, was die Kritik als feministische Poetik ihres Werks beschrieb. Ihre literarische Bedeutung bezeugten zahlreiche Würdigungen aus dem Kollegenkreis; so würdigte Edwidge Danticat sie als prägende Mentorin und geistige Wegbereiterin. Marshall erhielt eine Guggenheim-Förderung (1961) und eine MacArthur Fellowship (1992). Im Jahr 1989 wurde sie mit dem John-Dos-Passos-Preis für Literatur ausgezeichnet, 2009 folgte der Lifetime-Achievement-Award der Anisfield-Wolf Book Awards.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Marshall, Paule |
| ALTERNATIVNAMEN | Burke, Valenza Pauline (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Schriftstellerin |
| GEBURTSDATUM | 9. April 1929 |
| GEBURTSORT | Brooklyn, New York |
| STERBEDATUM | 12. August 2019 |
| STERBEORT | Richmond, Virginia |