Pedro Krusten

Pedro Krusten (eigentlich Peeter Krustein) (* 9. Maijul. / 21. Mai 1897greg. in Muraste, Gouvernement Estland, heute zu Harku; † 14. Januar 1987, Washington, D.C.) war ein estnischer Schriftsteller.

Leben

Pedro Krusten wurde 1897 als Sohn eines Gärtners geboren und war der ältere Bruder von Erni Krusten. Er ging in Rannamõisa und Tallinn zur Schule und war ab 1917 in der Zarenarmee. Im russischen Bürgerkrieg kämpfte er eine Zeitlang auf der Seite der Bolschewiki, entschied sich 1921 aber, nach Estland zurückzukehren. Danach arbeitete er einige Jahre als Gerichtsbeamter und ab 1926 als Journalist. Während der ersten sowjetischen Besetzung von Estland 1940/41 war er in einem Verlag tätig, während der nachfolgenden deutschen Besatzung wieder als Journalist. 1944 ging er ins Exil und lebte einige Jahre im Flüchtlingslager in Geislingen. 1950 emigrierte er in die USA und ernährte sich zunächst von Gelegenheitsarbeiten. Von 1951 bis 1967 arbeitete er bei der Redaktion der Voice of America in Washington, D.C. Hier starb er 1987. 1992 wurde seine Asche nach Tallinn überführt.

Werk

Krusten debütierte 1923 mit Gedichten in der Zeitschrift Looming. Sein erstes Buch erschien 1928, nachdem sein Roman Herzensruhe beim Romanwettbewerb des Loodus-Verlags den 3. Preis gewonnen hatte. Er bildet eine Dilogie mit dem 1932 erschienenen Roman Der rote Offizier und trägt autobiographische Züge, indem der Werdegang eines jungen Mannes in den unruhigen Zeiten von Revolution und Weltkrieg geschildert wird.

Höher wird innerhalb der estnischen Literaturgeschichte seine Kurzprosa bewertet, die "zum Besten der estnischen Literatur" gehört. Krusten gehörte in den 1930er-Jahren zu den meistpublizierten Novellisten in Looming. Seine Novellen waren vor allem psychologisch gestaltet und wiesen am Anfang noch leicht feuilletonistische Züge auf. In ihnen erkannte die zeitgenössische Kritik bald Parallelen zu Peet Vallak, was damals das höchste Lob war.

Nach dem Krieg publizierte er mehrere Werke über seine teilweise dramatische Flucht. Die Erfahrung des Flüchtling-Seins und des Exils blieben eines der Hauptthemen des Autors. Daneben publizierte er aber weitere Romane über die gesellschaftlichen Veränderungen in Estland von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Vorabend der Unabhängigkeit.

Außerdem verfasste Pedro Krusten im Exil auch Kinderliteratur. Ebenso ist er als begabter Zeichner in Erscheinung getreten.

Bücher

Romane

Kurzprosasammlungen

Preise

Rezeption in Deutschland

Von Pedro Krusten sind keine ins Deutsche übersetzten Texte publiziert worden. In der unmittelbaren Nachkriegszeit stellte der Übersetzer Wilhelm von Pezold eine Anthologie estnischer Exilliteratur zusammen, in die auch Pedro Krusten aufgenommen war, konnte für seine Übersetzungen aber offenbar keinen Verlag finden. Das Manuskript lagert in der Bibliothek der Carl-Schirren-Gesellschaft in Lüneburg.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Eesti kirjanike leksikon. Tallinn: Eesti Raamat 2000, S. 230.
  2. ↑ Cornelius Hasselblatt: Geschichte der estnischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin, New York: De Gruyter 2006, S. 495.
  3. ↑ Ülo Tonts: Pagulane pagulusest. Ühest ainealast Pedro Krusteni loomingust, in: Keel ja Kirjandus 8/1993, S. 477–484.
  4. ↑ Janika Kronberg, Mari Laaneste: Joonistav kirjanik Pedro Krusten, in: Tuna 3/2015, S. 124–128.
  5. ↑ Cornelius Hasselblatt: Estnische Literatur in deutscher Übersetzung. Eine Rezeptionsgeschichte vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. Wiesbaden: Harrassowitz 2011, S. 257.
Personendaten
NAME Krusten, Pedro
ALTERNATIVNAMEN Krustein, Peeter (wirklicher Name)
KURZBESCHREIBUNG estnischer Schriftsteller
GEBURTSDATUM 21. Mai 1897
GEBURTSORT Muraste, Gouvernement Estland
STERBEDATUM 14. Januar 1987
STERBEORT Washington, D.C.