Peggy Musgrave

Peggy Brewer Musgrave (* 3. Januar 1924 in Maldon, Essex, Vereinigtes Königreich; † 18. August 2017 in New Egypt, New Jersey, Vereinigte Staaten), geborene Brewer, war eine britisch-US-amerikanische Finanzwissenschaftlerin. Sie publizierte unter den Namen Peggy B. Richman und Peggy B. Musgrave. Sie war die Ehefrau des international bekannten Ökonomen Richard Abel-Musgrave.

Familie

Sie war die Tochter des britischen Autors Herbert Rogers Everard Brewer und dessen Ehefrau Blanche Rebecca, geborene Wedlock. In erster Ehe war sie nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem US-Amerikaner Bennett B. Richman (* 20. Dezember 1912 in Seattle, Washington; † 6. November 1989 in San Diego, Kalifornien) verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, Roger und Thomas. In zweiter Ehe heiratete sie etwa Mitte der 1960er Jahre Richard Abel-Musgrave (1910–2007). Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor, Pamela.

Peggy Brewer fügte nach ihren beiden Hochzeiten die Familiennamen ihrer Ehemänner ihrem Mädchennamen hinzu, als Peggy B. Richman bzw. Peggy B. Musgrave. Der tatsächliche bzw. ursprüngliche Familienname ihres zweiten Ehemanns, Abel, blieb dabei gänzlich unberücksichtigt.

Schule und Ausbildung

Ab 1933 besuchte sie eine Grammar School, 1942 immatrikulierte sich die 18-Jährige als erste ihrer Schule an der Cambridge University. Im Jahr 1944 wurde sie zum Wehrdienst herangezogen und arbeitete bis zum Ende des Krieges in London für das US-amerikanische Office of Strategic Services (OSS), den Vorläufer der Central Intelligence Agency (CIA). Während dieser Zeitspanne lernte sie den US-amerikanischen OSS-Angehörigen Bennett Richman kennen, den sie später heiratete und ihm nach Kriegsende 1945 in die Vereinigten Staaten folgte. Im Jahr 1953 erhielt sie die US-Staatsbürgerschaft.

An der American University in Washington D. C. nahm sie ihr unterbrochenes Studium wieder auf und schloss 1960 ein Bachelor- (B.A.) und Master- (M.A.) Studium der Wirtschaftswissenschaften ab. An der Johns Hopkins University promovierte sie 1962 in diesem Fachgebiet zum Doctor of Philosophy (PhD). Während dieser Phase absolvierte sie Sommerpraktika bei der Federal Reserve und der International Tax Division des US-amerikanischen Schatzamtes (United States Department of the Treasury).

Ihre berufliche Entwicklung begann 1962/63 als Senior Research Associate an der Columbia University und als Mitglied einer Studiengruppe zu wirtschaftlicher Integration in gemeinsame Märkte bei Professor Carl Shoup. Von 1963 bis 1965 lehrte sie als Assistant Professor das Fach Internationale Ökonomie an der University of Pennsylvania.

Ab dieser Phase war sie in zweiter Ehe mit Richard Abel-Musgrave verheiratet, der zu dieser Zeit an der Princeton University lehrte. Beide zogen nach Cambridge, Massachusetts, wo ihr zweiter Ehemann an der Harvard University die H. H. Burbank-Professur für Public Economics erhalten hatte. Peggy Musgrave nahm zwischen 1965 und 1967 als Senior Research Associate am International Tax Program der Harvard Law School (HLS) teil und publizierte dort weiter.

Als Associate Professor und schließlich als Full Professor lehrte sie zwischen 1967 und 1979 an der Northeastern University in Boston, als sie und ihr Ehemann einen Ruf als Visiting Ford Research Professors an die Berkeley University nach San Francisco erhielten. Dort erhielt Peggy Musgrave das Angebot einer Professur an der University of California in Santa Cruz, wo sie von 1979 bis 1992 lehrte und von Juli 1987 bis Juni 1989 als Kanzlerin des Crown College der UCSC auch mit der Administration beschäftigt war. Ihr Ehemann nutzte seinen altersbedingten Rückzug von Harvard, um weitere zwei Jahre als außerordentlicher Professor an der UCSC zu lehren.

Seit 1962 war sie daneben in beratender Funktion (Consultant) für diverse private und Regierungsorganisationen tätig.

Peggy B. Musgrave verstarb im Alter von 93 Jahren und wurde neben ihrem Ehemann Richard Abel-Musgrave auf dem Mount Auburn Cemetery (Pilgrim Path, Lot 8154, Mausoleum G, Space 1) in Cambridge, Massachusetts, beigesetzt.

Prinzip der Kapitalexportneutralität

Das Prinzip der Kapitalexportneutralität (Capital Export Neutrality) geht im Wesentlichen auf Peggy Musgrave zurück und gilt als zentraler Ausgangspunkt der Diskussion um Effizienzwirkungen der Kapitalbesteuerung bei offenen Volkswirtschaften.

Nationale Portfolio-Neutralität

Die grundlegenden Überlegungen zur Nationalen Portfolio-Neutralität (Global Portfolio Neutrality) basieren auf dem von Peggy Musgrave beschriebenen Konzept der Nationalen Neutralität.

Mitgliedschaften

Peggy und Richard Musgrave-Preis

Das International Institute of Public Finance (IIPF) vergibt seit dem Jahr 2003 den Peggy-und-Richard-Musgrave-Preis, mit dem junge Studierende motiviert und ausgezeichnet werden, welche die hohen Standards der Bedeutung, Kreativität und wissenschaftlicher Qualität erreichen, die ein Kennzeichen der Arbeit der Musgraves für die öffentliche Finanzwirtschaft gewesen ist.

Veröffentlichungen (Auszug)

Einzelnachweise

  1. ↑ Mary Williams Walsh: Richard A. Musgrave, 96, Theoretician of Public Finance, Dies. In: The New York Times. 20. Januar 2007, auf: nytimes.com
  2. ↑ Herbert Rogers Everard Brewer of 96 Mill Road, post office clerk. In: Essex Record Office, Borough Records, Maldon, Court Papers, Papers and documents relating to election of borough councillors and aldermen, D/B 3/3/890, 1921, auf essexcc.gov.uk
  3. 1 2 3 4 5 6 7 Thomas Richman: Peggy B. Musgrave (1924–2017) (PDF-Datei; 318 kB), auf: ucsc.edu
  4. ↑ Thiess Büttner, Anja Hönig, Chang W. Nam, Georg Wamser, Michael Stimmelmayr: Neutralitätsverletzungen in der Besteuerung von Kapitaleinkommen und deren Wachstumswirkungen: eine theoretische und empirische Analyse des deutschen Steuersystems. Mohr Siebeck, Tübingen 2012, ISBN 978-3-16-151832-4, S. 11–12.
  5. ↑ Doron Herman: Taxing Portfolio Income in Global Financial Markets. International Bureau of Fiscal Documentation (IBFD), Amsterdam 2002, ISBN 90-76078-44-0, S. 106, 107, 131, 133.
  6. ↑ Josef Isensee, Paul Kirchhof (Hrsg.): Handbuch des Staatsrechts: Band XI: Internationale Bezüge. C. F. Müller, München 2013, ISBN 978-3-8114-4511-6, S. 1028.
  7. ↑ Tsilly Dagan: International Tax Policy: Between Competition and Cooperation. Cambridge University Press, 2017, ISBN 978-1-108-54716-1, S. 43, 50–51.
  8. ↑ Thiess Büttner, Anja Hönig, Chang W. Nam, Georg Wamser, Michael Stimmelmayr: Neutralitätsverletzungen in der Besteuerung von Kapitaleinkommen und deren Wachstumswirkungen: eine theoretische und empirische Analyse des deutschen Steuersystems. Mohr Siebeck, Tübingen 2012, ISBN 978-3-16-151832-4, S. 15–16.
  9. 1 2 Prof. Dr. Hans-Werner Sinn: In memory of Peggy Musgrave, CESifo und Ludwig-Maximilians-Universität München, September 2017, auf: cesifo-group.de
  10. ↑ The 2008 Peggy and Richard Musgrave Prize. In: Research Institute of Industrial Economics, auf: ifn.se
  11. ↑ Newly-hired Assistant Professor Alisa Tazhitdinova has been awarded the Peggy and Richard Musgrave Prize at the 72nd Congress of the International Institute for Public Finance. In: McMaster University, auf: mcmaster.ca
  12. ↑ IIPF Peggy and Richard Musgrave Prize, auf: iipf.org
  13. ↑ In Memoriam Richard Musgrave, auf: iipf.org