Personal Learning Environment

Der Ausdruck Personal Learning Environment (kurz PLE, deutsch Persönliche Lernumgebung) ist nicht klar definiert, kann aber als Konzept der individuellen Ausgestaltung der eigenen Lernumgebung verstanden werden. Der wichtigste Aspekt ist, dass der Lernende diese Umgebung unter seiner Kontrolle hat und seine Lern- und Arbeitsumgebung individuell gestaltet, um Wissen zu entwickeln und mit anderen zu teilen. Obwohl die rein sprachliche Übersetzung prinzipiell die gesamte persönliche Lernumgebung meint (z. B. Schreibtisch, Bücherei, Computer, Zeitung etc.), wird unter der technischen Umsetzung einer PLE in der Forschung im Wesentlichen die individuelle Zusammenstellung von (Social-)Software, Web-Services und Mobilen Technologien, die das zumeist informelle Lernen mit dem Computer unterstützen, verstanden.

Begriffsgeschichte

Der Begriff Personal Learning Environments entstand Anfang 2000 im Rahmen der Diskussion zu Virtual Learning Environment (kurz VLE), einem Ansatz, in dem traditionelle Strukturen, Rollen und Prozesse aus der formellen Bildung in einer virtuellen Lernumgebung (z. B. frühere Formen der Lern-Management-Systeme, kurz LMS) nachgebildet werden. Im Gegensatz zum Virtual Learning Environment Ansatz, strebt der Personal Learning Environment Ansatz einen höheren pädagogischen und technischen Innovationsgrad, vor allem durch eine personenzentrierte Nutzung von modernen digitalen Medien, an.

Lifelong Learning

Lebenslanges Lernen als Konzept, die Fähigkeit zu besitzen oder zu erwerben, sich lebenslang situationsgebunden und eigenständig weiterbilden zu können, ist die Hauptmotivation für die Forschung an PLEs. Getrieben durch eine (Computer-)Gesellschaft, die immer schnelllebiger ist und in der auch Produktzyklen immer kürzer werden, muss man in der Lage sein, sich schnell und problemorientiert in neue Domänen einzuarbeiten und sich Wissen anzueignen. Damit einher gehen aber auch neue Anforderungen an Mensch und Software. Der Mensch muss in der Lage sein, sein Lernen selbst zu gestalten und auszurichten. Software sollte in der Lage sein, ihn möglichst dabei zu unterstützen, geeignete Informationen zu finden, eigene zur Verfügung zu stellen, Wissen mit anderen auszutauschen und Reflexion über Geschriebenes oder Veröffentlichtes ermöglichen, um das Lernen zu unterstützen. Insbesondere da die Lernsituationen vielfältig sind, weil sie in ganz verschiedenen Kontexten entstehen (z. B.: (Projekt-)Arbeit, Hobbys etc.), sollte eine PLE in der Lage sein, dem Lerner eine flexible Umgebung zu bieten, die er sich seinen Anforderungen entsprechend gestalten kann.

Informelles Lernen

Wie die Studie zeigt, besteht die Weiterbildung von Berufstätigen zu ca. 70 % aus informellem Lernen. Insbesondere das Lernen am Arbeitsplatz ist damit gemeint, welches in den wenigsten Fällen aus formaler Weiterbildung besteht. Es wurde aber mit der Entwicklung und Forschung rund um PLEs gezeigt, dass die ohnehin vorhandene informelle Weiterbildung unterstützt werden muss. Ziel ist es, dem Lernenden einerseits die Möglichkeit zu geben, seine ohnehin genutzten Programme und Services gesammelt verfügbar zu machen und andererseits mit der Komposition dieser das Lernen zu unterstützen. Technisch könnten dazu auch Verknüpfungen zwischen den Tools geschaffen werden bzw. Datenbasen derart zur Verfügung gestellt werden, dass eine Persistenz der zusammenfließenden Wissensartefakte gewährleistet werden kann.

Funktionen einer PLE

Graham Attwell et al. beschreiben mehrere Funktionalitäten, die Bestandteil einer PLE sein sollten:

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Integrierter Gesamtbericht zur Weiterbildungssituation in Deutschland. Bonn April 2003 (bmbf.de [PDF; 2,0 MB]).
  2. ↑ Graham Attwell: The Personal Learning Environments - the future of eLearning? In: eLearning Papers. Vol. 2, Nr. 1, 2007, ISSN 1887-1542 (elearningeuropa.info [PDF; 117 kB]).
  3. ↑ Tobias Nelkner, Wolfgang Reinhardt, Graham Attwell: Concept of a Tool Wrapper Infrastructure for Supporting Services in a PLE. In: Andreas Schmidt, Graham Attwell, Simone Braun, Stefanie Lindstaedt, Ronald Maier, Eric Ras (Hrsg.): 1st International Workshop on Learning in Enterprise 2.0 and Beyond. Vol. 383, 2008 (mature-ip.eu [PDF; 525 kB]).
  4. ↑ Graham Attwell, Jenny Bimrose, Allan Brown, Sally Anne-Barnes: Maturing learning: Mash up Personal Learning Environments. In: Fridolin Wild, Marco Kalz, Matthias Palmér (Hrsg.): Proceedings of the First International Workshop on Mashup Personal Learning Environments (MUPPLE08) Maastricht. Vol. 388, 2008 (informatik.rwth-aachen.de [PDF; 60 kB]).