| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| A44.0 | Systemische Bartonellose, inkl. Oroya-Fieber |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| 1C11.0 | Carrión-Krankheit |
| 1C11.00 | Oroya-Fieber |
| 1C11.01 | Verruga peruana |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Das Oroya-Fieber (Carrión-Krankheit, Verruga peruana) ist eine durch das Bakterium Bartonella bacilliformis hervorgerufene Erkrankung. Die Sandmücken der neuweltlichen Gattung Lutzomyia übertragen als Vektor das Bakterium von Mensch zu Mensch. Die Krankheit tritt im Lebensraum des Vektors in Südamerika auf den westlichen Abhängen der Anden oberhalb von 800 m Höhe in Peru, Ecuador und Kolumbien auf. Das Bakterium lebt primär in Erythrozyten, sekundär kommt es zu einer Kolonialisierung der Milz und anderer Organe. Einziges bekanntes Reservoir ist der Mensch. Das Oroya-Fieber gehört zur Gruppe der Bartonellosen.

Pedro Pizarro, der an der spanischen Eroberung Perus teilgenommen hatte, berichtete in seiner Chronik (die er vier Jahrzehnte danach verfasste), dass viele Spanier 1531 in Coaque im heutigen Ecuador von einer Krankheit „mit Warzen, manchmal so groß wie Eier,“ befallen wurden. Solche Warzen sind auch von präkolumbianischen bildhaften Darstellungen von Menschen auf Töpfereien und Stelen bekannt sowie auch von Mumien.
Im Jahr 1869 finanzierte der US-amerikanische Unternehmer Henry Meiggs den Bau der höchsten Eisenbahn der Welt: über die peruanischen Anden von Lima nach Oroya in bis zu 5.000 m über dem Meeresspiegel, wo man Bodenschätze fördern wollte. Die Strecke verließ das Tiefland und erreichte entlang des Rímac-Flusses Höhen von über 1000 m. Zu der Strecke gehörte auch die Verrugas-Brücke. Tausende von Bahnarbeitern lebten unter schlechtesten hygienischen Verhältnissen. In den Massenunterkünften trat eine neuartige Erkrankung auf. Die Arbeiter litten zuerst an hohem Fieber, bevor Tausende von ihnen an schweren Anämien (Blutarmut) und aufgrund von Sekundärinfektionen wie Miliartuberkulose, Shigellosen und Salmonellosen verstarben.
Im Jahr 1885 unternahm des peruanischen Medizinstudenten Daniel Alcides Carrión García einen Selbstversuch: er ließ sich Flüssigkeit aus den blutgefüllten Warzen einer Patientin injizieren. Daraufhin erkrankte er an hohem Fieber, womit der Zusammenhang zwischen der fiebrigen Erkrankung (Oroya-Fieber) und den Peru-Warzen (Verruga peruana) nachgewiesen war. Nach Carrión, für den der Selbstversuch tödlich endete, wurde die Krankheit später benannt.
Diese Kenntnisse gerieten in Vergessenheit, sodass die Krankheit 1915 von Richard Pearson Strong bei einer wissenschaftlichen Expedition der Harvard University unter dem Namen Oroya-Fieber neu beschrieben wurde. Den Erreger hatte bereits 1905 Alberto Barton entdeckt.