PestschanLag

PestschanLag, errichtet 1949, das zu dem großen Komplex der Gulag-Lager gehörte, war ein Sonderlager des MWD für politische Gefangene mit bis zu fast 40.000 Häftlingen. Diese Sonderlager mit verschärftem Regime waren in der Nachkriegszeit durch das Innenministerium MWD (ehem. NKWD) geschaffene spezielle Einrichtungen im allgemeinen Gulag-System in der Sowjetunion.

Bezeichnung

PestschanLag, russisch Песчанлаг, trug ursprünglich die Bezeichnung Ossoblag Nr. 8, d. h. Sonderlager Nr. 8 (aus особый лагерь № 8, особлаг № 8). Die Abkürzung PestschanLag ist abgeleitet von песчаный ла́герь pestschany lager, d. h. Sandlager (diesen Namen findet man vereinzelt auch in der deutschsprachigen Literatur und deutschsprachigen Quellen). Diese Bezeichnungen für die ursprünglich nummerierten Sonderlager wurden erst später und meist zufällig vergeben, als eine Art Code, meist ohne irgendeinen Bezug zur Realität. Eine spätere Bezeichnung war dann Sand-ITL (Песчаный ИТЛ).

Geschichte

Das Lager PestschanLag wurde am 5. September 1949 aufgrund des Dekrets Nr. 00219 des Innenministeriums MWD vom 21. Februar 1948 anstelle des bisherigen Lagers Nr. 99 des MWD für Kriegsgefangene gegründet. Es befand sich in einem größeren Arbeitslagerkomplex nahe der Stadt Karaganda in der damaligen Kasachischen SSR. Am 17. November 1950 wurden einige Lagerabteilungen des Sonderlagers Nr. 9 LugLag sowie die in Ekibastus gelegene Kohletagebauabteilung des Sonderlagers Nr. 4 StepLag an das Lager PestschanLag überführt; am 4. Januar 1951 wurden dem Lager dann die Lagerpunkte 1 und 2 der Abteilung für Besserungsarbeitskolonien (OITK) der MWD-Verwaltung für das Gebiet Karaganda unterstellt; am 24. April 1952 schließlich wurde auf der Basis der Lagerabteilung Nr. 6 von PestschanLag (Ekibastus) das Sonderlager Nr. 11 DalLag errichtet. PestschanLag wurde am 24. August 1955 durch die Übergabe der Lagerunterabteilung und Produktion an das Karaganda-ITL geschlossen.

Für das Lager waren abwechselnd zuständig:

Tätigkeit

Die Häftlinge wurden vor allem im Bereich Kohletagebau und Steinbruch eingesetzt. Im Einzelnen (unter anderem):

Insassenzahlen

Die Anzahl der Häftlinge wurde mit folgenden Zahlen dokumentiert:

1. Februar 19506.682
1. Dezember 19509.517
1. Januar 195121.170
1. Januar 195239.612
1. Januar 195329.905
1. Januar 195423.626
1. Januar 195510.822

Bekannte Häftlinge

Einzelnachweise

  1. 1 2 Vladimír Bystrov: Únosy československých občanů do Sovětského Svazu v letech 1945-1955 (Entführungen tschechoslowakischer Bürger in die Sowjetunion 1945-1955). Edition Svědectví, hrsg. vom Úřad dokumentace a vyšetřování zločinů komunismu ÚDV, eine Einrichtung des Innenministeriums der Tschechischen Republik, Prag 2003, 343 Seiten, ISBN 80-7312-027-5, online auf: szcpv.org/..., Abschnitt Pesčanlag, Seite 266.
  2. 1 2 3 4 5 6 Д. Шкапов: ПЕСЧАНЫЙ ЛАГЕРЬ. In: M. B. Smirnow (Hrsg.): Система исправительно-трудовых лагерей в СССР (Das System der Besserungsarbeitslager in der UdSSR 1923–1960). Zwenja, 1998. Online auf Portal Мемориал (Memorial.ru) memo.ru/...; deutsche Fassung auf Portal MEMORIAL Deutschland e. V.: Dmitri Schkapow: Sandlager, In: Das System der Besserungsarbeitslager in der UdSSR 1923-1960, Hrsg. von Michail Smirnow, online auf: gulag.memorial.de/...
  3. ↑ Приказ МВД СССР № 00219 «Об организации особых лагерей МВД» (Gesetz Nr. 00219 über die Organisierung der Sonderlager des MWD). Online auf: alexanderyakovlev.org/...

Siehe auch

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