Peter Filzmaier

Peter Filzmaier, 2025

Peter Filzmaier (* 5. September 1967 in Wien) ist ein österreichischer Politikwissenschaftler. Er ist Professor für Demokratiestudien und Politikforschung an der Universität für Weiterbildung Krems (besser bekannt als Donau-Universität Krems) und für Politische Kommunikation an der Karl-Franzens-Universität Graz.

Leben

Peter Filzmaier wurde 1967 als Sohn eines Kärntner Slowenen in Wien geboren und wuchs in einem Gemeindebau auf. Trotz zahlreicher Besuche bei seinen slowenischsprachigen Verwandten hat er selbst nie Slowenisch gelernt. Nach der Matura am Bundesrealgymnasium Wien IX studierte Filzmaier an der Universität Wien Politikwissenschaft, Publizistik und Rechtswissenschaft. 1991 schloss er sein Diplomstudium zum Magister der Politikwissenschaft zum Thema Todesstrafe in den Vereinigten Staaten ab; 1993 wurde er mit einer Dissertation zum Thema politische Aspekte der Olympischen Spiele zum Doktor promoviert. Anschließend war er als Lehrbeauftragter an den Universitäten Wien, Salzburg und Innsbruck tätig. 1998 übernahm er den Arbeitsbereich Politische Bildung des Instituts für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Universitäten Innsbruck, Klagenfurt, Wien und Graz, parallel mit seiner Habilitation 2001 dann auch die Leitung der Abteilung Politische Bildung. Seit 2005 leitet Filzmaier das Department für Politische Kommunikation an der Universität für Weiterbildung Krems und hat seit 2006 den Lehrstuhl für Demokratiestudien und Politikforschung inne. Seit 2010 ist er zudem Professor für Politische Kommunikation an der Karl-Franzens-Universität Graz. Filzmaier ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Strategieanalysen (ISA) in Wien.

Filzmaier ist geschieden und Vater einer Tochter (* 2002). Seit 2024 ist er mit der Marathonläuferin Carola Bendl liiert.

Wirken

Filzmaiers Arbeits- und Forschungsschwerpunkte umfassen Wahlforschung, Politische Kommunikation, Politische Bildung, Internet und Demokratie sowie internationale Politik mit dem Fokus USA. Er ist wissenschaftlicher Leiter der Universitätslehrgänge für Politische Bildung sowie für Politische Kommunikation an der Universität für Weiterbildung Krems. Filzmaier war und ist zudem Kolumnist und Gastkommentator in Zeitungen – unter anderen im Standard (2005 bis 2007), in österreichischen Bundesländerzeitungen („Filzmaier am Montag“, 2007 bis 2015) und in der Kronen Zeitung („Filzmaier analysiert“, seit 2015) – sowie als politischer Analytiker regelmäßig für den Österreichischen Rundfunk (ORF) tätig.

2019 war Filzmaier für den österreichischen Fernsehpreis Romy in der Kategorie „Information“ nominiert und erhielt die Auszeichnung „Kommunikator des Jahres“ des Public Relations Verbandes Austria.

Unter dem Überbegriff „Atemlos“ hat er zum Sport zwei Bücher (Atemlos. Meine schönsten Sportgeschichten und was sie mit Politik zu tun haben und Olympia. Die Spiele als Bühne für Sport und Politik) geschrieben, erscheinen ein Podcast sowie Sportanalysen und ein Blog.

Kritik der Analysen

Filzmaiers Analysen gelten als klar, schnell und pointiert, er zeige, wie sich „selbst schwerstverdauliches politisches Schauspiel für ein Millionenpublikum mundgerecht zerlegen lässt“. Dabei stehe über jedem Kommentar: „Peter Filzmaier ist Wissenschafter.“

Rudolf Bretschneider, ein der ÖVP nahestehender Meinungsforscher, kommentiert eine politische Analyse von Filzmaier und fasst seine Hinweise auf Mängel Filzmaiers in mehrere Appelle zusammen: „Bitte Urteile erst nach gründlicher Recherche abgeben! Prüfen, ob sie zum eigenen Fach passen. Sich nicht durch vermeintliche Pointen zu Aussagen verführen lassen. Prognosen ordentlich begründen, nicht nur aussprechen. Hypothesen mit viel Konjunktiv im Anhang möglichst unterlassen. Als Experte abqualifizierende Urteile über Personen vermeiden …“

Dass seine Analysen der ORF-TV-Duelle vor Wahlen oft mehr Zuschauer als die Diskussion selbst haben, erklärte Zeit im Bild 2 (ZIB 2)-Redaktionsleiter Christoph Varga im Jahr 2015 so: „Filzmaier interessiert die Leute mehr als Faymann oder damals Spindelegger. Verkehrte Welt. Denn Filzmaier steht nicht zur Wahl. Er erklärt bloß. Aber: Filzmaier redet Klartext. Was viele, die an der Macht sind, nicht tun.“

Armin Wolf, stellvertretender Chefredakteur der ORF-TV-Information und Moderator der ZIB 2, lobte in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung der Auszeichnung „Kommunikator des Jahres“ 2020 die „präzisen, punktgenauen, unparteiischen und oft amüsanten Analysen“. Es gebe „kaum jemanden, der öffentlich so gut kommuniziert wie Filzmaier“.

Absolventen (Auswahl)

Im Juni 2022 gab Filzmaier im ORF-Fernsehen bekannt, dass Andreas Babler (SPÖ), Christian Hafenecker (FPÖ) und Karl Nehammer (ÖVP) Absolventen eines von ihm geleiteten Universitätslehrganges wären. Dies wurde in einem Artikel der Tageszeitung Die Presse ebenfalls dargestellt. Der SPÖ-Politiker Philip Kucher war Jahrgangskollege von Karl Nehammer im erwähnten Universitätslehrgang. Im April 2025 berichtete die Presse, dass auch der ORF-Journalist Martin Thür bei Filzmaier studiert habe.

Publikationen (Auswahl)

Sonstiges

Sein Familienname stand Pate für das Zeitwort filzmaiern für Politik analysieren, das es im Jahr 2015 auf den dritten Platz des Wort des Jahres in Österreich schaffte.

Auszeichnungen

Commons: Peter Filzmaier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Christian Nusser: Zeitreise nach 1991: „Niemand wusste, was kommt jetzt? Es war Chaos!“ Interview. In: Krone.at. 31. August 2026, abgerufen am 24. Oktober 2026 (Paywall; Print: Krone Bunt, 30. August 2026, S. 18–21): „Politikchef Christian Nusser unternimmt anlässlich 35 Jahre ‚Krone bunt‘ eine Zeitreise mit Peter Filzmaier, dem Politik-Erklärer des Landes. Wie ihn, Sohn eines Kärntner Slowenen, 1991 der Zusammenbruch Jugoslawiens bewegte, ob er Talent und Dämon von Jörg Haider früh erkannte und wie es ist, vom Vierteltelefon aufs Handy umzusteigen.“
  2. ↑ Filzmaier hat absolute Mehrheit im ORF. In: derStandard.at. 7. Juli 2015, abgerufen am 23. Februar 2026.
  3. ↑ Peter Filzmaier ist Kommunikator des Jahres 2019, in: PRVA am 22. Dezember 2020.
  4. 1 2 Peter Filzmaier, in: Kurier am 25. Februar 2019.
  5. ↑ Peter Filzmaier: Der flinkeste Professor der Nation, in: Der Standard am 19. September 2017.
  6. ↑ Das Orakel von Krems, in: Der Spiegel, 22. September 2019.
  7. ↑ Die ÖVP bedauert sich mit einem Symposium selbst, in: Der Standard am 25. März 2021.
  8. ↑ Manfred Matzka: Hofräte, Einflüsterer, Spin-Doktoren. 300 Jahre graue Eminenzen am Ballhausplatz. Wien 2020.
  9. ↑ ORF-Analyse analysiert: Experte unser!, in: Kurier am 24. März 2021.
  10. ↑ 2 Millionen sahen gestrigen Wahl-19-Abend im ORF, in: orf.at am 27. September 2019.
  11. ↑ Christoph Varga: „Appetit der Parteien“ auf ORF, in: Der Standard am 29. Mai 2015.
  12. ↑ Peter Filzmaier ist Kommunikator des Jahres 2019, in: PRVANews am 22. Dezember 2020.
  13. ↑ Klaus Knittelfelder: Die Polit-Elite und ihr Ex-Professor Filzmaier. In: Die Presse. 16. Juni 2023, abgerufen am 19. August 2024.
  14. ↑ Christian Böhmer, Johanna Hager: „Pattsituation“, oder: Wer redet eigentlich noch mit wem? In: Kurier. 12. Oktober 2024, abgerufen am 13. Oktober 2024.
  15. ↑ Benjamin Stolz: Was ist der größte Irrtum über Peter Filzmaier? In: diepresse.com. 6. April 2025, abgerufen am 9. April 2025.
  16. ↑ Peter Filzmaier schrieb Buch über Olympia als Politikbühne. In: Salzburger Nachrichten/APA. 29. Februar 2024, abgerufen am 1. März 2024.
  17. ↑ Filzmaiern. In: derstandard.at. 5. Dezember 2015, abgerufen am 23. Februar 2026.
  18. ↑ ORF-Manager Pius Strobl ist Professor. In: DerStandard.at. 28. November 2023, abgerufen am 29. November 2023.