

Peter Hille (* 11. September 1854 in Erwitzen; † 7. Mai 1904 in Groß-Lichterfelde) war ein deutscher spätromantischer und naturalistischer Schriftsteller.
Peter Hille wurde als Sohn eines Rentmeisters und Lehrers Friedrich Wilhelm Hille im Fachwerk-Schulhaus Erwitzen geboren. Sein Bruder Xaver trat einem franziskanischen Orden bei, sein Bruder Philipp wurde Weltgeistlicher. Von 1871 bis 1874 besuchte er das Progymnasium in Warburg, danach das Gymnasium Paulinum in Münster, wo er Mitglied der geheimen Schülerverbindung Satrebil wurde. Die Gruppe las und besprach Karl Marx, August Bebel, Charles Darwin, auch Johann Georg Hamann, Pierre-Joseph Proudhon, Karl Gutzkow und Ludwig Büchner. In seiner Münsteraner Zeit schickte er Glückwunschtelegramme an Ernst Haeckel und Wilhelm Liebknecht. Er publizierte in dieser Zeit die handgeschriebene Schülerzeitschrift Herz und Geist mit seinen Schulfreunden, den Brüdern Heinrich und Julius Hart. 1874 musste Hille wegen ungenügender Leistungen das Gymnasium ohne Abschluss verlassen und arbeitete kurze Zeit als Protokollschreiber beim Staatsanwalt in Höxter und kurz als Korrektor in einer Leipziger Druckerei. In Leipzig war Hille Gasthörer an der Universität.
1877 schrieb er an der Zeitschrift Deutsche Dichtung Organ für Dichtung und Kritik mit, die von den Brüdern Heinrich und Julius Hart gegründet worden war. Hier erschienen seine ersten Gedichte. Für die Deutschen Monatsblätter schrieb er literaturwissenschaftliche Beiträge. Hille schrieb zudem für Michael Georg Conrads Gesellschaft, in der er 1889 das Gedicht Seegesicht veröffentlichte, und das Magazin für das In- und Auslands, die die führenden Zeitschriften der naturalistischen Bewegung waren. In dieser Zeit erhielt er einen lobenden Brief von Victor Hugo.
Eine Zeit lang arbeitete er in Bremen an der sozialdemokratischen Zeitung Bremer Tageblatt. Nach dem Scheitern des sozialistischen Blattes 1880 lebte er in den Londoner Elendsvierteln, lernte Sozialisten und Anarchisten und das Zentrum der Arbeiterbewegung kennen und machte in London Bekanntschaft mit Algernon Charles Swinburne.
Von 1882 bis 1884 lebte Hille in Holland. 1884 finanzierte er mit dem Rest einer Erbschaft eine niederländische Schauspielertruppe, die ihn mit in den finanziellen Ruin riss. Er lebte zeitweilig als Vagant, spielte trotzdem eine wichtige Rolle in der naturalistischen Bewegung. Er gab 1885 in Berlin die Zeitschrift Völkermuse Kritisches Schneidemühl heraus. Das Projekt scheiterte nach zwei Ausgaben, aber Hille freundete sich mit dem Abonnenten Detlev von Liliencron an, den er 1887 in Kellinghusen besuchte. Liliencron ermöglichte Hille den Zugang zum Friedrichshagener Dichterkreis und den Druck seines Romans Die Sozialisten.
Im Winter 1888/89 war er völlig verarmt und zudem tuberkulosekrank. Der Schriftsteller Karl Henckell rettete Hille vor dem Verhungern und nahm ihn 1889 mit nach Zürich. Hille ging anschließend auf Wanderschaft durch die Schweiz und Italien. In Zürich lernte er Gottfried Keller kennen. Hille brach anschließend zur erneuten Wanderschaft nach Italien, Ungarn, Tirol und mutmaßlich nach Spanien auf.
1885 zog Hille erstmals nach Berlin und war regelmäßiger Gast im Künstlerlokal Schwarzes Ferkel. 1891 suchte der völlig mittellose Hille Zuflucht bei seinem Freund Julius Hart. Seine Mittellosigkeit versuchte John Henry Mackay zu nutzen, um Hilles poetische Kraft in den Dienst extremer literarischer politischer Gruppierungen zu zwingen. 1891 lebte er kurzzeitig bei seinem Bruder in Hamm. Die Polizei verfolgte ihn als angeblichen Sozialdemokraten, er flüchtete durch ganz Deutschland, bis er 1895 wieder nach Berlin zurückkehrte. Er wechselte häufig die Wohnung, schlief nicht selten im Freien und galt seinen Freunden zeitweilig als verschollen. Jedoch findet ab 1899 Else Lasker-Schüler durch die Freundschaft mit Hille ersten Anschluss an die literarische Szene.
Die naturalistischen Schriftsteller unterstützten Hille. Die Neue Gemeinschaft bestritt seinen Lebensunterhalt. Erich Mühsam wurde 1901 sein Freund, und Hille wurde eine Kultfigur der Berliner Bohème. 1902 eröffnete er das Kabarett Cabaret zum Peter Hille mit Erich Mühsam, Richard Dehmel, Otto Julius Bierbaum und Else Lasker-Schüler, in dem er literarisch-musikalische Abende von hohem Anspruch veranstaltete. 1902 malte Lovis Corinth Hille für ein Modellgeld von 37 Mark. Am 27. April 1904 wurde Hille von einem Blutsturz auf dem Bahnhof Zehlendorf niedergeworfen. Am 7. Mai 1904 erlag er im Kreis-Krankenhaus in Groß-Lichterfelde seinem chronischen Lungenleiden im Alter von 49 Jahren.

Zunächst wurde Hille im Berliner Vorort Mariendorf beerdigt. 1938 wurden seine sterblichen Überreste in ein Ehrengrab auf dem katholischen St.-Matthias-Friedhof Berlin-Tempelhof umgebettet. Das Ehrengrab befindet sich in Abteilung 9.
Ein Teilnachlass von Peter Hille befindet sich in der Handschriftenabteilung der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund.
Hille fühlte sich zu den sozialistisch orientierten Dichtern wie Otto Erich Hartleben, Bruno Wille und Wilhelm Bölsche hingezogen.
Lasker-Schüler hat Hille in ihrem 1906 erschienenen Erstlingsprosawerk Das Peter Hille-Buch postum enthusiastisch gewürdigt.
Für Gerhart Hauptmann war Hille der „fast immer subsistenz- und obdachlose Maler Peter Hullenkamp“ in seinem Roman Der Narr in Christo Emanuel Quint.
Wilhelm Schäfer überlieferte von Peter Hille die Anekdote Der fremde Hund. In der Erzählung wird Schäfer Hilles Hund anvertraut. Der Hund wird von einem Auto überfahren. Der schuldbewusste Fahrer überreicht Hille 100 Mark. Hille legt sie stillschweigend dem toten Hund unter den zottigen Kopf und wandert besitzlos-glücklich weiter.
Hille beeinflusste die Dichter Johannes Bobrowski und Günter Bruno Fuchs, der ein Gedicht über ihn verfasste.
Am 5. Mai 1929 wurde am Geburtshaus Hilles in Erwitzen eine Gedenktafel für ihn enthüllt. Redner der Einweihungsfeier waren Else Lasker-Schüler, Beda Kleinschmidt und Alois Vogedes.
Aphorismen von Peter Hille.
„Heimat ist Heimweh und Sehnen nach allen Weiten.“
„Ich habe keinen Feind als in mir selbst.“
„Ich bin, also ist Schönheit.“

Der 18 Kilometer lange Wanderweg Peter-Hille-Weg mit dem Wanderzeichen U von Nieheim nach Erwitzen und zurück nach Nieheim wurde nach Peter Hille benannt. In Nieheim trägt eine Schule Peter Hilles Namen. In Erwitzen wurde 1971 ein Gedenkstein mit dem Zitat Ich bin, also ist Schönheit am Ortsrand gesetzt. In Berlin-Friedrichshagen ist eine Straße nach ihm benannt.
in der Reihenfolge des Erscheinens
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hille, Peter |
| ALTERNATIVNAMEN | der Magnus; der Heilige; Höhenstrolch |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher naturalistischer Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 11. September 1854 |
| GEBURTSORT | Erwitzen |
| STERBEDATUM | 7. Mai 1904 |
| STERBEORT | Berlin-Lichterfelde |