Peter Pieper

Peter Pieper (2002)

Peter Pieper (* 16. April 1953 in Bochum) ist ein deutscher Prähistoriker, Runologe und forensischer Archäologe.

Leben

Pieper besuchte das Vinzenz-Pallotti-Internat in Rheinbach und das Staatliche Gymnasium Bochum. Nach dem Abitur 1972 leistete er zwei Jahre Zivildienst am St. Elisabeth-Hospital in Bochum. Ab 1974 studierte er an der Ruhr-Universität Bochum Klassische Archäologie, Ur- und Frühgeschichte, Alte Geschichte und Kunstgeschichte. Nach drei Semestern wechselte er an die Georg-August-Universität Göttingen. Im Hauptfach studierte er Vor- und Frühgeschichte während er im Nebenfach Klassische Archäologie Ägyptologie, Vorderasiatische Archäologie und Kunstgeschichte studierte. Seine Doktorarbeit schrieb er bei Renate Rolle. 1987 wurde er zum Dr. phil. promoviert. Danach war er in Braunschweig zwei Jahre Grabungsleiter beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Am 1. Mai 1990 ging er zu Wolfgang Bonte an die Universität Düsseldorf, wo er als Experte für archäologische Fälschungen, forensische Osteologie, Taphonomie und Paläografie am Institut für Rechtsmedizin im Universitätsklinikum Düsseldorf arbeitete. 1993 gehörte er zu den Ausrichtern vom Weltkongress der International Association of Forensic Sciences (IAFS). Ihm gelang die Rekonstruktion der Wunde im Fall Wolfgang Grams (GSG-9-Einsatz in Bad Kleinen).

Arbeitsgebiete

Pieper bei der Arbeit (2012)

Piepers wissenschaftliches Interesse gilt besonders der Paläoanthropologie und der Paläopathologie (vor allem der Osteologie), der Runologie und Daktyloskopie, der experimentellen Archäologie (Bearbeitung und Gravuren z. B. von Knochen) und der Materialkunde.

Als weltweit erster forensischer Archäologe ist Pieper auch an der Aufklärung von Straftaten beteiligt, die teilweise lange zurückliegen. Dieses interdisziplinäre Arbeitsfeld der Forensik wurde nicht zuletzt durch die Aufhebung der Verjährung für Mord durch die Änderung des § 78 Absatz 2 StGB im Jahre 1979 neu erschlossen, weil seither jedes Tötungsdelikt zu ermitteln ist. Seit Jahren untersucht Pieper nageldurchbohrte Schädel Hingerichteter sowie Leibzeichen, mumifizierte Hände von Opfern mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Tötungsdelikte. Er bewies einen jahrelang ungeklärten Säuglingsmord und befasste sich mit Betrug und Fälschung in der Wissenschaft. Darüber hinaus ist er ein anerkannter Spezialist für Moorleichen.

An germanischen Holzschwertern wies er nach, dass der römische Feldherr Germanicus auf seinem sogenannten Rachefeldzug im Jahre 15 n. Chr. an den Ort der Varusschlacht zurückgekehrt war. Er identifizierte Soldaten der United States Air Force, die mit ihrem Bomber 1944 bei Nienburg/Weser abgeschossen worden waren. Er untersuchte mehrere Moorleichen aus dem Oldenburger Landesmuseum für Natur und Mensch und dem Niedersächsischen Landesmuseum Hannover. Darunter waren der Junge von Kayhausen, der Mann aus Jührdenerfeld, das Mädchen aus dem Bareler Moor, der Mann von Husbäke 1931, der Mann von Husbäke 1936 und der Mann von Neu-England. Untersucht hat Pieper auch das Skelett von Otto von Linn.

Seit Jahrzehnten arbeitet Pieper mit dem weltweit führenden Göttinger Runologen Klaus Düwel zusammen. Die beiden autopsierten viele Alt- und Neufunde gemeinsam. Anders als die Weser-Runenknochen erwiesen sich die in Deventer gefundenen Runen als Fälschungen mit nationalsozialistischem Hintergrund. Piepers wohl bedeutsamste Leistung war die Entschlüsselung der nach ihm benannten Spiegelrunen auf den Bestattungsurnen von Spong Hill in Norfolk, England; als mirrored runes wurden sie in die englische Sprache übernommen. Pieper beschrieb auch die Mikrorunen, die kleinsten bisher bekannten Runeninschriften.

Fechtmeister

Im Corps Neoborussia-Berlin zu Bochum (1974) zeichnete er sich als Subsenior und Consenior aus. Im Göttinger Corps Teutonia-Hercynia (1975) konnte er den Consenior zweimal klammern. Aus seinen Mensuren trug er einen deutlich sichtbaren Schmiss auf der linken Wange davon.

Beim Verband der Fechtmeister in Marburg durchlief er ab 1979 die Ausbildung zum Diplom-Fechtlehrer. 1980 folgten in Erlangen, Nürnberg und Bayreuth Weiterbildungen, die er mit dem Fechtmeisterbrief des VdF abschloss. 1980 wurde „der schnelle Pieper“ als Fechtmeister an der Universität Göttingen ein später Nachfolger des Göttinger Sachsen Hans von Goldacker (1910–1970). Die Akademie der Fechtkunst Deutschlands nahm ihn 1996 als Maître d‘académie d’armes internationale auf.

Veröffentlichungen

Anthropologie

Experimentelle Archäologie

Fälschungen

Forensische Osteologie

Paläografie

Runen

Taphonomie

Sonstiges

Commons: Peter Pieper – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Dissertation: Die Weser-Runenknochen. Neue Untersuchungen zur Problematik: Original oder Fälschung.
  2. ↑ P. Pieper: Weserrunen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. TI. 33, 2006, Sp. 494–505.
  3. ↑ Universitätsklinikum Düsseldorf
  4. ↑ P. Pieper: Eine wundersame Hand – Das Leibzeichen von Erkeln. In: M. Wittig (Hrsg.): Erkeln 856-2006. S. 84–93. Detmold 2006.
  5. ↑ Deutsches Medizinradio (2012) (Memento vom 27. Dezember 2013 im Internet Archive)
  6. ↑ RP-online
  7. ↑ P. Pieper, W. Bonte: Strafe oder posthumes Erscheinen vor Gericht? In: Archäologie in Deutschland. 1/1997, S. 47.
  8. ↑ RP-online
  9. ↑ T+K (2003) (PDF-Datei; 15 kB)
  10. ↑ Quarks & Co, 10. Februar 1998.
  11. ↑ P. Pieper u. a.: Moorleichen. In: Mamoun Fansa (Hrsg.): Weder See noch Land. Moor – eine verlorene Landschaft. Oldenburg (Old.) 1999, ISBN 3-89598-591-0.
  12. ↑ Holzschwerter (Memento vom 8. März 2016 im Internet Archive)
  13. ↑ Fotografien (Christa Loose) (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  14. ↑ W. Bonte, P. Pieper: Original oder Fälschung? Ein Beitrag zur Qualifizierung der sogenannten Weser-Runenknochen. In: Archiv für Kriminologie. 168, 1981, S. 65–77.
  15. ↑ P. Pieper, T. J. Maarleveld, J. T. Jull: Ideology and Forgery – The Deventer Bones. In: Forensic Science International. 54, 1992, S. 93–101.
  16. ↑ P. Pieper: Die Weserrunen im Lichte neuer Untersuchungen. In: Niederdeutsches Jahrbuch. 111, 1988, S. 9–30 (Neumünster)
  17. ↑ P. Pieper: Die Runenstempel von Spong Hill: Pseudorunen oder Runenformel? In: Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen. 17, 1986, S. 181–200 (Hildesheim)
  18. ↑ P. Pieper: Spiegelrunen. In: Runor och runinskrifter. Kungl. Vitterhets Historie och Antikvitets Akademiens Konferenser. 15, 1987, S. 67–72 (Stockholm)
  19. ↑ P. Pieper, M. Weis, P. Konieczka: Ein neuer Runenfund aus dem merowingerzeitlichen Gräberfeld von Stetten. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. 21/2, 1991, S. 309–316.
  20. ↑ P. Pieper: Amelgund – zur Runeninschrift aus dem Frauengrab 133 von Stetten a. d. Donau und zur Frage alamannischer „Runenmeisterinnen“. In: Personnamn i nordiska och andra germanska fornspråk = NORNA-Rapporter. 51, 1993, S. 81–84. Uppsala
  21. ↑ Kösener Corpslisten 1996, 105/339; 172/398.
  22. ↑ Akademie der Fechtkunst Deutschlands (PDF-Datei; 4,84 MB)
Personendaten
NAME Pieper, Peter
ALTERNATIVNAMEN Pieper, Pit
KURZBESCHREIBUNG deutscher Prähistoriker, Runologe und forensischer Archäologe
GEBURTSDATUM 16. April 1953
GEBURTSORT Bochum