Peter Selg

Peter Selg 2012

Peter Selg (* 5. August 1963 in Stuttgart-Hedelfingen), Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie, ist Co-Leiter der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion am Goetheanum und Leiter des Ita Wegman Instituts für anthroposophische Grundlagenforschung. Er lehrt medizinische Anthropologie und Ethik an der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft (Alfter bei Bonn). Peter Selg ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen, deren Grundlage die Anthroposophie Rudolf Steiners ist.

Leben

Peter Selg erwarb das Abitur am Robert-Bosch-Gymnasium in Wendlingen am Neckar und wurde Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes (Hochbegabtenförderung). Nach dem Zivildienst studierte er Humanmedizin in Witten-Herdecke, Berlin und Zürich und promovierte 1995 mit einer ideengeschichtlichen Arbeit über die Konzeption einer Humanphysiologie im Werk Rudolf Steiners (die später unter dem Titel „Vom Logos menschlicher Physis“ auch in Buchform erschien). Er absolvierte eine Facharztausbildung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und arbeitete zeitweise als Oberarzt an der psychiatrischen Abteilung für Jugendliche und junge Erwachsene des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke (unter Peter F. Matthiessen).

Später war Peter Selg wissenschaftlicher Mitarbeiter des Freiburger Instituts für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie (wo er eine Werkbiographie Gerhard Kienles publizierte) und an der Medizinischen Sektion am Goetheanum. Von 2002 bis 2006 gehörte er dem Kollegium der leitenden Ärzte der Ita Wegman-Klinik Arlesheim an. Seitdem leitet er das Ita Wegman Institut für anthroposophische Grundlagenforschung und unterrichtet in Witten-Herdecke und Alfter. Zusammen mit dem Leiter des digitalen Archivs der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, dem polnischen Historiker Krzysztof Antonczyk, führt er seit 2009 Seminare für Studenten zur medizinischen Ethik und zu den Medizinverbrechen des Nationalsozialismus in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau durch.

Privates

Er ist mit der Kunsthistorikerin und Slawistin Julia Selg verheiratet; sie leben mit ihren fünf Kindern bei Freiburg im Breisgau.

Kritik

Peter Selg publizierte 2012 eine Biografie Rudolf Steiners mit einem Umfang von 2148 Seiten. Dieses 3-bändige Werk wird im akademischen Diskurs gar nicht, in führenden anthroposophischen Publikationen weitestgehend als Fehlleistung besprochen. Ramon Brüll etwa konstatiert in der Zeitschrift „Info3“, Selgs Schrift bemühe sich um die Restauration eines Heiligenbildes. Mit der Veröffentlichung der von ihm selbst als „Lebens- und Werkgeschichte“ bezeichneten Schrift, disqualifiziere sich Selg als Wissenschaftler. Franz-Jürgen Römmeler diagnostiziert, Selgs Werk „besteche nicht durch Tiefe, sondern durch schiere Breite“. Selg bringe nichts echt Neues, sondern zitiere seitenweise lediglich die Darstellungen Dritter. Wolf-Ulrich Klünker bezeichnet seine Besprechung ausdrücklich nicht als „Rezension“, weil es sich bei Selgs Werk um den „Versuch eines Monuments“ handele. Denn auch ein Steiner sei nicht erhaben über Irrungen und Scheitern gewesen. Schuld daran seien aber nicht nur – wie Selg es schildert – eine feindliche Umwelt und unverständige Mitarbeiter gewesen. Günter Röschert bemerkt, in Selgs Schrift sei vieles nur Behauptung ohne Textgrundlage, die eigentlichen Probleme in Steiners Biographie würden überspielt. Selgs Werk sei nicht Ergebnis subjektiver / objektiver historiographischer Forschung, sondern ein Werk der Agitation.

Werke (Auswahl)

Peter Selgs Bücher sind in zehn Sprachen übersetzt und bilden die Basis seiner internationalen Vortrags- und Seminartätigkeit zum Beitrag der anthroposophischen Geisteswissenschaft für die Zivilisation der Moderne.

Zu Rudolf Steiner

Zur medizinischen Anthropologie

Zu ideellen Grundlagen der anthroposophischen Medizin

Zu Ita Wegman

Zu Opfern des Nationalsozialismus

Commons: Peter Selg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Alanus: Prof. Dr. med. Peter Selg. Abgerufen am 4. Mai 2023.
  2. ↑ Peter Selg: Versuch einer Systematik der humanphysiologischen Vorstellungen Rudolf Steiners: eine ideengeschichtliche Analyse des gesamten Vortrags- und Schriftwerkes (= Deutsche Hochschulschriften. Nr. 2389). Mikrofiche-Ausg. Auflage. Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach Frankfurt (Main) St. Peter Port 1995, ISBN 978-3-8267-2389-6 (dnb.de [abgerufen am 4. Mai 2023]).
  3. ↑ Peter Selg: Vom Logos menschlicher Physis. Bd. 2. 1919–1925. 2., korrigierte und erw. Auflage. Verl. am Goetheanum, Dornach 2006, ISBN 3-7235-1245-3.
  4. ↑ Peter Selg, Gerhard Kienle: Gerhard Kienle – Leben und Werk / Bd. 1. Eine Biographie. Verl. am Goetheanum, Dornach 2003, ISBN 3-7235-1165-1.
  5. ↑ Pressemitteilung der Universität Witten/Herdecke zu den Exkursionen mit Prof. Dr. Peter Selg. Universität Witten/Herdecke, 10. Mai 2019, abgerufen am 29. August 2019.
  6. ↑ Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 17. Mai 2023.
  7. ↑ Peter Selg: Rudolf Steiner 1861–1925. Lebens- und Werkgeschichte; 3 Bde.; Arlesheim 2012.
  8. 1 2 Wolfgang G. Vögele: Wurde Steiners Lebensweg aus geistiger Sicht dargestellt oder instrumentalisiert? nna-news.org, 24. Juni 2013, abgerufen am 10. Januar 2025.
  9. ↑ Ramon Brüll: „Info3“; „Steiner auf der Siegessäule“; März 2013.
  10. ↑ Franz-Jürgen Römmeler: „Europäer“ vom März 2013, S. 26 ff.
  11. ↑ Wolf Ulrich Klünker: Keine Buchbesprechung; In: Das Goetheanum; Nr. 11; Dornach 16. März 2013.
  12. ↑ Günter Röschert: Metaphysik der Weltentwicklung | Zur Geheimwissenschaft Rudolf Steiners. Verlag Freies Geistesleben, 2011, ISBN 978-3-7725-2670-1.
  13. ↑ Günter Röschert: Peter Selgs »Lebens- und Werkgeschichte« Rudolf Steiners; In: Die Drei; Juni 2013.
Personendaten
NAME Selg, Peter
KURZBESCHREIBUNG deutscher Anthroposoph, Facharzt für Kinder und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
GEBURTSDATUM 5. August 1963
GEBURTSORT Stuttgart