Peter W. Vaupel (* 21. August 1943 in Lemberg, Pfalz) ist ein deutscher Arzt und Physiologe/Pathophysiologe. 1989–2008 war er Direktor des Instituts für Physiologie und Pathophysiologie im Fachbereich Medizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, danach 2008–2019 Gastprofessor für Tumor-Pathophysiologie, Strategieberater an der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie sowie Expert Lecturer im Masterstudiengang Radiation Biology am Klinikum rechts der Isar der TU München tätig. Seit Oktober 2019 ist Peter Vaupel Gastprofessor an der Klinik für Strahlenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg/Br.
Nach dem Besuch der Volksschule seines Geburtsortes und des damaligen Staatlichen Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums in Pirmasens studierte Peter Vaupel von 1963 bis 1968 Medizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Von 1965 bis 1968 war er Doktorand und Wissenschaftliche Hilfskraft am Physiologischen Institut der Universität Mainz. Mit einer Dissertation zur Thermodiffusion von Ionen durch Zellmembranen wurde er 1969 zum Dr. med. promoviert. Nach der Medizinalassistentenzeit im Städtischen Krankenhaus in Pirmasens erhielt er 1970 die Approbation als Arzt. Im gleichen Jahr nahm er seine medizinisch-wissenschaftliche Tätigkeit bei Gerhard Thews am damaligen Institut für Physiologie der Universität auf. Unterbrochen wurde diese Forschungs- und Lehraktivität als Wissenschaftlicher Assistent bzw. Assistenzprofessor durch Wehrdienste als Stabsarzt / Oberstabsarzt (1972 und 1977).
Im Frühjahr 1974 habilitierte er sich mit einer Schrift zur Sauerstoffversorgung bösartiger Tumoren und wurde gleichzeitig zum Professor an der Universität Mainz ernannt. 1979 nahm er eine Einladung als Gastprofessor an das Henry Ford Hospital in Detroit an. Die Ernennung zum Leiter der Abteilung für Angewandte Physiologie am Fachbereich Medizin der Universität Mainz folgte 1983. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auf dem Gebiet der Durchblutung und Sauerstoffverteilung und des Mikromilieus im Krebsgewebe erhielt er 1986 einen Ruf als Full Professor an die Harvard University. Während einer sehr produktiven Forschungsperiode in seiner Funktion als Andrew Werk Cook Professor für Strahlenbiologie, Tumorbiologie und Physiologie erhielt er einen Ruf an die Universität Münster, den er ablehnte, und einen nach Mainz. Nach Annahme des letzteren übernahm er 1989 den Lehrstuhl für Pathophysiologie im Fachbereich Medizin der Johannes Gutenberg-Universität, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 innehatte. Seit Oktober 2008 ist er in der Sektion Tumor-Pathophysiologie an der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie der Universitätsmedizin Mainz tätig. 2011 war Peter Vaupel Gastprofessor am Department of Physiology, Batterjee Medical College in Dschidda.
Peter Vaupel ist seit vielen Jahren ein Referent bei internationalen Kongressen und wissenschaftlicher Gutachter. Er war über viele Jahre Mitglied der Medizinischen Sachverständigenkommission des Instituts für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) und Fachgutachter des Projects Committee of Cancer Research von Großbritannien (CRUK). Zehn Jahre lang war er Vorsitzender des Bereichsausschusses Vorklinik des Fachbereichs Medizin in Mainz und Prodekan (1997 bis 1999). Seit 1998 ist Peter Vaupel Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz. Von 1999 bis 2003 war er Vorsitzender deren Kommission für Medizinforschung.
Bekannt geworden ist Peter Vaupel unter anderem als Mitherausgeber der beiden Lehrbücher Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen (1980, mit Gerhard Thews und Ernst Mutschler; 7. Auflage mit Hans-Georg Schaible und Ernst Mutschler 2015) und Vegetative Physiologie (1981, mit Gerhard Thews; 5. Auflage 2005). Beide Bücher gelten als Standardwerke. Darüber hinaus ist er Autor/Koautor von 650 wissenschaftlichen Publikationen, 150 Buchbeiträgen und 800 Vorträgen/Präsentationen, sowie (Mit-)Herausgeber von 17 Fachbüchern zur Pathophysiologie bösartiger Tumore. Die von Web of Science, Semantic Scholar, Research.com bzw. ResearchGate erfassten Publikationen wurden über 42.000-mal zitiert (davon 805 „highly influential citations“, gemäß Semantic Scholar). Vaupel ist damit einer der weltweit meistzitierten Pathophysiologen. Der aktuelle h-Index liegt bei 80. Zusammen mit Michael Höckel vom Universitätsklinikum Leipzig beschrieb Peter Vaupel 1993 erstmals den wegweisenden Mechanismus der Aggressionssteigerung (malignen Progression) bei Sauerstoff-verarmten (hypoxischen) Tumoren. Beide Wissenschaftler gelten als "deutsche Pioniere" der Beschreibung der klinischen Bedeutung der Tumorhypoxie.
Das wissenschaftliche Wirken von Peter Vaupel wurde mit zahlreichen wissenschaftlichen Preisen/Ehrungen ausgezeichnet:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vaupel, Peter |
| ALTERNATIVNAMEN | Vaupel, Peter W. |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Arzt und Physiologe |
| GEBURTSDATUM | 21. August 1943 |
| GEBURTSORT | Lemberg (Pfalz) |