Pfarrkirche Waldegg

Katholische Pfarrkirche hl. Jakob der Ältere in Waldegg
Die Wikipedia wünscht sich an dieser Stelle ein Bild vom hier behandelten Ort.

Motiv: Innenraum der Kirche, Langhaus, Blick zum Chor

Falls du dabei helfen möchtest, erklärt die Anleitung, wie das geht.
BW

Die Pfarrkirche Waldegg steht in der Marktgemeinde Waldegg im Bezirk Wiener Neustadt in Niederösterreich. Die dem Patrozinium hl. Jakobus der Ältere unterstellte römisch-katholische Pfarrkirche gehört zum Dekanat Piesting im Vikariat Unter dem Wienerwald der Erzdiözese Wien. Die Kirche steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

Geschichte

Eine auf Februar 1136 datierte Urkunde (Original im Österreichischen Staatsarchiv) hält fest, dass der Edle Adalram und seine Gattin der Salzburger Kirche durch die Hand von Erzbischof Konrad I. eine Manse bei der Burg Waldeck, einen Platz zur Gründung einer Kirche samt Priesterwohnung, den Zehent der umliegenden Güter sowie fünf Unfreie übergaben. Adalram von Waldeck entstammte dem Hochfreiengeschlecht der Herren von Traisen, einem Zweig der Aribonen, und trat später gemeinsam mit seiner Frau Richinza von Perg in das von ihm mitbegründete Stift Seckau ein, wo beide in der Stiftskirche begraben sind. Da die zu gründende Kirche in der Urkunde nicht namentlich genannt wird, ist umstritten, ob sich das Dokument auf Muthmannsdorf (Pfarrkirche St. Peter im Moos) oder auf Waldegg bezieht; beide Pfarren betrachten es als ihre Gründungsurkunde. Der Landeshistoriker Karl Lechner deutete die Urkunde als Gründungsurkunde der Pfarre Muthmannsdorf, da dieser Ort der kirchliche Mittelpunkt des Herrschaftsgebietes Adalrams gewesen sei. Unter den Zeugen erscheine ein „Hiltegrim de mutenesdorf“, das Petrus-Patrozinium weise auf eine alte Salzburger Pfarrgründung hin, und Waldegg werde nie als Pfarre bezeichnet, sondern trete erst 1397 als Filiale der Pfarre Waidmannsfeld in Erscheinung. Auch die Archivgeschichte spricht nach Lechner für Muthmannsdorf: Bereits ein Seckauer Stiftsarchivar um 1500 bezog die im Klosterarchiv liegende Urkunde auf die Klosterpfarre Muthmannsdorf. Ernst Katzer hingegen sieht in der Urkunde die Gründung der Pfarre Waldegg und stützt sich dabei auf die Formulierung „iuxta castrum Waldecke“ sowie auf Grabungen bei der Renovierung der Waldegger Kirche 1985, bei denen ein in das 12. Jahrhundert datierter Vorgängerbau und zeitgleiche Gräber freigelegt wurden, wobei allerdings kein exakter Grabungsbericht des Bundesdenkmalamtes vorliegt.

Einen naturwissenschaftlichen Beitrag zur Streitfrage lieferte der Bauforscher Erwin Reidinger, der die Kirchen von Waldegg und Muthmannsdorf geodätisch vermaß und archäoastronomisch untersuchte. Seinem Ansatz liegt die Beobachtung zugrunde, dass mittelalterliche Kirchen nach dem Sonnenaufgang an bestimmten heiligen Tagen („Orientierungstagen“) ausgerichtet wurden, wobei ein Achsknick auf eine getrennte Orientierung von Langhaus und Chor hinweist. Für den 1985 ergrabenen romanischen Vorgängerbau der Waldegger Kirche ergab die Berechnung Sonnenaufgänge in den Achsen von Langhaus und Chor am Dienstag, dem 3. März, und Mittwoch, dem 4. März 1136 – gewöhnliche Wochentage, die gegen eine Orientierung in diesem Jahr sprechen. Reidinger deutet den Bau als bereits vor 1136 bestehende Burgkapelle Adalrams; schon die Formulierung der Urkunde, wonach ein Ort für eine erst zu errichtende Kirche übergeben wurde, schließe Waldegg als Neugründung aus. Beim romanischen Gründungsbau der Muthmannsdorfer Kirche ging die Sonne dagegen im Jahr 1136 an heiligen Tagen in den Achsen und Wandfluchten auf: in der Langhausachse am Patroziniumsfest Peter und Paul (29. Juni), in den Fluchten der Nord- und Südwand des Langhauses am 7. und 8. Sonntag nach Pfingsten (5. und 12. Juli) und in der Chorachse am 9. Sonntag nach Pfingsten (19. Juli). Diese vierfache Orientierung mit steigender Heiligkeit vom Langhaus zum Chor deutet Reidinger als bewusstes Bauprogramm; wegen der beweglichen Festtage wiederholt sich diese Konstellation erst 1383. Die Ausdehnung der Berechnung auf den im Niederösterreichischen Urkundenbuch angegebenen Zeitrahmen von 1121 bis 1147 ergab nur für 1136 eine schlüssige Lösung. Reidinger ordnet die Urkunde daher dem Jahr 1136 und Muthmannsdorf zu – in Übereinstimmung mit Lechner und der Datierung im Salzburger Urkundenbuch.

1784 wurde die Pfarre neu errichtet. 1786 erfolgte der barocke Neubau des Langhauses, 1792 folgte der Turm. 1985 wurden die Reste von romanischen Mauern freigelegt.

Architektur

Die im Kern romanische Chorquadratkirche erhielt einen gotischen Polygonalchor und ein barockes Langhaus mit einem vorgestellten Westturm. An der Nordseite ist ein Oratorium angebaut, an der Südseite die Sakristei. Die Kirche ist vom alten Friedhof umgeben.

Das Langhaus (dessen Mauerwerk im Kern aus dem 15. Jahrhundert stammt) zeigt große Rundbogenfenster und an der Nordseite mächtige Streben. Der eingezogene Chor aus dem 15. Jahrhundert weist einfache Spitzbogenfenster sowie Strebepfeiler mit Wasserschlägen auf. Der Turm ist durch rundbogige Schallfenster unterbrochen und trägt eine Zwiebelhaube.

An der Südfassade steht in einer Nische eine von Hanns Gasser geschaffene Frauenfigur für den Chirurgen Franz Schuh, bezeichnet mit dessen Lebensdaten 1805–65.

Ausstattung

Der neugotische Hochaltar entstand 1899 nach einem Entwurf von F. Bail, er trägt die Statuen hl. Jakobus der Ältere, flankiert von den Heiligen Peter und Paul.

Ein neugotischer Marienaltar aus dem Ende des 19. Jahrhunderts trägt eine Statue der Madonna um 1900. Auch die schlichte Kanzel stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zur Ausstattung gehören außerdem das frühere Hochaltarbild von August Wörndle (1875), das den hl. Jakobus den Älteren zeigt, zwei auf Metall gemalte Bilder von Küchenszenen (das eine mit der Heiligen Familie, das andere mit dem hl. Ignatius von Loyola und Jesuiten), Kreuzwegbilder aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sowie ein josephinisches Weihwasserbecken auf einer Säule.

Die Orgel mit 10 Registern baute Franz Capek 1908.

Literatur

Commons: Pfarrkirche Waldegg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Amadeus Reinhold Hörschläger: Die Geschichte der Pfarre „St. Peter im Moos“ zu Muthmannsdorf. Diplomarbeit an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz 1989, S. 7 f.
  2. ↑ Amadeus Hörschläger: Geschichte der Pfarre St. Peter am Moos. 1989, S. 9 f.
  3. ↑ Amadeus Hörschläger: Geschichte der Pfarre St. Peter am Moos. 1989, S. 11–16.
  4. ↑ Erwin Reidinger: 1136: Waldegg oder Muthmannsdorf. Ein Fall für die Archäoastronomie. Manuskript, im Erscheinen. 2021, S. 24–29, 31–33.
  5. ↑ Erwin Reidinger: 1136: Waldegg oder Muthmannsdorf. Ein Fall für die Archäoastronomie. Manuskript, im Erscheinen. 2021, S. 7, 12–17, 31.
  6. ↑ https://web.archive.org/web/20030808071347/http://www.odb.at/Niederoesterreich.htm

Koordinaten: 47° 52′ 10,8″ N, 16° 2′ 49,3″ O