Neben seiner Arbeit als Funktionär war Silber auch als Kapellmeister und Chorleiter tätig und komponierte Walzer, Märsche, Lieder, Operetten und eine Oper.
Bereits 1907 machte Silber Grammophonaufnahmen mit einem “Special-Orchester von Mitgliedern der Wiener Tonkünstler” für die Marken Scala und Premier. Als 1910 in Wien die 'Erste Internationale Jagdausstellung' stattfand, wurde er als Dirigent der 18 Mann starken »Manhattan-Kapelle« engagiert, die dort zur Unterhaltung der Besucher in einem Musikpavillon aufspielte. Von dieser Besetzung ist eine Aufnahme auf Premier Record erhalten. Sie belegt gleichzeitig, dass Silber neben Opernmusik und leichter Klassik nicht nur herkömmliche europäisch-wienerische Unterhaltungsmusik spielte, sondern auch neuen transatlantischen Musikformen wie dem Cake Walk aufgeschlossen gegenüberstand.
Am 14. Juni 1913 fand in Silbers Wiener Wohnung die konstituierende Sitzung des Österreichischen Komponisten-Clubs (heute Österreichischer Komponistenbund, ÖKB) statt; Silber gehörte neben Eduard Kremser (Erster Präsident) und Carl Michael Ziehrer (Erster Vizepräsident) als Zweiter Vizepräsident zum Gründungsvorstand des ÖKC. In der 4. Generalversammlung vom 2. März 1916 wurde Silber in dieser Funktion von Franz Lehár abgelöst. Ende der 1920er Jahre war Silber Generalsekretär der Gesellschaft der Konzertdirigenten, Kapellmeister und Chorleiter in Wien.
Nach seiner Deportation aus dem Ghetto Izbica am 14. Juni 1942 fehlt von Silber jedes Lebenszeichen. 1969 wurde er mit dem Deportationsdatum für tot erklärt.
1912: Der keusche Joseph. Operette. Libretto von Karl Georg Zwerenz.
Einzelnachweise
↑ Das bezog sich wohl auf die Instrumentierung, die den Notwendigkeiten der damaligen akustischen Aufnahmetechnik geschuldet war (sog. “Grammophon”-Besetzung), vgl. grammophon-platten.de
↑ Vgl. Liste bei gramofononline.hu und im Katalog der DNB
↑“Eine vergnügte Negerhochzeit” Humoristischer Cake Walke [sic] (Hermann Vollstedt): Jagdausstellung Manhattan Kapelle. Dirigent: Dr. Philipp Silber, Wien. Premier Record C.A.A. 5232 (mx. K 19 000), recorded Vienna 1910.
↑ Selbstverständlich hatte er neben eigenen Kompositionen ("Lichtenthaler Marsch", Walzer "Rose von Schiras") Märsche, Walzer und Polkas österreichischer Komponisten wie Alois Neidhart, C.M. Ziehrer und Franz Lehár im Repertoire, vgl. Musikkatalog DNB
Ausstellungs-Kommission Internationale Jagd-Ausstellung (Hrsg.): Die erste internationale Jagd-Ausstellung Wien 1910: offizieller Katalog. Wien, Verlag der Ausstellungs-Kommission, 1910. Länge 376 Seiten
Monika Oberhammer: Bemerkungen zur Ersten Internationalen Jagdausstellung Wien 1910, on line unter
Simon Géza Gábor und Wolfgang Hirschenberger (Hrsg.): Ragtime-Diszkográfia, Osztrák-Magyar Monarchia 1900-1928. Jazzkutatás 1. Jänner 1999, online (Memento vom 1. Juni 2016 im Internet Archive)
Simon Géza Gábor: Populäre Musik und Jazz in Österreich. Historische Tondokumente 1902–1920. Jazzkutatás 31. Mai 2013, online (Memento vom 23. April 2016 im Internet Archive)
Wolfgang Hirschenberger: kuk Ragtime. on line unter jazzfreunde.at (PDF; 2,1MB). Hier s. 12 - 14 Abbildungen der »Manhattan Kapelle«, des Etiketts der Premier Record 5232, des Kinematographischen Salons der Ausstellung.
Einträge zu Dr. Philipp Silber im Katalog der DNB, Musikarchiv
Tondokument: “Eine vergnügte Negerhochzeit” Humoristischer Cake Walke [sic] (Hermann Vollstedt): Jagdausstellung Manhattan Kapelle. Dirigent: Dr. Philipp Silber, Wien. Premier Record C.A.A. 5232 (mx. K 19 000), recorded Vienna 1910