Philipp Zitzlsperger

Philipp Zitzlsperger (* 15. März 1965 in München) ist ein deutscher Kunsthistoriker, Bildwissenschaftler und Professor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck.

Philipp Zitzlsperger im Hörsaal an der Universität Innsbruck (2025)

Leben

Philipp Zitzlsperger wurde am 15. März 1965 in München geboren. Nach dem Abitur am dortigen Klenze-Gymnasium leistete er Zivildienst und studierte anschließend klassische Percussion und Schlagzeug an der Schlagzeugschule Dante Agostini. Einige Jahre war er als Musiker tätig, bis er das Studium der Kunstgeschichte mit den Nebenfächern Archäologie und Neuere Geschichte an der Ludwigs-Maximilians-Universität München absolvierte.

Nach einem mehrjährigen Romaufenthalt, wo ihn seine Tätigkeiten und Studien unter anderem in die Bibliotheca Hertziana und in die Bibliotheca Vaticana führten, promovierte Zitzlsperger im Jahr 2000 über die barocken Papst- und Herrscherporträts des Gianlorenzo Bernini bei Bernhard Schütz in München. Die Dissertation wurde unter dem Titel „Gianlorenzo Bernini. Die Papst- und Herrscherporträts. Zum Verhältnis von Bildnis und Macht“ gedruckt. Von 2002 bis 2010 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. Zusammen mit Arne Karsten initiierte er das Forschungsprojekt über römische Sepulkralskulptur „Requiem – Die römischen Papst- und Kardinalsgrabmäler der Frühneuzeit“. Die Projektleiter des Kooperationsprojektes zwischen der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Fribourg waren Horst Bredekamp und Volker Reinhardt.

2007 habilitierte sich Zitzlsperger an der Humboldt-Universität zu Berlin mit der Arbeit „Kleider sprechen Bände. Kostümkunde als Methode der Kunstgeschichte erläutert an Beispielen von Crivelli, Dürer, Giorgione, Tizian, Raffael und Bernini“, die er in verschiedenen Aufsätzen und v. a. unter dem Titel „Dürers Pelz und das Recht im Bild. Kleiderkunde als Methode der Kunstgeschichte“ veröffentlichte. Weiters engagiert sich Zitzlsperger für das Fach der Kunstgeschichte im Ulmer Verein, in dessen Vorstand er von 2004 bis 2013 arbeitete. Schwerpunkte seiner Arbeit waren die Reaktivierung des KSK (Kunsthistorischer Studierendenkongress) sowie die Stärkung der Einheit von Kunstgeschichte und Bildung, die letztendlich in der Öffnung des Faches der Kunst- und Bildgeschichte für die Lehrerausbildung an den Universitäten münden müsste.

2010 trat Zitzlsperger die Professur für Kunst- und Designgeschichte am Fachbereich Design der Hochschule Fresenius in Berlin an. Dort war er auch Prodekan für Forschung und ab 2021 Dekan des Fachbereichs Design. 2022 erfolgte die Berufung auf die Professur für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an das Institut für Kunstgeschichte der Universität Innsbruck.

Wissenschaftlicher Fokus

Philipp Zitzlsperger vertritt einen gattungsübergreifenden Kunst- und Bildbegriff. Dabei beschäftigt er sich mit gesellschaftlichen Symbolsystemen aller Kulturen (territorial, ethnisch, geschlechtlich, politisch). In seiner universitären Lehre und Forschung verfolgt er den bild- und sozialanthropologischen Ansatz, dass Visuelle Kulturen sprachlichen Strategien der Weltaneignung und damit Weltdeutung nicht immer nachgeordnet sind, sondern vor allem auch vorsprachliche Äußerungen sein können. Schwerpunkte in seiner Forschung und Lehre bilden die Kunstgeschichte des Mittelalters und der Frühneuzeit, die materielle Kultur der Frühaufklärung, insbesondere eine Vestimentäre Kunstgeschichte ("Kostümargument" der Bilder), sowie Rezeptions-, Projektionsgeschichte und sozialhistorische Relevanz der Kunst- und Bildgeschichte. Das von ihm mitinitiierte BMBF-Verbundprojekt zum Thema „Parvenue“ behandelte Karriereverläufe von Schnellaufsteigern im Kontext ihrer materiellen Kultur. Unter anderem beschäftigte sich Zitzlsperger mit der Pastellmalerin Rosalba Carriera. Er zeigte ihren Aufstieg im Wechselverhältnis von innovativer malerischer Leistung und der „dissimulatio“, der Kunst der Verstellung bei ihrer Lebensführung. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschungen liegt in der Verbindung von Kunst und Ironie als höfischer Kulturtechnik der „dissimulatio“ (zum Beispiel im integrierten Selbstporträt). Der damit einhergehenden Ambiguität der Bildsemantik gilt auch Zitzlspergers erhöhte Aufmerksamkeit auf dem Gebiet der Genderforschung, insbesondere der androgynen Christusdarstellungen wie er sie in seinem Aufsatz über Leonardos Christus Salvator beschreibt.

Als ein Manifest gegen die Hierarchie von „High und Low Art“ gilt sein Buch „Das Design-Dilemma zwischen Kunst und Problemlösung“ 2021 (englische Übersetzung 2024). Es beschreibt den Wandel des Designs von einer Kunst- zu einer solutionistischen Problemlösungsdisziplin im Kräftefeld eines vermeintlichen „Auraverlust“, der Sinneshierarchien oder der Philosophie des amerikanischen Pragmatismus.

Auszeichnungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monographien

Herausgeberschaften

Beiträge in Sammelwerken und Zeitschriften

Einzelnachweise

  1. ↑ Universität Innsbruck: Universität Innsbruck - Institut für Kunstgeschichte. In: Universität Innsbruck. Universität Innsbruck, abgerufen am 26. März 2025.
  2. ↑ Ulrike Bleek, Philipp Zitzlsperger: Rom: ein aktuelles Reisehandbuch. Nelles, Freiburg 2000, ISBN 978-3-88618-740-9.
  3. ↑ FAZ: Rezension Sachbuch: Dreizehnmal wollte er gemeißelt sein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. FAZ, 13. September 2002, abgerufen am 26. März 2025.
  4. ↑ Humboldt Universität zu Berlin - Institut für Kunst- und Bildgeschichte: Ehemalige Professuren. In: Institut für Kunst- und Bildgeschichte. Humboldt Universität zu Berlin, abgerufen am 26. März 2025.
  5. ↑ Philipp Zitzlsperger: Rrquiem – Die römischen Papst- und Kardinalsgrabmäler der frühen Neuzeit Ergebnisse, Theorien und Ausblicke des Forschungsprojekts (2010)., auf academia.edu
  6. ↑ Susanne Blankenstein: Rezension zu: Philipp Zitzlsperger: Dürers Pelz und das Recht im Bild. Kleiderkunde als Methode der Kunstgeschichte. Akademie Verlag, Berlin, 2008. In: Portal Kunstgeschichte. 16. März 2009, abgerufen am 26. März 2025.
  7. ↑ Vorstand des Ulmer Vereins
  8. ↑ Das Fundament für die Thematik bildete die Zusammenarbeit mit Barbara Welzel, die an der Universität Dortmund lehrt und sich bereits seit Anfang der 2000er Jahre für das Thema bis heute engagiert.
  9. ↑ Universität Innsbruck: Universität Innsbruck Institut für Kunstgeschichte. Universität Innsbruck, 26. März 2025, abgerufen am 26. März 2025.
  10. ↑ Philipp Zitzlsperger: Dürers Pelz und das Recht im Bild. Kleiderkunde als Methode der Kunstgeschichte. Akademie, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004522-1.
  11. ↑ Christian Janecke: Rezension zu Philipp Zitzlsperger: Das Design-Dilemma zwischen Kunst und Problemlösung, Ostfildern: Hatje Cantz 2021. In: Sehepunkte. 2021, abgerufen am 26. März 2025.
  12. ↑ Börsenverein des deutschen Buchhandels: Förderpreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels („Geisteswissenschaften International“). Abgerufen am 27. März 2025.
  13. ↑ Philipp Zitzlsperger: Grabmal und Körper – zwischen Repräsentation und Realpräsenz in der Frühen Neuzeit. In: kunsttexte.de. kunsttexte.de, 2010, abgerufen am 26. März 2025.
  14. ↑ Sabine de Günther und Philipp Zitzlsperger: Signs and Symbols. Dress at the Intersection between Image and Realia. In: DeGruyter. DeGruyter, 2018, abgerufen am 26. März 2025 (englisch).
  15. ↑ Julia Trinkert und Philipp Zitzlsperger: Parvenue: Bürgerlicher Aufstieg im Spiegel der Objektkultur im 18. Jahrhundert. In: arthistoricum.net. arthistoricum.net, 2023, abgerufen am 26. März 2025.
  16. ↑ Philipp Zitzlsperger: Zur Wirklichkeit der Dinge im Bild. In: Kritische Berichte. Kritische Berichte, 2011, abgerufen am 26. März 2025.
  17. ↑ Philipp Zitzlsperger: Renaissance artists’ portraits and the moral judgement of taste. In: Journal of Art Historiography. Journal of Art Historiography, 2017, abgerufen am 26. März 2025 (englisch).
  18. ↑ Philipp Zitzlsperger: Die Lettner in Wien und Straßburg. Über die Ambiguität des Kirchenraums und seiner Ausstattung. In: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft. Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft, abgerufen am 26. März 2025.
  19. ↑ Philipp Zitzlsperger: Lemma „Rüstung“. In: Compendium Heroicum. Abgerufen am 26. März 2025.
  20. ↑ Philipp Zitzlsperger: Nachruf auf Jörg Trempler (1970-2024). In: kritische berichte. kritische berichte, 2025, abgerufen am 27. März 2025.
Personendaten
NAME Zitzlsperger, Philipp
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kunsthistoriker
GEBURTSDATUM 15. März 1965
GEBURTSORT München