Phranc

Phranc (2011)

Phranc (* 28. August 1957 als Susan Gottlieb in Santa Monica, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Singer-Songwriterin und Künstlerin. Sie war zu Beginn ihrer Karriere Ende der 1970er Jahre Mitglied in verschiedenen Gruppen der Punkrock-Szene von Los Angeles. Als Solokünstlerin änderte sich ihr Musikstil in den 1980er Jahren hin zu einer typisch amerikanischen, jüdischen und lesbischen Folksängerin („All-American Jewish lesbian folksinger“), wie sie es selbst ausdrückte.

Karriere

Phranc wuchs in Los Angeles auf. Ihre Karriere begann sie Ende der 1970er Jahre und in den frühen 1980er Jahren in der Punkrock-Szene ihrer Heimatstadt. Sie hatte einen blondierten Kurzhaarschnitt und trug Männerkleidung, sodass sie als androgyne Person mit ihrer ersten, 1978 gegründeten Band Nervous Gender auftrat; im Punk-Fanzine Slash wurde ihr Aussehen als das eines 14-jährigen Ausreißers aus einer Schule für Schwererziehbare beschrieben. Phranc verließ 1980 die Band, um Mitglied der Punkband Catholic Discipline zu werden, in der unter anderem Claude Bessy Frontsänger war. Mit Catholic Discipline war Phranc auch in dem Dokumentarfilm The Decline of Western Civilization zu sehen. Phranc war außerdem Mitglied der feministischen, ausschließlich weiblich besetzten Punkband Castration Squad, bei der auch Alice Bag Mitglied war.

In den 1980er Jahren verfolgte Phranc eine Solokarriere. Sie trat 1981 als Phranque im Film Madame Wang’s von Paul Morrissey auf. Sie begann außerdem Akustikgitarre zu spielen und veröffentlichte 1985 das Album Folksinger bei Rhino Records. Sie begleitete Musiker und Gruppen wie The Smiths, Hüsker Dü, Violent Femmes und Billy Bragg als Supporting Act auf deren Konzerten. Sie stilisierte sich selbst als „All-American Jewish Lesbian Folksinger“ und mit einem ironischen Sinn von Humor veröffentlichte sie 1989 das Album I Enjoy Being a Girl bei Island Records, wobei auf dem Cover eine Photographie von ihr mit ihrer Flattopfrisur zu sehen ist. Adam Block beschrieb Phranc nach einem Liveauftritt als faszinierende Künstlerin, da sie ihre Androgynie mit müheloser Selbstsicherheit ausdrücke und mit lakonischem Witz ihrer leidenschaftlichen Meinung Ausdruck gebe. 1991 veröffentlichte sie mit Positively Phranc ihr drittes Studioalbum.

Phranc gilt als wichtige Vertreterin der Queercore-Bewegung, was sich beispielsweise durch das Lied Uncle Phranc von Team Dresch zeigt. In den 1990er Jahren arbeiteten viele Bands und Musiker, die dem Queercore zugeordnet werden, mit ihr, so war sie beispielsweise Gastmusikerin auf dem Album Captain My Captain von Team Dresch. Im Gegenzug spielten unter anderem Mitglieder von Team Dresch, Tobi Vail von Bikini Kill, Patty Schemel von Hole auf ihrer EP Goofyfoot und bei anderen Liedern. Im Dokumentarfilm She’s Real, Worse Than Queer von Lucy Thane ist Phranc auf der Bühne und beim Interview zu sehen. Sie trat zudem bei verschiedenen Queercore-Veranstaltungen auf, beispielsweise beim Homo-a-go-go-Festival in der US-amerikanischen Stadt Olympia. In den 1990er Jahren trat Phranc in ihrem Programm „Hot August Phranc“ als Neil Diamond auf. 1998 gab Phranc ihr viertes Album Milkman heraus, welches, wie die meisten ihrer neueren Veröffentlichungen, über ihr eigenes Independent-Label Phancy Records veröffentlicht wurde.

Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ging Phranc dem Nebenjob als Tupperware-Verkäuferin und -Managerin nach. Darüber wurde im Jahr 2001 der Dokumentarfilm Lifetime Guarantee: Phranc’s Adventure in Plastic unter Regie von Lisa Udelson veröffentlicht, der auf mehreren Filmfestivals Zuschauerpreise gewann. Im Film wird gezeigt, dass Phranc trotz Verkaufserfolgen, Enthusiasmus und ihres Bekanntheitsgrades enttäuscht war, dass sie vom Vertriebsteam von Tupperware kaum Anerkennung bekam. Ihr Online-Shop wurde zwischen 2008 und 2013 geschlossen.

Sie tritt zwar noch vereinzelt musikalisch auf, widmet sich aber mehr der Bildenden Kunst. In der Besprechung einer ihrer von Ann Magnuson kuratierten Einzelausstellungen in der New York Times wurde sie mit Claes Oldenburg und Andy Warhol verglichen. Ihre erste große Einzelausstellung an der US-amerikanischen Westküste hatte Phranc 2011 bei der Craig Krull Gallery, die sie bis heute vertritt.

Phrancs Retrospektive The Butch Closet wurde 2023 in der Craig Krull Gallery in Santa Monica ausgestellt. Als interdisziplinäre Ausstellung umfasste sie neue und ältere Werke sowie Erinnerungsstücke, private Filmaufnahmen, Merchandise-Artikel und andere Dinge aus ihrer 40-jährigen Karriere als Musikerin und bildende Künstlerin.

Persönliches

Phranc lebt mit ihrer Frau, der Autorin und ehemaligen Schauspielerin Lisa Freeman, im kalifornischen Santa Monica. Sie haben zwei Töchter.

Diskographie

Alben

Ausstellungen

Einzelausstellungen

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Commons: Phranc – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Chale Nafus: Legacy Award: Phranc / Frank Talk about Phranc. In: outsiderfest.org. OUTsider, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. Oktober 2021; abgerufen am 21. Februar 2026 (englisch).
  2. 1 2 Carla Meyer: A PASSION FOR PLASTIC / Lesbian folksinger Phranc's career in Tupperware is documented in Lisa Udelson's fillm. In: sfgate.com. San Francisco Chronicle, 20. Juni 2001, abgerufen am 21. Februar 2026 (englisch).
  3. ↑ Martin Charles Strong: The Great Indie Discography: complete discographies listing every track recorded by more than 2,000 artists. Canongate Books Ltd., Edinburgh 2003, ISBN 978-1-84195-335-9, S. 453 (archive.org).
  4. ↑ VD: Nervous Gender, fear, brainiacs at the anticlub. In: Slash Magazine. Band 3, Nr. 1, 12. Juni 1979, S. 36 (synthpunk.org).
  5. ↑ Adam Block: Flat-top Fantasies, Post-punk Politics from Folksinger Phranc. In: The Advocate. Nr. 451, 22. Juli 1986, ISSN 0001-8996, S. 43 (monkeychicken.com [PDF]).
  6. ↑ Michele Kort: Phranc. In: The Advocate. Nr. 742, 16. September 1997, ISSN 0001-8996, S. 65.
  7. ↑ Adam Block: Of Flattops, Fake Fags, and Real Benefits. In: The Advocate. Nr. 527, 20. Juni 1989, ISSN 0001-8996, S. 64 (monkeychicken.com [PDF]).
  8. ↑ Adam Block: Phranc Talk: The Dreams and Desires of an All-American Jewish Lesbian Folksinger. In: The Advocate. Nr. 545, 27. Februar 1990, ISSN 0001-8996, S. 57 (monkeychicken.com [PDF]).
  9. ↑ Jim Farber: Positively Phranc (1991). In: ew.com. Entertainment Weekly, 12. April 1991, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. September 2012; abgerufen am 21. Februar 2026 (englisch).
  10. ↑ Adam Block: A lavender avalanche... In: The Advocate. Nr. 573, 26. März 1991, ISSN 0001-8996, S. 71 (monkeychicken.com [PDF]).
  11. ↑ Jhoni Jackson: 7 Queer Latinx Punk Icons You Should Know. In: remezcla.com. 23. Juni 2016, abgerufen am 21. Februar 2026.
  12. ↑ Degen Pener: EGOS & IDS; Phranc, As in Frank Or Neil. In: nytimes.com. The New York Times, 15. August 1993, abgerufen am 21. Februar 2026.
  13. ↑ Phranc – Milkman. In: discogs.com. Abgerufen am 21. Februar 2026.
  14. ↑ Lifetime Guarantee: Phranc's Adventure in Plastic – Auszeichnungen. In: imdb.com. Abgerufen am 21. Februar 2026.
  15. ↑ Marlow Harris: Tupperware Party by Phranc. In: unusuallife.com. 4. Februar 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 15. Februar 2015; abgerufen am 21. Februar 2026 (englisch).
  16. ↑ Martha Schwendener: Art in Review: Ron Linden, Phranc: Cue Art Foundation. In: nytimes.com. The New York Times, 21. Dezember 2007, abgerufen am 21. Februar 2026.
  17. ↑ Phranc. In: craigkrullgallery.com. Abgerufen am 21. Februar 2026.
  18. ↑ Candace Hansen: Phranc opens 'The Butch Closet' in Santa Monica. It's queer life meticulously documented in cardboard. In: latimes.com. Los Angeles Times, 28. Oktober 2023, abgerufen am 21. Februar 2026.
  19. ↑ Shauna Swartz: Where Are They Now? Musician and Artist Phranc. In: afterellen.com. 12. März 2007, abgerufen am 21. Februar 2026.
  20. ↑ Alicia Vogl Saenz: Phranc: One O’ The Girls. In: aliciabird.me. 25. September 2021, abgerufen am 23. Februar 2026.
Personendaten
NAME Phranc
ALTERNATIVNAMEN Gottlieb, Susan (wirklicher Name)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Gitarristin, Sängerin und Songwriterin sowie Künstlerin
GEBURTSDATUM 28. August 1957
GEBURTSORT Santa Monica, Kalifornien, Vereinigte Staaten