Physical unclonable function

Physical unclonable functions (auch Physically unclonable functions) oder kurz PUF sind Hardwarestrukturen in einem Halbleiter, die dazu dienen, eine eindeutige Identifikation des Halbleiters zu ermöglichen oder Schlüssel für kryptografische Verfahren zu sichern. Halbleiter (im Folgenden als Systeme bezeichnet) können komplette elektronische Chipkarten oder Mikroprozessoren sein, insbesondere solche mit Hardware Security Module (HSM) für kryptografische Aufgaben. Wie ein Fingerabdruck ist die PUF ein individuelles Merkmal, welches an ein physikalisches Objekt gebunden ist. PUF werden als physikalisches Primitiv (in Anlehnung an ein kryptographisches Primitiv) eingestuft.

Geschichte

Erste Versuche mit PUF bestanden aus einer Scheibe aus einem lichtdurchlässigen Material, in deren Schmelze bereits reflektierende Partikel eingemischt wurden. Die Scheibe wurde beleuchtet und Sensoren erfassten das reflektierte Licht. Der Herstellungsprozess und der Aufbau von Lichtquelle und Sensoren waren zwar immer gleich, jede Scheibe lieferte den Sensoren aber jeweils ein anderes Bild. Das Grundprinzip konnte später auf Halbleiterschaltungen übertragen werden.

Anwendungen

Anwendungsmöglichkeiten werden auf folgenden Gebieten gesehen:

Funktionsprinzip

Die PUF basieren darauf, dass durch kleinste Schwankungen im Produktionsprozess bestimmte Baugruppen ein individuelles Verhalten zeigen, obwohl durch das Produktionsverfahren absolut gleiche Teile entstehen sollten. Systeme mit einer PUF-Einheit werden daher alle im absolut gleichen Produktionsprozess hergestellt und erfahren – zumindest im Hinblick auf die PUF – keinerlei individuelle Bearbeitung.

Die PUF-Einheit in der Hardware enthält Bereiche, die eine Eingabe (Challenge) mit bekannten Methoden (Funktion) verarbeiten und daraus einen Rückgabewert (Response) erzeugen. Teil dieses Challenge-Response-Verfahrens ist die PUF, die über ihr Verhalten eine für das Bauteil eindeutige Veränderung des Rückgabewertes verursacht.

Darüber hinaus kann beispielsweise durch kryptografische Hashes das Challenge-Response-Verfahren soweit abgesichert werden, dass aus Eingabe und Rückgabewert nicht auf das Verhalten der PUF zurückgeschlossen werden kann.

In Hardware gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, von denen einige im Folgenden dargestellt werden.

SRAM PUF

Ein Register eines SRAMs hat nach dem Einschalten zunächst eine zufällige Belegung der Bits mit 0 oder 1. Für die Funktion als PUF ist entscheidend, dass bei jedem Einschalten immer wieder die gleiche (oder überwiegend gleiche) Belegung mit 0/1 vorliegt, dass diese Belegung jedoch von System zu System anders ist.

Ringoszillator PUF

Bei einer Ringoszillator-PUF werden verschiedene Glieder mit zeitlicher Verzögerung rückgekoppelt und beispielsweise auf einen Eingang eines Multiplexers gelegt. Die Dauer der Schwingung hängt wieder von kleinen Produktionstoleranzen ab und ist individuell für die PUF. Der Rückgabewert wird aus dem Vergleich von Oszillatorfrequenzen erreicht oder aus dem Auslesen eines Multiplexers zu einem bestimmten Zeitpunkt. Durch geschickten Vergleich lassen sich Schwankungen in den Umgebungsbedingungen vorteilhaft eliminieren.

Notwendige Eigenschaften für Sicherheitsanwendungen

Damit PUF in kryptografischen Anwendungen eingesetzt werden können, sind verschiedene Eigenschaften erforderlich:

Andere Verfahren und Vorteile

PUF erfüllen die gleiche Funktion wie Halbleiter, die nach der Produktion über das gezielte Durchbrennen einiger Halbleiterbauelemente (Fuse-Bit) oder über einen softwaremäßig abgelegten Schlüssel in einem nichtflüchtigen Speicher individualisiert werden.

Der Vorteil der PUF liegt in den günstigen Kosten, da am Ende des Produktionsprozesses (im Rahmen der Funktionsprüfung) die PUF nur noch ausgelesen werden muss, damit der Schlüssel oder eine bestimmte Anzahl von Challenges und Responses in einer Datenbank abgelegt und der Halbleiter später jederzeit über die PUF identifiziert bzw. authentifiziert werden kann.

Darüber hinaus können einige einfache Angriffe auf das System ausgeschlossen werden. Eine Veränderung der PUF bedeutet eine Manipulation der mikroskopischen Bauteile auf der Schaltung, worauf einige PUF-Typen ihre Eigenschaften irreversibel und erkennbar ändern.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Roel Maes: Physically Unclonable Functions – Constructions, Properties and Applications. 1. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-41394-0, Abschnitt 2.3.1 (englisch).
  2. ↑ Roel Maes: Physically Unclonable Functions – Constructions, Properties and Applications. 1. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-41394-0, Abschnitt 2.1.1 (englisch).
  3. ↑ Swarup Bhunia; Sandip Ray; Susmita Sur-Kolay (Hrsg.): Fundamentals of IP and SoC Security. Springer International Publishing, 2017, ISBN 978-3-319-50055-3, Abschnitt 6.1 (englisch).
  4. ↑ Rainer Plaga: Was sind „Physical Unclonable Functions“ und welchen Zielen dienen sie? Hrsg.: DuD – Datenschutz und Datensicherheit. Springer Gabler / Springer Fachmedien, April 2015, ISSN 1614-0702, Abschnitt 1. Einleitung, S. 219–223.
  5. ↑ UMABASA Projekt nach Rainer Plaga: Was sind „Physical Unclonable Functions“ und welchen Zielen dienen sie? Hrsg.: DuD – Datenschutz und Datensicherheit. Springer Gabler / Springer Fachmedien, April 2015, ISSN 1614-0702, S. 219–223, System nach Abbildung 3.
  6. ↑ Patent CN000204291000: Advanced encryption standard (AES) secret key generation structure based on physical unclonable function (PUF) of latch-type voltage sensitive amplifier. Angemeldet am 15. Dezember, veröffentlicht am 22. April, Anmelder: UNIV TIANJIN, Erfinder: HE JIAJI; SHU QINGRAN; YANG SONG; ZHAO YIQIANG.‌
  7. ↑ Patent EU000002911335: Physikalisch unklonbares funktionsbasiertes Fälschungsschutzsystem. Angemeldet am 21. Februar 2014, veröffentlicht am 26. August 2015, Anmelder: European Union represented by the European Commiss, BE, Erfinder: Baldini Gianmarco (IT), Nai Fovino Igor (IT), Sanchez Martin Jose Ignacio (IT).‌
  8. ↑ Patent EP000001941652: Integrated Physical Unclonable Function (Puf) with Combined Sensor and Display. Angemeldet am 2. Oktober, veröffentlicht am 25. September, Anmelder: Koninkl Philips Electronics NV, NL, Erfinder: Akkermans Antonius Hermanus Maria, NL; Ophey Willem Gerard, NL; Skoric Boris, NL; Tuyls Pim Theo, NL.‌
  9. ↑ Patent DE102013202001: Verfahren zum Versehen eines mobilen Endgeräts mit einem Authentisierungszertifikat. Angemeldet am 7. Februar 2013, veröffentlicht am 10. August 2017, Anmelder: Bundesdruckerei GmbH, 10969, Berlin, DE ; Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V., 80686, München, DE, Erfinder: Dietrich, Frank, 12437, Berlin, DE ; Eckert, Claudia, Prof. Dr., 85748, Garching, DE ; Krauß, Christoph, Dr., 85748, Garching, DE ; Paeschke, Manfred, Dr., 16348, Wandlitz, DE ; Stumpf, Frederic, Dr., 85748, Garching, DE.‌
  10. ↑ Rainer Plaga: Was sind „Physical Unclonable Functions“ und welchen Zielen dienen sie? Hrsg.: DuD – Datenschutz und Datensicherheit. Springer Gabler / Springer Fachmedien, April 2015, ISSN 1614-0702, 2.1 PUF-Schaltung, S. 219–223.
  11. ↑ Stefan Katzenbeisser, André Schaller: Physical Unclonable Functions – Sicherheitseigenschaften und Anwendungen. Hrsg.: DuD – Datenschutz und Datensicherheit. Springer Gabler / Springer Fachmedien, Dezember 2012, ISSN 1614-0702, S. 881–885.
  12. ↑ Patent EP10012987: Fehlerkorrektur für Physikalisch unklonbare Funktionen. Angemeldet am 14. April 2003, veröffentlicht am 5. Oktober, Anmelder: MASSACHUSETTS INST TECHNOLOGY, US, Erfinder: CLARKE DWAINE, BB ; DEVADAS SRINIVAS, US ; GASSEND BLAISE, US.‌