Pia Gyger

Pia Gyger (2009)

Pia Gyger (* 2. November 1940 in Schaffhausen; † 14. Juli 2014 in Basel) war eine Schweizer Heilpädagogin, Psychologin, Autorin, Kontemplationslehrerin und Zen-Meisterin.

Leben

Pia Gyger besuchte die Grundschule in Abtwil SG. Nach einer Grundausbildung als Heilpädagogin im Heilpädagogischen Seminar und verschiedenen Stellen in Erziehungsheimen, bildete sie sich von 1972 bis 1975 am Zürcher Institut für Angewandte Psychologie (IAP) zur Psychologin weiter. 1976 entwickelte sie im Auftrag des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement ein neues Konzept für das Therapieheim Sonnenblick in Kastanienbaum für besonders schwierige weibliche Jugendliche, das sie bis 1982 leitete.

1968 trat Pia Gyger in das Säkularinstitut Katharina-Werk in Basel ein. 1982 wurde sie zur Zentralleiterin des Katharina-Werkes gewählt. Diese Funktion übte sie bis 1994 aus. Sie erneuerte während ihrer Amtszeit – inspiriert von Teilhard de Chardin SJ – die Gemeinschaft spirituell und strukturell. Ihre 1993 erschienene Publikation mit dem Titel «Mensch verbinde Erde und Himmel – Christliche Elemente einer kosmischen Spiritualität» legt davon Zeugnis ab.

In den Jahren 1978 bis 1996 absolvierte sie berufsbegleitend eine Zen-Ausbildung bei Hugo Makibi Enomiya-Lassalle in Europa, Yamada Koun (Sanbô Kyôdan, heute Sanbôzen) in Kamakura/Japan, sowie bei Robert Aitken Rōshi (Diamond Sangha) auf Hawaii. Aitken Rōshi erteilte ihr im Mai 1996 die erste Dharma-Übertragung (Affliliate Teacher) und gab ihr den Namen «One Ground/Ichi-Do».

Danach unterwies Pia Gyger zahlreiche Schülerinnen und Schüler, in jährlich mehrmals stattfindenden Kontemplationskursen, Zen-Sesshin und Zen-Zazenkai.

Pia Gyger war 1996 zusammen mit Bernie Tetsugen Glassman, seiner Frau, Sandra Jishu Holmes und Pater Niklaus Brantschen SJ beteiligt an der Gründung der Zen-Peacemaker-Bewegung, einer Gemeinschaft, die sich in der Schweiz und international in sozialen, interreligiösen und interkulturellen Projekten engagiert.

Im Februar 1999 wurde Pia Gyger durch Bernard Glassman Roshi (White Plum Sangha) in der Inka Shomei-Zeremonie, zusammen mit Niklaus Brantschen SJ, in Litchfield/Connecticut zur Zen-Meisterin «Jin-Ju» ernannt. Eine Nachfeier fand im Sommer 2000 im Lassalle-Haus Bad Schönbrunn statt.

1989 initiierte Pia Gyger in Ibayo, einem Slum am Rande von Manila (Philippinen) eine Schule zur spirituell-politischen Bewusstseinsbildung junger Menschen.

Zurück in der Schweiz gründete sie 1995 zusammen mit Niklaus Brantschen das Lassalle-Institut, welches beide bis 2003 gemeinsam leiteten. Im Dezember 2001 veröffentlichte das Lassalle-Institut die Studie «Ethik 2002», ein Nachschlagewerk für Firmen, das die ethischen Standards und Trends in der Wirtschaft aufzeigt. Vier Jahre später folgte die Studie «Ethik 2006» für die über 800 Politiker befragt wurden.

Der Jesuitenorden und das St. Katharina-Werk gingen 2000 eine Partnerschaft ein mit dem Zweck, das Lassalle-Haus Bad Schönbrunn institutionell gemeinsam zu führen. Für das Zustandekommen dieses Vertrags setzten sich sowohl Pia Gyger als auch P. Niklaus Brantschen gemeinsam ein.

Ausgelöst durch eine schwere Erkrankung entwickelte Pia Gyger 2003 die Vision und das Jerusalem-Projekt «Jerusalem – Offene Stadt zum Erlernen des Friedens in der Welt». Auch an diesem Projekt war P. Niklaus Brantschen beteiligt.

Die jahrzehntelange Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem Jesuitenpater Niklaus Brantschen führte 2003 zur Gründung der Lassalle-Zen-Linie und der Kontemplationsschule «Via Integralis». Gemeinsam ernannten Pia Gyger und Niklaus Brantschen ab 2003 sieben Zen-Lehrer. Im Buch mit dem Titel «Via Integralis: Wo Zen und christliche Mystik sich begegnen» wird davon berichtet.

Pia Gyger und P. Niklaus Brantschen machten aus ihrer gegenseitigen Zuneigung kein Geheimnis. In einem 2013 erschienenen Buch mit dem Titel «Es geht um die Liebe: Aus dem Leben eines zölibatären Paares» thematisierten sie ihre Liebe. Die Buchvernissage fand im Oktober 2013 im Lassalle-Haus statt.

In diversen Veröffentlichungen entwickelte Pia Gyger die Themen, die ihr am Herzen lagen: Evolution, Bewusstseinsentwicklung, Umgang mit Macht, die neue Partnerschaft von Frau und Mann, die Vision einer neuen Schöpfung, die kosmische Wandlung, die Erneuerung der Kirche u. a.

Pia Gyger verstarb nach langer schwerer Krankheit am 14. Juli 2014 im Generationenhaus Neubad in Basel.

Werke

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Pia Gyger ist in Basel gestorben. In: Neue Zuger Zeitung. Nr. 167, 22. Juli 2014.
  2. ↑ Alice Potz: Politisches Engagement aus spiritueller Quelle. In: Schönbrunner Informationen. Nr. 8, April 1997.
  3. ↑ Monika Wegmann: Zwei katholische Zenmeister - Nachfeier im Lassalle-Haus, Bad Schönbrunn. In: Neue Zuger Zeitung. Nr. 109, 12. Mai 1999.
  4. ↑ Monika Wegmann: Ein wunderbares Geschenk - Pia Gyger, die ehemalige Leiterin des St. Katharina-Werkes und erste Zen-Meisterin der Schweiz. In: Neue Zuger Zeitung. Nr. 180, 6. August 1999.
  5. ↑ Niklaus Brantschen: Das Lassalle-Haus bekommt eine "Tochter". In: Schönbrunner Informationen. Nr. 5, Oktober 1995, S. 1.
  6. ↑ Pia Gyger: Buddhisten und Christen für eine bessere Welt. In: Neue Zuger Zeitung. 3. Februar 1996.
  7. ↑ Beat Camenzind: Vom Shareholder-Value zu echten Werten - Anna Gamma und Pia Gyger vom Lassalle-Institut wissen, was der Wirtschaft fehlt - eine Studie unterstützt ihre Einsichten. In: Zuger Presse. Nr. 26, 2. April 2002, S. 2.
  8. ↑ Michael Meier: Politiker sprechen vom Gewissen - handeln aber nicht nur danach. In: Tages-Anzeiger. Nr. 41, 18. Februar 2006.
  9. ↑ Karl Etter: Getragen von Mann und Frau - Lassalle-Haus wird nun von Jesuiten und St. Katharina-Werk auch institutionell gemeinsam geführt. In: Neue Zuger Zeitung. 21. März 2000.
  10. ↑ Livia Leykauf: Ein Joint-Venture besonderer Art. In: Schönbrunner Informationen. Nr. 14, April 2000.
  11. ↑ Hildegard Schmittfull: Via Integralis: Ein Weg - Zwei Traditionen. In: Schweizerische Kirchenzeitung. Nr. 39, 25. September 2008, S. 647.
  12. ↑ Stephanie Hess: Ein Liebespaar trotz Zölibat. In: Zentralschweiz am Sonntag. Nr. 41, 13. Oktober 2013, S. 14.
  13. ↑ Stefan Betschon: Die Kunst des Liebens - Zwei Ordensleute besingen die Liebe als tiefe Herzensverbindung, die nicht nur zwei Menschen, sondern die Welt verändert. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 298, 23. Dezember 2013.