Picibanil

Picibanil, meist auch als OK-432 bezeichnet, ist ein Sklerolosant und Immunstimulans.

Zusammensetzung und Eigenschaften

OK-432 besteht aus einem lyophilisierten und mit Benzylpenicillin (Penicillin G) und Wasserstoffperoxid behandeltem speziellen Stamm (Su) von Streptococcus pyogenes (Gruppe A Typ III 3). Dieser Stamm ist niedrig virulent. Picibanil hat die CAS-Nummer 39325-01-4. Der LD50-Wert beträgt:

Anwendung und Wirkung

Bei der Therapie von Lymphangiomen mit OK-432 konnten bei Kindern und bei Erwachsenen positive Resultate erzielt werden. Mittlerweile wird der Einsatz in der Erstlinien-Therapie für diese Indikation diskutiert.

OK-432 wird unmittelbar in den Tumor beziehungsweise das Lymphangiom injiziert (intraläsional). Es erzeugt an der Injektionsstelle eine Immunreaktion mit lokaler Entzündung. Die Proliferation von neutrophilen Granulozyten, Makrophagen, NK-Zellen und T-Lymphozyten wird durch die Erhöhung bestimmter Zytokin- und Interleukinspiegel stimuliert. Wird Picibanil in die Zysten einer lymphatischen Erkrankung injiziert, bewirkt der Entzündungsprozess eine erhöhte Durchlässigkeit der Endothelien, was den Abfluss der gestauten Lymphe beschleunigt. Danach kommt es durch einen Schrumpfungsprozess des Gewebes zur Sklerosierung und so zur Rückbildung der zystischen Strukturen.

Ursprünglich wurde OK-432 für die Krebsimmuntherapie entwickelt, um eine unspezifische aktive Immunisierung hervorzurufen. Die dabei in klinischen Studien erhaltenen Ergebnisse sind uneinheitlich.

Nebenwirkungen

Als Nebenwirkungen nach der Injektion von OK-432 werden vorübergehendes Fieber, Erythema, Parästhesien und Schwellungen im Bereich der Injektionsstelle beschrieben. Normalerweise verschwinden diese Nebenwirkungen ab dem vierten Tag nach der Injektion.

Entwicklungsgeschichte

OK-432 wurde 1967 von H. Okamoto und Kollegen in Japan entwickelt.

Einzelnachweise

  1. ↑ M. Hashimoto, K. Takashige u. a.: Enhancement of antitumor activity of OK-432 (picibanil) by Triton X-114 phase partitioning. In: Int. Immunopharmacol. Band 8, Nummer 1, Januar 2008, S. 12–19, doi:10.1016/j.intimp.2007.09.021, PMID 18068095.
  2. ↑ ChemCAS: Picibanil. Abgerufen am 15. Januar 2010.
  3. ↑ S. L. Woolley u. a.: Adult cystic hygroma: successful use of OK-432 (Picibanil). In: J Laryngol Otol 122, 2008, S. 1260–1264. PMID 18430261 (Review).
  4. 1 2 U. Waldschmidt: Therapie der Lymphangiome im Kindesalter - Besonderheiten und Vorteile der Laserbehandlung. Dissertation, Charité - Universitätsmedizin Berlin, 2007.
  5. ↑ M. Katano und T. Morisaki: The past, the present and future of the OK-432 therapy for patients with malignant effusions. In: Anticancer Res 18, 1998, S. 3917–3925. PMID 9854504 (Review).
  6. ↑ T. Taniguchi u. a.: Clinical results of OK-432 injection therapy for ganglions. In: The Journal of Dermatology. 32, 2005, S. 262–265, PMID 15863847.
  7. 1 2 D. Giese: Lymphatische Malformationen im Kindesalter unter besonderer Berücksichtigung von Prognose und Spätergebnissen. Dissertation, Medizinische Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin, 2005.
  8. ↑ B. Banieghbal und M. R. Q. Davies: Guidelines for the successful treatment of lymphangioma with OK-432. In: Eur J Pediatr Surg 13, 2003, S. 103–107, PMID 12776241.
  9. ↑ H. Okamoto, S. Shoin, S. Koshimura und R. Shimizu: Studies on the anticancer and streptolysin S-forming abilities of hemolytic streptococci. In: Jpn J Microbiol 11, 1967, S. 323–336, PMID 4875331 (Review).
  10. ↑ H. Okamoto, S. Shoin, M. Minami, S. Koshimura und R. Shimizu: Experimental anticancer studies. XXX. Factors influencing the streptolysin S-forming ability of streptococci having anticancer activity. In: Jpn J Exp Med 36, 1966, S. 161–174, PMID 5297293.

Weiterführende Literatur