Pierre Courbois

Pierre Courbois

Pierre Courbois (* 23. April 1940 in Nijmegen) ist ein niederländischer Jazz-Schlagzeuger und Bandleader.

Leben und Wirken

Nach seinem Musikstudium (Perkussion, Komposition, Piano) in Arnhem arbeitete Courbois in Paris mit Stan Getz, Johnny Griffin, Kenny Drew und Jean-Luc Ponty. Er spielte auch mit den Saxophonisten Ben Webster und Eric Dolphy. 1961 war er der Leiter des Original Dutch Free Jazz Quartet, der vermutlich ersten kontinentaleuropäischen Free-Jazz-Band. 1965 begann seine Arbeit mit dem Free Music Quintet, deren Platte für ESP als damals bestes Beispiel des neuen europäischen Jazz galt. Außerdem war er Mitglied in Gunter Hampels Heartplants-Group (und der nachfolgenden Formation mit Willem Breuker und Jeanne Lee) sowie im Trio von Peter Brötzmann (CD Mayday). Im August 1970 gründete er die Rockjazz-Band Association P. C. mit dem Gitarristen Toto Blanke, dem Keyboarder Jasper van ’t Hof und dem Bassisten Peter Krijnen. Ende 1970 ersetzte Sigi Busch Krijnen, Ende 1972 folgte Joachim Kühn auf van ’t Hof. Die Gruppe bestand bis 1974. Nach dem Musiklexikon Rock, Pop, Jazz stellte die Gruppe dem Jazz-Rock von Miles Davis ein gleichwertiges, eigenständig europäisches Konzept gegenüber.

Achim Hebgen zählte ihn 1973 in der Zeitschrift Sounds zu den profiliertesten Schlagzeugern Europas und hob hervor, dass er Jazz- und Rock-Metren in einem Maß verbinde, wie es bis dahin nur wenigen gelungen sei. Auch das Musiklexikon Rock, Pop, Jazz zählte ihn 2006 zu den führenden Schlagzeugern Europas, sein Spiel verbinde die federnden Beats des Jazz mit den einfacheren Formeln des Rock. Anschließend gründete er die New Association mit Gerd Dudek und dem französischen Pianisten Siegfried Kessler. Außerdem spielte er regelmäßig in von Ali Haurand organisierten Projekten, beispielsweise mit den Saxophonisten Alan Skidmore, Gerd Dudek und Leszek Zadlo und in der Gruppe In ’n Out, die er mit Sigi Busch leitete. Ferner trat er im Waterland Trio auf und in einem Trio mit Hampel und dem Gitarristen Jan Akkerman. 1992 gründete er ein neues Quintett, das seine eigenen Kompositionen spielte und die Musizierhaltung von Charles Mingus anstrebte. Nach 2000 spielte er im Trio von Joe van Enkhuizen. Er spielte außerdem in seinem Vijfkwarts Sextet mit Toon de Gouw, Jasper Blom, Ilja Reijngoud, Willem Kühne und Niko Langenhuijsen.

1994 wurde ihm auf dem North Sea Jazz Festival der Bird Award überreicht, im Jahr 2008 erhielt er den Boy-Edgar-Preis. Diese Preise gelten als die höchsten niederländischen Jazzpreise.

Zum Rockschlagzeug äußerte sich Courbois 1973 kritisch. Beim Beobachten der Rockmusik habe er festgestellt, dass weltweit nur eine kleine Auswahl von Schlägen gespielt werde, und zwar schematisch und klischeehaft, von der ganzen Jazz-Rock-Geschichte habe er ziemlich die Nase voll. Wenn die Gruppe solche Stücke spiele, versuche er von den üblichen Klischees wegzukommen, was das Komplizierteste sei, das man sich vorstellen könne, und nur wenigen gelinge. Er sah sich dabei in einer Entwicklungsphase, die noch ein bis zwei Jahre dauern werde, und bezeichnete Rock Around the Cock als erste Station auf diesem Weg. Das Spiel von Billy Cobham ordnete er vor allem als lateinamerikanisch ein, auf den Tom-Toms spiele dieser die gleichen Schläge wie ein Timbales-Spieler, und er riet Rockschlagzeugern, sich mehr mit Latin-Rhythmen zu befassen. Eine Verwandtschaft sah er zwischen Swing- und Rockschlagzeug, bei Buddy Rich und Ginger Baker hörte er auch beim Spiel von Rockrhythmen weiterhin ein Swingfeeling.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Courbois, Pierre. In: Harald Hassler (Hrsg.): Rock, Pop, Jazz. 800 Bands und Künstler. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2006, ISBN 978-3-476-00211-2, S. 50.
  2. 1 2 3 4 Achim Hebgen: Synthese aus Jazz und Rock. In: Sounds. Nr. 6, Juni 1973, S. 30–31 (Porträt der Gruppe Association P. C.).

Lexigraphische Einträge

Literatur

Personendaten
NAME Courbois, Pierre
KURZBESCHREIBUNG niederländischer Jazz-Schlagzeuger und Bandleader
GEBURTSDATUM 23. April 1940
GEBURTSORT Nijmegen