Pierre Daret

Biblische Szene, 1665
Pierre Daret: Jean-Pierre Camus, Bischof von Belley, nach einem Gemälde von Sébastien Bourdon, mit von François Chauveau gestochenen Allegorien, 17. Jahrhundert, Kupferstich, 39,5 × 55 cm, Bibliothèque nationale de France, Paris

Pierre Daret (auch Pierre Daret de Cazeneuve; getauft am 18. April 1605 in Chalifert; † 29. März 1678 auf Schloss Laluque bei Dax) war ein französischer Kupferstecher und Verleger.

Leben

Herkunft und Ausbildung

Pierre Daret wurde am 18. April 1605 in der Pfarrkirche Saint-André in Chalifert-en-Brie (heute Département Seine-et-Marne) getauft. Sein Vater, ebenfalls Pierre Daret, stammte aus Brüssel, kam Ende des 16. Jahrhunderts nach Frankreich und wurde am 31. Oktober 1600 naturalisiert. Er war bis 1609 Steuereinnehmer des Grundbesitzes und der Seigneurie Chalifert und von 1610 bis 1630 Weinhändler in Paris (Rue de la Mortellerie, Pfarrbezirk Saint-Gervais). Pierre Daret war wahrscheinlich ein Nachfahre des Brüsseler Bildhauers Jacques Daret. Sein Bruder war Vespasien Daret und der in Aix-en-Provence tätige Maler Jean Daret war sein Cousin.

Am 27. August 1618 gab sein Vater ihn für fünf Jahre als Lehrling bei dem vor allem dem flämischen Kulturkreis verbundenen Kupferstecher Pierre Firens ab. Für die Zeit zwischen dem geplanten Lehrabschluss im Jahr 1623 und 1630, dem Jahr der Unterzeichnung des Ehevertrags seines Bruders, liegt kein genauer Nachweis über seinen Aufenthalt vor. Eine Italienreise gilt als möglich, ist aber nicht belegt. Im Nachlassinventar seiner Ehefrau Gillette Guinet, einer Illuminatorin, mit der er am 5. September 1633 einen Ehevertrag schloss, wird 1639 ein nicht zugeschriebenes Gemälde mit einer Ansicht des Markusplatzes in Venedig erwähnt. Seine frühen Wappenstiche nach Jacques Blanchard und Simon Vouet verweisen auf ein italianisierendes Umfeld.

Tätigkeit in Paris

Im März 1630 und im März 1631 ist Pierre Daret in Paris dokumentiert. Als Kupferstecher ist er ab 1632 nachweisbar. Im August dieses Jahres stellte er einen Lehrling ein. Seine Adresse war die Rue des Billettes im Pfarrbezirk Saint-Jean-en-Grève. In den folgenden Jahren wechselte er mehrfach seine Adresse und sein Firmenschild. Die Forschung hat zudem ein Werkverzeichnis (Inventaire du fonds français, 1954) erstellt, das für den Zeitraum 1632 bis 1655/56 insgesamt 551 Nummern umfasst, darunter 462 Kupferstiche Darets und 89 Blätter mit dem Vermerk „excudit“. Vier Blätter wurden außerhalb von Paris ausgeführt. Er wirkte an Aufträgen der Imprimerie royale mit und führte den Titel „Graveur ordinaire du Roi“.

Um 1650 war Pierre Daret an der Auseinandersetzung um ein Privileg beteiligt, das der Architekt François Mansart für die Schätzung von Kupferstichen erwirkt hatte. Zusammen mit Charles Errard, mit dem ihn gemeinsame Beziehungen zum Kupferstecher Georges Tournier verbanden, wirkte er daran mit, dass der Versuch Mansarts scheiterte und sich die Vertreter des Handwerkerstandes beim Siegelbewahrer Châteauneuf durchsetzten. Daret begrüßte dessen Rückkehr in die Amtsgeschäfte im Jahr 1649 mit einem Gedenkporträt und widmete ihm im Jahr 1650 die von ihm übersetzte und herausgegebene Lebensbeschreibung Raffaels nach Giorgio Vasari. Gemeinsam mit Errard und Abraham Bosse war er in literarische und kunstkritische Aktivitäten im Umfeld der Gründung der Académie royale de peinture et de sculpture (1648) eingebunden.

Verlegertätigkeit

Pierre Daret: Buchillustration zu Jean-François Nicérons La perspective curieuse, ou magie artificielle des effets merveilleux de l’optique, de la catoptrique et de la dioptrique, Tafel 8, 1638, Radierung auf Papier, 30,3 × 20,5 cm, Cooper Hewitt, Smithsonian Design Museum, New York.

Neben der Arbeit für Buchhändler und Vouet strebte Pierre Daret zunehmend nach Unabhängigkeit und Selbstverlag. 1637 schloss er mit dem Buchhändler Courbé einen Vertrag über die Ausgabe der französischen Fassung der Emblemata des Horaz von Otto van Veen. 1645/46 publizierte er auf eigene Kosten gemeinsam mit dem Drucker Louis Sevestre La Doctrine des mœurs mit Texten von Marin Le Roy de Gomberville und einem Frontispiz nach einer Vorlage von Eustache Le Sueur. Gomberville und Daret gehörten zum Kreis um M. de Chambré und sind beide auf Le Sueurs Gruppenbildnis Réunion d’amis (Louvre, Paris) dargestellt.

1648 veröffentlichte er den Traité de l’architecture suivant Vitruve mit 50 Tafeln, der auf Julien Mauclerc zurückgeführt wird und neben Maßangaben von Vincenzo Scamozzi, Andrea Palladio und Vignola auch Regeln der Perspektive enthält. Die Blätter nach dem Auszug aus dem königlichen Privileg stammen jedoch nicht von Daret. Das Projekt wurde um 1642 begonnen. Entstehung und Urheberschaft sind in der Literatur nicht abschließend geklärt. Im Jahr 1651 erschien sein Abrégé de la vie de Raphaël Sanzio d’Urbin, eine freie Übersetzung der Raffael-Vita Vasaris. Das Werk wurde um Angaben zu den druckgrafischen Reproduktionen nach Raffael, zum Ursprung der Kupferstechkunst und zu den Wirkungsorten der von Vasari beschriebenen italienischen Maler ergänzt. Im Jahr 1652 erschien seine letzte unter eigenem Namen veröffentlichte Publikation, eine Sammlung von mehr als hundert Porträts bedeutender Persönlichkeiten mit Kurzbiografien, die er selbst am unteren Rand der Stiche anfügte (Tableaux historiques). Thieme-Becker nennt für diese Sammlung eine Folge von 76 Bildnissen aus den Jahren 1652 und 1656, die er gemeinsam mit Louis Boissevin anfertigte.

Rückzug in die Provinz

Kurz nach dem Ende der Fronde verließ Pierre Daret Paris. In der Widmung der Tableaux historiques an die Duchesse de Chevreuse (vermutlich 1654) erwähnt er, von mächtigen Feinden ruiniert und zur Flucht gezwungen worden zu sein. Die näheren Umstände sind nicht geklärt. Am 7. April 1655 heiratete seine einzige Tochter, die 1634 geboren wurde, in Lahontan (Département Pyrénées-Atlantiques) Philibert Archambault du Sault, Baron de La Luque, ein Mitglied einer Parlamentarierfamilie aus Aquitanien. Im selben Jahr stach Daret in Magescq (Département Landes), einem weiteren Besitz des Barons, Büsten von Christus und der Madonna nach Vorlagen des kurz zuvor verstorbenen Le Sueur. 1656 ergänzte Daret die Tableaux um Porträts von Gabriel du Sault, dem Vater seines Schwiegersohns und ehemaligen Generalleutnant von Dax, sowie von Jean-Jacques du Sault, dem Großonkel des Schwiegersohns, Bischof von Dax und Kardinal.

Pierre Daret ließ sich auf dem Grundbesitz seines Schwiegersohns nieder, nahm den Beinamen „de Cazeneuve“ an und lebte dort bis zu seinem Tod. Ein Aufenthalt in Paris ist nur für das Jahr 1663 dokumentiert, bei dem er von Nicolas Berey einen Auftrag übernahm und ihm Kupferplatten verkaufte. Die einzige Unterschrift in den Registern der Académie royale für den Namen Daret vom 15. September 1663 stammt von seinem Cousin Jean Daret. Pierre Daret starb am 29. März 1678 auf Schloss Laluque.

Werk

Pierre Daret: Porträt von Christine von Frankreich, 1630, Kupferstich, Bibliothèque nationale de France, Paris

Pierre Daret schuf überwiegend Reproduktions- und Porträtstiche sowie Buchillustrationen, vor allem Frontispize. Sein erstes datiertes Werk entstand 1632: ein Frontispiz für die von A. de Sommaville herausgegebene Ausgabe von La conclusion et dernière partie d’Astrée von Balthasar Baro (zweite Ausgabe 1647 bei A. Courbé). Daneben schuf er mindestens neun Stiche nach Blanchard, eine größere Folge nach Vouet sowie Stiche nach Skulpturen von Jacques Sarazin, darunter vier Blätter der Jahreszeiten (1642). Nach 1640 arbeitete er mit Eustache Le Sueur an Frontispizen nach Zeichnungen von Laurent de La Hyre, Jacques Stella, Claude Vignon und Charles Le Brun. Ein Beispiel ist das Frontispiz der Erstausgabe von Pierre Corneilles Horace, die 1641 bei Courbé erschien. Seltener arbeitete er nach italienischen Vorlagen (Annibale Carracci, Guido Reni, Tizian, Domenichino).

Thieme-Becker nennt als Porträtstiche unter anderem Karl II. von England, den Kanzler Le Fèvre de Caumartin, Ludwig XIII. zu Pferde (1643), den Dichter Scarron, Ladislaus IV. von Polen und Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar. Nach niederländischen Vorlagen stach er Werke von Anthonis van Dyck, Gerard Seghers und Justus van Egmont. Charles Le Blanc verzeichnet 155 Stiche. Eine Fassung des Reiterbildnisses Ludwigs XIII. aus dem Jahr 1643 befindet sich in der National Gallery of Art in Washington.

Literatur

Commons: Pierre Daret – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Simon Lhopiteau: : Pierre Daret : étude monographique et catalogue de son œuvre. Hrsg.: Université Paris-Sorbonne. Paris 2005.