Pietro Massa

Pietro Massa (2015)

Pietro Massa (* 6. März 1973 in Mailand) ist ein italienischer Pianist und Musikwissenschaftler.

Ausbildung

Pietro Massa erhielt seine erste Klavierausbildung bei Giuseppe Aneomanti, der seine musikalische Entwicklung maßgeblich prägte. Am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand studierte er bei Luciano Lanfranchi, einem Schüler von Alberto Mozzati. Zusätzlich belegte er Komposition bei Bruno Bettinelli, der auch Claudio Abbado und Riccardo Muti ausgebildet hat. Er studierte Harmonielehre bei Danilo Lorenzini, einem Vertreter der Kompositionsschule von Luigi Dallapiccola, und Kontrapunkt bei Adelchi Amisano, einem Schüler von Goffredo Petrassi.

Parallel dazu absolvierte Pietro Massa an der Universität Pavia ein Studium der Altphilologie mit dem Schwerpunkt Gräzistik (Altgriechische Philologie). 1996 verließ er Italien, um seine Klavierausbildung in Paris bei Aldo Ciccolini fortzusetzen. 1999 zog Pietro Massa von Paris nach Berlin um. In Berlin vertiefte Pietro Massa sein Interesse an Musikforschung. Er promovierte an der Freien Universität Berlin bei Jürgen Maehder über die Verarbeitung altgriechischer Mythologie im Musiktheater von Carl Orff.

Karriere

Pietro Massa tritt als Pianist weltweit auf, darunter in Westeuropa, Brasilien, Japan, Kasachstan, der Türkei, der Ukraine, den USA und Uruguay. Sein Repertoire umfasst etwa 30 Klavierkonzerte, darunter Werke von Brahms, Busoni, Rachmaninow und Respighi, die er mit renommierten Orchestern interpretiert. Mit Werken für Soloklavier vom Barock bis in die Moderne gastiert er in u. a. Berlin (Philharmonie und Konzerthaus), Hamburg (Laeiszhalle), München (Gasteig), Düsseldorf (Tonhalle und Robert-Schumann-Saal), Nürnberg (Meistersingerhalle) und Stuttgart (Liederhalle).

Pietro Massa (2024)

Kurz nach Veröffentlichung seiner Live-Aufnahme des Klavierkonzerts Nr. 3 d-Moll Op. 30 von Rachmaninow auf CD erhielt Pietro Massa die Einladung, 2008 mit der Neubrandenburger Philharmonie und dem Ernst Senff Chor das Konzert für Klavier und Orchester mit Männerchor C-Dur op. 39 von Busoni aufzuführen und auf CD einzuspielen.

Die Aufführung in Neubrandenburg wurde live von Deutschlandradio Kultur (heute: Deutschlandfunk Kultur) übertragen und erreichte über 150.000 Zuhörer. Die daraus entstandene CD erhielt begeisterte Kritiken, was 2009 zu einer weiteren Aufführung mit denselben Mitwirkenden im Großen Saal der Berliner Philharmonie führte.

2025 beginnt Pietro Massas über mehrere Jahre angelegtes Soloprojekt ChopinPlus in der Berliner Philharmonie.

Neben seiner Tätigkeit als Pianist ist Pietro Massa aktuell als Gastwissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig. Am Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft arbeitet er bei Arne Stollberg an seinem Forschungsprojekt Geschichte und Ästhetik der italienischen Klaviermusik. Massas Publikation ist für 2027 geplant.

Repertoire

Pietro Massa konzentriert sich zunehmend auf das Italienische Klavierrepertoire des 19. und 20. Jahrhunderts. In Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur (heute: Deutschlandfunk Kultur) hat er unter dem Label Capriccio die CD-Reihe Piano Rarities aufgenommen.

Während seiner Recherchen in den Archiven der Fleisher Collection in Philadelphia entdeckte Pietro Massa die lange verschollene Partitur des Klavierkonzerts Nr. 2 F-Dur Op. 92 von Mario Castelnuovo-Tedesco. Er führte das Werk als Europäische Erstaufführung im September 2009 im Großen Saal der Berliner Philharmonie mit den Berliner Symphonikern auf. Der Erfolg dieses Projekts führte zu einer langjährigen Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Stefan Malzew, was zu vielbeachteten Einspielungen führte, darunter das Klavierkonzert Nr. 2 Op. 66 von Giuseppe Martucci.

Weitere bedeutende Aufnahmen umfassen die Klavierkonzerte von Ottorino Respighi sowie Scarlattiana von Alfredo Casella. Er nahm auch das Klavierkonzert Nr. 1 von Giuseppe Martucci auf. Gemeinsam mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin führte Pietro Massa das Piccolo Concerto per Muriel Couvreux von Luigi Dallapiccola auf. Mit dem Göttinger Symphonieorchester spielte er das Concerto für Klavier und Orchester von Goffredo Petrassi.

2011 veröffentlichte Pietro Massa die Weltersteinspielung sämtlicher Klavierwerke von Riccardo Zandonai.

Diskografie

Aufnahmedatum Werke Weitere Künstler Label
2003Chromatisme Mystique – Franz Liszt: Ballade h-Moll, César Franck: Prélude, Aria et Final, Alexander Skrjabin: 2 Morceaux op. 57, 2 Poèmes op. 63, Sonate Nr. 7 op. 64, Alfredo Casella: Berceuse triste op. 14, Goffredo Petrassi: ToccataPietro Massa (Solo Klavier)Master Arts
2008Sergej Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30; Symphonische Tänze op. 45Orchestra Bruno Maderna, Daniele Giorgi (Dirigent)Genuin
2008Ferruccio Busoni: Konzert für Klavier und Orchester mit Männerchor C-Dur op. 39Ernst Senff Chor, Neubrandenburger Philharmonie, Stefan Malzew (Dirigent)Genuin
2010Piano Rarities – Mario Castelnuovo-Tedesco: Klavierkonzert Nr. 2 F-Dur op. 92 (Ersteinspielung), La Sirenetta e il pesce turchino, Alghe, Vitalba e Biancospino, Passatempi, 5 piccoli Walzer, Onde – Due studi per PianoforteBerliner Symphoniker, Alessandro Crudele (Dirigent)Capriccio
2010Piano Rarities – Luigi Dallapiccola: Piccolo concerto per pianoforte e orchestra da camera, Sonatina canonica su Capricci di Niccolò Paganini, Tre episodi dal Balletto Marsia, Quaderno musicale di Annalibera, Due pezzi per orchestraRundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Peter Hirsch (Dirigent)Capriccio
2011Piano Rarities – Riccardo Zandonai: Telefunken, Tempo di Valzer, Canzone montanina, Berceuse, Fiori sotto la neve, Intermezzo – Cavalcata da „Giulietta e Romeo“, Sera, Sogno giovanile, Primavera in Val di SolePietro Massa (Solo Klavier)Crystal Classics
2013Piano Rarities – Mario Castelnuovo-Tedesco: Klavierkonzert Nr. 1 g-Moll op. 46, Klavierkonzert Nr. 2 F-Dur op. 92, La sirenetta e il pesce turchino Op. 18, Vitalba e Biancospino Op. 21, I Naviganti Op. 13, Alghe Op. 12, Le danze del Re David Op. 37, Passatempi Op. 54, 2 Film Studies Op. 67Neubrandenburger Philharmonie, Stefan Malzew (Dirigent)Capriccio (2 CD-Box)
2013Piano Rarities – Giuseppe Martucci: Klavierkonzert Nr. 2 b-Moll op. 66, Tema e variazoni Op. 58, Notturno Nr. 1 Op. 70 (Klavierversion)Neubrandenburger Philharmonie, Stefan Malzew (Dirigent)Capriccio
2014Piano Rarities – Goffredo Petrassi: Konzert für Klavier und Orchester, Partita, Toccata, InvenzioniGöttinger Symphonie Orchester, Christoph-Mathias Mueller (Dirigent)Capriccio
2015Ferruccio Busoni: Konzert für Klavier und Orchester mit Männerchor C-Dur op. 39Ernst Senff Chor, Neubrandenburger Philharmonie, Stefan Malzew (Dirigent)Myricae Classics/Naxos
2023Johannes Brahms: Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 83, Tragische Ouvertüre op. 81Harvestehuder Sinfonieorchester, Christian Kunert (Dirigent)Myricae Classics/Naxos
2024Giuseppe Martucci: Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op. 40, Symphonie Nr. 1 d-Moll op. 75Neubrandenburger Philharmonie, Stefan Malzew (Dirigent)Myricae Classics/Naxos
2025Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen BWV 988Pietro Massa (Solo Klavier)Myricae Classics/Naxos

Pressestimmen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Alessandro Giancola/Guido Ottombrino: La Stanza dei Sogni. Il metodo AIREO per il cambiamento. In: Anteprima Edizioni. 2009, abgerufen am 19. Februar 2025 (italienisch).
  2. ↑ Pietro Massa: Carl Orffs Antikendramen und die Hölderlin Rezeption im Deutschland der Nachkriegszeit. In: Peter Lang. 2006, abgerufen am 19. Februar 2025.
  3. ↑ Marco Frei: Pietro Massas Einspielung des 3. Klavierkonzertes von Rachmaninow. In: Piano News. 2008, abgerufen am 19. Februar 2025.
  4. ↑ Stefan Lang: Interview über die Kooperation zwischen Pietro Massa und Deutschlandradio Kultur. In: YouTube. 17. November 2015, abgerufen am 19. Februar 2025.
  5. ↑ Carsten Dürer: Ferruccio Busoni. Konzert für Klavier und Orchester mit Männerchor Op. 39. In: Piano News. 2009, abgerufen am 19. Februar 2025.
  6. ↑ ChopinPlus – Konzertmatinee mit Pietro Massa am SO 04.05.2025. In: Berliner Philharmoniker. Abgerufen am 18. Februar 2025.
  7. ↑ Gastwissenschaftler am Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft. In: Humboldt-Universität zu Berlin. Abgerufen am 19. Februar 2025.
  8. ↑ Dieses Konzert mit der europäischen Erstaufführung von Mario Castelnuovo-Tedescos 2. Klavierkonzert. In: Tagesspiegel. 2009, abgerufen am 19. Februar 2025.
  9. ↑ Neues von Giuseppe Martucci. In: Deutschlandradio Kultur. 22. November 2011, abgerufen am 19. Februar 2025.
  10. ↑ Divertimento Neubrandenburg. In: Deutschlandradio Kultur. 6. November 2014, abgerufen am 19. Februar 2025.
  11. 1 2 Michael Baumgartl: Große Aufmerksamkeit für unbekannte Werke. In: Nordkurier. 20. November 2011, abgerufen am 19. Februar 2025.
  12. 1 2 Marie Varela: Flirrende Klangfarben. Göttinger Symphonieorchester mit Bella Italia. In: Göttinger Tageblatt. 18. Oktober 2011, abgerufen am 19. Februar 2025.
  13. ↑ Peter Roggenkamp: Rezension Ferrucio Busoni: Konzert für Klavier und Orchester mit Männerchor C-Dur op. 39. In: Das Orchester. Mai 2009, abgerufen am 19. Februar 2025.
Personendaten
NAME Massa, Pietro
KURZBESCHREIBUNG italienischer Pianist und Musikwissenschaftler
GEBURTSDATUM 6. März 1973
GEBURTSORT Mailand