Piscator-Bibel

Johannes Piscator
Piscator-Bibel Faksimile

Als Piscator-Bibel wird die deutsche Bibelübersetzung von Johannes Piscator aus den Jahren 1602 bis 1604 bezeichnet.

Hintergrund

Die deutschen Calvinisten nutzten ursprünglich die Luther-Bibel, die mit zusätzlichen Erläuterungen oder Ergänzungen versehen war. Die 1568 erschienene Heidelberger Bibel und die 1579 in Neustadt an der Haardt gedruckte Bibel behielten zwar die Lutherübersetzung bei, ließen jedoch Luthers Einzelvorreden zu den biblischen Büchern beiseite. Die Neustadter Bibel von 1587/88 gilt als die erste reformierte deutschsprachige Bibelausgabe, da sie die Lutherübersetzung mit einer reformierten Kommentierung versah und weiteren Auflagen sogar reformierte Psalmlieder, den Heidelberger Katechismus und einige Stücke der pfälzischen Kirchenordnung von 1563 beifügte. Weitere in reformierten Territorien gedruckte Bibelausgaben behielten ebenfalls Luthers Bibelübersetzung bei, so die Dresdner Bibel 1589–1591, die Herborner Bibel 1595 und die Kasseler Lutherbibel 1601.

Der theologische Gegensatz zwischen Lutheranern und Calvinisten forderte jedoch eine vollständige Bibelübersetzung in calvinistischem Sinne. Amandus Polanus von Polansdorf legte 1603 in Genf eine erste calvinistische Bibelübersetzung vor. Diese basierte auf der Luther-Bibel, jedoch passte Polanus viele Formulierungen im calvinistischen Sinne an. Diese Übersetzung verursachte starke Empörung bei den Lutheranern. Vor diesem Hintergrund entschied sich Johannes Piscator, die erste eigenständige calvinistische Bibelübersetzung anzufertigen.

Die Übersetzung

Piscator hatte 1589 bis 1597 einen Kommentar zum Neuen Testament und seit 1601 einen Kommentar zum Alten Testament verfasst. Diese Vorarbeiten nutzte er, um von 1602 bis 1604 die Bibel zu übersetzen. Wichtige Quellen waren für ihn die lateinischen und französischen Übersetzungen, die seine Glaubensbrüder in Genf angefertigt hatten. Aber auch Formulierungen der Lutherbibel wurden in vielen Textstellen übernommen.

Bei der Übersetzung achtete er auf philologische Genauigkeit. Hierdurch wirkt der Text sprachlich teilweise holprig. Auch ist der Text durch die Verwendung oberdeutscher Wortformen geprägt.

Der seiner sachlich richtigen eigentlichen Übersetzung nachfolgende, durch kleineren Druck als Hinzufügung kenntlich gemachte Zusatz der beteuernden Schwurformel „so straaffe mich Gott“ in Mk 8,12 EU wurde von den lutherischen Gegnern der Bibelübersetzung verwendet, um die Bibel als „Strafmichgott-Bibel“ zu bezeichnen.

Die Bedeutung der Übersetzung

Die Piscator-Bibel wurde in Herborn bis 1652 genutzt. Weitere Ausgaben fanden später in Deutschland Verwendung, aber vor allem die Verwendung in der Stadt und Republik Bern als offizielle Staatsbibel von 1684 bis Ende des 18. Jahrhunderts macht die Bedeutung dieser Bibelübersetzung aus.

Ausgaben

Erstausgabe

Weitere Ausgaben bis 1700

Faksimile der 2. Herborner Auflage

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Zur Heidelberger Bibel von 1568/69 siehe: Traudel Himmighöfer: Die Neustadter Bibel von 1587/88, die erste reformierte Bibelausgabe Deutschlands (= Veröffentlichungen des Vereins für pfälzische Kirchengeschichte. 12). Speyer 1986, ISBN 3-925536-03-5, S. 27–36.
  2. ↑ Zu der 1579 in Neustadt an der Haardt erschienenen Bibel siehe: Traudel Himmighöfer: Die Neustadter Bibel von 1587/88, die erste reformierte Bibelausgabe Deutschlands (= Veröffentlichungen des Vereins für pfälzische Kirchengeschichte. 12). Speyer 1986, ISBN 3-925536-03-5, S. 36–39.
  3. ↑ Zu Vorgeschichte, Inhalt und Theologie, Rezeption und Auflagen der Neustadter Bibel siehe Traudel Himmighöfer: Die Neustadter Bibel von 1587/88, die erste reformierte Bibelausgabe Deutschlands (= Veröffentlichungen des Vereins für pfälzische Kirchengeschichte. 12). Speyer 1986, ISBN 3-925536-03-5.
  4. ↑ Stefan Sonderegger: Geschichte deutschsprachiger Bibelübersetzungen in Grundzügen, in: Werner Besch u. a.: Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 1. Teilband. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin 1998, ISBN 3-11-011257-4, S. 269 (Google Books)
  5. ↑ vgl. Pierer’s Universallexikon, 1863; die Stelle in der Ausgabe 1684 siehe Digitalisat, ganz links oben
  6. ↑ Urs Joerg, David Marc Hoffmann (Red.): Die Bibel in der Schweiz. Ursprung und Geschichte, Basel 1997, S. 228–232.
  7. ↑ Adolf Fluri: Bern und die Piscatorbibel. In: Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde 1917, S. 272. doi:10.5169/seals-182673