Pitigrilli

Dino Segre, Vorkriegsfoto, 1930er Jahre.

Pitigrilli (Pseudonym von Dino Segre; * 9. Mai 1893 in Turin; † 8. Mai 1975 ebenda) war ein italienischer Schriftsteller, Journalist und promovierter Rechtswissenschaftler. Er wurde in den 1920er und 1930er Jahren als Verfasser von umstrittenen und mehrfach verbotenen Büchern bekannt. In den 1950ern wurden die Werke Der falsche Weg, Der Keuschheitsgürtel und Die Jungfrau von 18 Karat in Deutschland durch Gerichtsbeschluss indiziert. Sein bekanntester Roman Kokain wurde in der Bundesrepublik Deutschland auch 1988 noch kurzzeitig in die Liste jugendgefährdender Schriften aufgenommen.

Leben

Segre besuchte eine von Dominikanern betriebene höhere Schule. Seine ersten Artikel veröffentlichte er in Studentenzeitungen, später arbeitete er als Redakteur für verschiedene Zeitungen und gründete 1924 die Zeitschrift Le Grandi Firme (Die großen Namen). Die 1920er Jahre verbrachte er als Zeitungskorrespondent in Paris. Dort entstanden auch seine ersten, bereits heftig diskutierten Bücher. Zu Beginn der 30er Jahre ließ er sich vom Regime Mussolinis als Spitzel anheuern, um antifaschistische Widerstandszirkel (etwa von Leone Ginzburg) auszuspionieren. Nachdem im faschistischen Italien die Rassengesetze von 1938 in Kraft getreten waren, musste er wegen seiner jüdischen Herkunft auswandern, zunächst durch Astano in die Schweiz, dann nach Argentinien. Mit den nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1957 entstandenen Büchern dokumentierte der ehemals zynische Skeptiker Pitigrilli seine Hinwendung zum Moralismus und sein spätes Bekenntnis zum Katholizismus. Er wandte sich von da an auch gegen Neuauflagen seiner frühen Romane.

Literarischer Stil

Pitigrillis Stärke war weniger der große Handlungsbogen, als das geistvolle, beißend zynische Aperçu, mit dem er die Geschlechterrollen und die Fixierung der Menschen auf das Sexuelle und die Fortpflanzung analysierte. Diese Aphorismen scheinen aus heutiger Sicht oft frauenfeindlich: “Quando una donna ha un bel paio di gambe può permettersi la libertà di essere analfabeta. Valgono di più due polpacci femminili che tutto lo spirito di Rabelais” (deutsch: „Wenn eine Frau ein paar schöne Beine hat, kann sie sich den Luxus erlauben, Analphabet zu sein. Zwei weibliche Waden wiegen mehr als der ganze Geist von Rabelais.“)

Zitate

„Was war das Gefährliche an Pitigrilli? Die freimütige Gewandtheit, mit der er die Mythen seiner Gesellschaft behandelte, der Skeptizismus, die Unvoreingenommenheit, mit der er Paradoxa gebrauchte, die man für zerstörerisch hielt, die ironische Nüchternheit, mit der er von Ehebruch sprach und von falschen Ideologien.“

– Umberto Eco

Romane und Kurzgeschichtensammlungen

Commons: Pitigrilli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Gesamtverzeichnis indizierter Bücher, Taschenbücher, Broschüren und Comics (Stand: 30. April 1993); G Nr. 95 vom 19. Mai 1954
  2. ↑ Gesamtverzeichnis indizierter Bücher, Taschenbücher, Broschüren und Comics (Stand: 30. April 1993); G Nr. 114 vom 18. Juni 1954
  3. ↑ Gesamtverzeichnis indizierter Bücher, Taschenbücher, Broschüren und Comics (Stand: 30. April 1993); G Nr. 227 vom 25. November 1954
  4. ↑ Peter Hans Göpfert: Der Schnee von heute. In: Berliner Morgenpost. 2. Februar 2004.
  5. ↑ Robin Detje: Theater: Djangotts Blutbad. In: Die Zeit, Nr. 7/2004.
  6. ↑ Klappentext der Rowohlt-Ausgabe von Betrüge mich gut
Personendaten
NAME Pitigrilli
ALTERNATIVNAMEN Segre, Dino
KURZBESCHREIBUNG italienischer Schriftsteller, Journalist und Rechtswissenschaftler
GEBURTSDATUM 9. Mai 1893
GEBURTSORT Turin
STERBEDATUM 8. Mai 1975
STERBEORT Turin