Rogue Planets (von englischrogue planet, auch freifliegender bzw. vagabundierender Planet (englischfree floating planet, FFP), Einzelgänger-Planet, Waisenplanet oder (der oder das) Planemo (von engl. planetary mass object)), sind interstellare Objekte, die nicht gravitativ an einen massereicheren Körper gebunden sind
Hauptsächlich wird dieser Begriff für letztere Objekte gebraucht. Diese haben entweder das Planetensystem, in dem sie ursprünglich entstanden sind, verlassen, zum Beispiel indem sie herausgeschleudert wurden – oder sie waren nie gravitativ an einen Stern oder Braunen Zwerg gebunden und sind selbst wie ein Stern entstanden, die sogenannten Sub-Brown Dwarfs.
Sichtbarkeit und vermutete Häufigkeit
Freifliegende Planeten sind vergleichsweise schwer zu finden, da sie im sichtbaren Licht nicht leuchten, nicht nennenswert das Licht eines Sterns reflektieren und auch nicht durch ihren Einfluss auf einen Stern zu entdecken sind. Mit Infrarotteleskopen konnten jedoch aufgrund ihrer eigenen Wärmeemissionen einige Kandidaten für solche Objekte in der Galaxis entdeckt werden.
Heute geht man davon aus, dass in der Milchstraße um die 400 Milliarden freifliegende Planeten existieren, also ungefähr doppelt so viele wie Planeten, die fest an einen Stern gebunden sind (rund 100—400 Milliarden) bzw. Sterne selbst (rund 100—300 Milliarden).
Die Massen der bisher bekannten PMOs sind häufig wesentlich größer als die Massen der traditionellen Planeten des Sonnensystems. Dies liegt zum einen daran, dass Sub-Brown Dwarfs unterhalb einer Jupitermasse nicht entstehen können, zum anderen an der allgemein größeren Schwierigkeit, kleinere und leichtere Objekte nachzuweisen.
Das Objekt Cha 110913-773444 ist von einer Staubscheibe umgeben und wurde 2005 mit dem Spitzer-Weltraumteleskop entdeckt. Es besitzt rund acht Jupitermassen und löste durch seine Entdeckung und unklare Einordnung als Stern oder Planet die Debatte aus, aus welcher die Bezeichnung „Planemo“ hervorging.
Das Objekt PSO J318.5-22, dessen Entdeckung am 1.Oktober 2013 veröffentlicht wurde, besitzt nach Kenntnisstand vom Mai2014 ungefähr sechs Jupitermassen und ist damit zu massearm, um ein Stern oder ein Brauner Zwerg zu sein.
Das Objekt OTS 44 wurde 2004 mit 15Jupitermassen als der kleinste zu diesem Zeitpunkt bekannte Braune Zwerg mit einer protoplanetaren Staubscheibe beschrieben. Nach Kenntnisstand vom November2014 besitzt er um 11,5Jupitermassen; allerdings ist die Ableitung aus den Messdaten erheblich unsicher (5–17Jupitermassen), sodass er wahrscheinlich, aber nicht nachgewiesenermaßen ein Objekt planetarer Masse ist.
Das Objekt SIMP J013656.5+093347 wurde 2006 entdeckt und der SpektralklasseT2.5 zugeordnet. Erst2017 wurde erkannt, dass es sich bei dem Objekt nicht um einen braunen Zwerg, sondern um einPMO handelt. Es ist der erdnächste bisher entdeckte Himmelskörper dieser Art.
Weitere Beispiele für Objekte planetarer Masse sind SOri68 und SOri70 im Sternbild Orion.
Das im Juni 2016 beobachtete Mikrogravitationslinsen-Ereignis OGLE-2016-BLG-1928 wird in einer im Oktober 2020 erschienenen Veröffentlichung als die Beobachtung eines Objektes planetarer Masse mit einer Größe zwischen Erd- und Marsgröße gedeutet, das wahrscheinlich freifliegend ist, aber auch ein Planet sein könnte, der einen unbeobachteten Zentralstern in einer Entfernung von mindestens 8 AE umrundet.
Am 2008 entdeckten etwa 5–10 Jupitermassen schweren Objekt Cha 1107−7626 wurde Mitte 2025 ein zwei Monate andauernder Helligkeitsanstieg beobachtet, der auf ein Massenakkretionsereignis zurückging. Die dabei beobachtete Akkretionsrate (etwa 10−7 Jupitermassen pro Jahr) ist die bis dahin höchste beobachtete für ein Objekt planetarer Masse.
Im Dezember 2021 vermeldete die Europäische Südsternwarte: „Bisher waren nicht viele dieser Objekte bekannt, aber ein Team von Astronomen hat mit Hilfe von Daten mehrerer Teleskope der Europäischen Südsternwarte (ESO) und anderer Einrichtungen mindestens 70 neue Einzelgänger-Planeten in unserer Galaxie [in den Sternbildern Skorpion und Ophiuchus, einer sonnennahen Sternentstehungsregion] entdeckt. Dies ist die größte jemals entdeckte Gruppe vagabundierender Planeten und ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Ursprünge und Eigenschaften dieser […] galaktischen Nomaden.“
Eine Liste von bekannten Einzelgänger-Planeten ist im Artikel Liste von Exoplaneten verzeichnet.
Literatur
Franziska Konitzer: Milliarden frei fliegender Planeten.Sterne und Weltraum, Juli 2020, S.22–25
Weblinks
Interaktive Karte der Exoplaneten in Sonnennähe auf EXOPLANET.EU vom März 2022
↑Stefan Schmitt:Wortschöpfung – Planemo.Die Zeit,12.Dezember 2014,abgerufen am 18.Dezember 2014(gibt als Genus „der Planemo“ an, wohl analog zu „der Planet“ – ohne dies explizit zu begründen. Andere Fundstellen verwenden „das Planemo“ – wohl analog zu „das Objekt“ (planemo = planetary mass object‚Objekt planetarer Masse‘)).
↑S. Soter: What is a Planet? In: The Astronomical Journal. Band 132, S.2513, IOP Publishing, 2006, arxiv:astro-ph/0608359 (englisch)
↑siehe z.B. S.21 von: Martin Ratcliffe: State of the Universe 2008: New Images, Discoveries, and Events. Praxis Publishing Ltd., New York 2008, ISBN 978-0-387-73998-4.
↑Orphan Planets: It’s a Hard Knock Life, Space.com, 24. Februar 2005, abgerufen am 5. Februar 2009.
↑Free-Floating Planets – British Team Restakes Dubious Claim, Space.com, 18. April 2001, abgerufen am 5. Februar 2009.
↑Orphan 'planet' findings challenged by new model, NASA Astrobiology, 18. April 2001, abgerufen am 5. Februar 2009.
↑T. Sumi, K. Kamiya u.a.: Unbound or distant planetary mass population detected by gravitational microlensing. In: Nature. 473, 2011, S.349, doi:10.1038/nature10092.
↑Alan P. Boss, Gibor Basri, Shiv S. Kumar, James Liebert, Eduardo L. Martín, Bo Reipurth, Hans Zinnecker:Nomenclature: Brown Dwarfs, Gas Giant Planets, and?Band221, 1.Juni 2003, S.529.
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↑K. L.Luhmann,D. E.Peterson,S. T.Megeath:Spectroscopic Confirmation of the Least Massive Known Brown Dwarf in Chamaeleon. In: The Astrophysical Journal. 617. Jahrgang, Nr.1, 2004, doi:10.1086/425228 (englisch).
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